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Roger Goodell übernahm 2006 den Commissioner-Posten von Paul Tagliabue © getty

Vor Super Bowl XLIII sorgen Sparmaßnahmen in der NFL für Unruhe. Auch andere Ligen sind von der Wirtschaftskrise betroffen.

New York - Mit dieser Krise dürfte selbst US-Präsident Barack Obama schwer zu kämpfen haben. Nachdem die schwächelnde amerikanische Industrie ihre Sponsorengelder drastisch zurückgeschraubt hat, geht es für die Sportligen finanziell ans Eingemachte.

Während die NFL und die NBA auf die neue Situation mit Personalkürzungen reagierten, mussten kleinere Ligen bereits ihre gesamte Saison absagen.

Noch im vergangenen September dekorierte das Forbes-Magazin die NFL mit dem Titel der finanziell stärksten Liga der Welt. Zwei Monate später wurden die New Yorker von der Realität eingeholt.

150 Entlassungen bei der NFL

Die Entlassung von rund 150 Mitarbeitern (gut zehn Prozent der Beschäftigten) in den Bereichen "NFL Network" und "NFL Films" bezeichnet NFL-Chef Roger Goodell allerdings als Vorsichtsmaßnahme.

"Leider stehen wir in den USA erst am Beginn der Wirtschaftskrise. Weil wir die meisten unserer Tickets im Frühjahr für den kommenden Winter absetzen, lässt sich das wahre Ausmaß für unsere Liga heute noch nicht einschätzen", sagte der Commissioner.

Klubs mit ersten Maßnahmen

Auch die ersten Klubs ergreifen Maßnahmen. So werden sich die Indianapolis Colts, Sieger von Super Bowl XLI, von 25 Mitarbeiter trennen. "Wir müssen versuchen, effizienter zu arbeiten", sagte ein leitender Angestellter der Colts.

Die Washington Redskins und Cleveland Browns haben sich bereits von 20 bzw. 15 Mitarbeitern getrennt, die New England Patriots entließen 60 Arbeiter in ihrem Gillette Stadium.

Die NFL ist aufgrund langfristiger Fernsehverträge mit einem Jahreseinkommen von rund 6,5 Milliarden US-Dollar - 4,5 Milliarden davon gehen an die Spieler - einigermaßen abgesichert. Doch ähnlich wie im Fall der NBA muss in diesem Jahr der Ausfall der Werbegelder des mit Abstand wichtigsten Partners kompensiert werden: Die Autoindustrie kämpft ums Überleben und kann sich ihr üppiges Engagement nicht mehr leisten.

Saison der AFL abgesagt

Während die NBA zunächst mit dem Abbau von 80 Stellen über die Runden kommen will, ist das Ausmaß der Entlassungen bei der MLB und der Autorennserie Nascar noch ungewiss.

Die mit einem wesentlich geringeren Finanzhaushalt operierende NHL verhängte soeben einen Einstellungsstopp, allerdings setzten bereits zwei Klubs, die Florida Panthers und die Phoenix Coyotes, einigen Mitarbeitern den Stuhl vor die Tür. "Schon in naher Zukunft werden wir die Krise spüren", sagte NHL-Commissioner Gary Bettman.

Für die Indoor-Football-Liga AFL war das Ausmaß der Krise überwältigend. Die Liga um Rockstar Jon Bon Jovi, Teambesitzer der Philadelphia Soul, sagte ihre gesamte Saison ab. 2010 will sie mit verringertem Etat einen neuen Anlauf nehmen. Für die Saison 2009 dachte sie zuvor ernsthaft über eine Expansion nach Deutschland nach.

Fußball und Lacrosse profitieren

Nutznießer der Wirtschaftskrise sind jene Sportarten, die relativ unabhängig von Sponsoren sind und ihre Eintrittsgelder im familienfreundlichen Bereich halten können. So verfolgten am 3. Januar über 18.000 Fans vor Ort das Endspiel der National Lacrosse League.

Auch die 2003 gescheiterte und jetzt neu ins Leben gerufenen Frauenfußball-Liga steht nach Aussage von Commissioner Tonya Antonucci auf sicheren Füßen: "Bei uns kann eine vierköpfige Familie die besten Spielerinnen der Welt für unter 100 Dollar beobachten. Das dürfte in den USA einmalig sein."

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