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Björn Werner begann bei den Junioren der Berlin Adler mit dem Football © imago

Er hat das Zeug zum ersten deutschen NFL-Star. Bei SPORT1 spricht Björn Werner über seine Anfänge, den Draft und den Uni-Alltag.

Von Eric Böhm

München - Er hat das Zeug zum ersten deutschen NFL-Star - und nun auch seine erste große individuelle Auszeichnung: Björn Werner wurde zum Abwehrspieler des Jahres in der Atlantic Coast Conference (ACC) gewählt.

In den USA ist der Berliner aber schon länger eine bekannte Größe. Im Trikot der traditionsreichen Florida State University verbreitet der Defensive End vor allem bei gegnerischen Quarterbacks Angst und Schrecken.

Der 22-Jährige gilt im Hinblick auf den kommenden NFL-Draft als Top-Ten-Pick. "Es ist mein Traum, NFL-Starter zu werden", betont Werner.

Große NFL-Karriere?

Obwohl er noch ein Jahr am College bleiben könnte, winken schon jetzt ein millionenschwerer Vertrag und eine Profikarriere.

Werner wäre nach Sebastian Vollmer (New England Patriots) und Markus Kuhn (New York Giants) der dritte Deutsche in der besten Liga der Welt. An sein Potenzial reichen die soliden Landsleute aber nicht heran.

Bei SPORT1 spricht der 1,93 Meter große Modellathlet über seine Anfänge, Football-Instinkte, die NFL und den Uni-Alltag. Außerdem erklärt er, warum Europäer weniger Party machen.

SPORT1: Herr Werner, wie wird aus einem Berliner Teenager in Rekordzeit ein gefeierter Star an einer traditionsreichen Football-Uni in den USA?

Björn Werner (lacht): Darüber habe ich nie nachgedacht. Ich wollte immer nur in Amerika Football spielen. Diese Ziel habe ich mit harter Arbeit Schritt für Schritt verfolgt. Mit dieser Herangehensweise war ich bisher sehr erfolgreich.

SPORT1: Stimmt es, dass Sie erst mit 15 Jahren zum Football gekommen sind?

Werner: Nicht ganz. Mit zwölf Jahren habe mit Flag-Football angefangen. Das lässt sich aber nicht vergleichen. Da gibt es ja kaum Körperkontakt. Zwei Jahre später bin ich dann zum Tackle-Football gekommen.

SPORT1: Wie kam dann der Kontakt zu Florida State zustande?

Werner: Aus der Jugendmannschaft der Berlin Adler bin ich an eine High School in Conecticut gegangen. Mein dortiger Coach hat dann nach zwei Jahren eine DVD mit Highlights von mir an die Unis geschickt. Danach wurden mir viele Stipendien angeboten. Ich habe einige Unis besucht, Florida State hat mir am besten gefallen.

SPORT1: Coaches und Experten in den USA schwärmen von ihren Instinkten als Quarterback-Jäger und gegen das Laufspiel. Ist das erklärbar?

Werner: Instinkte kannst du ja nicht wirklich trainieren. Ich hatte schon von Anfang an den richtigen Riecher für die Situation. Das ist mein Erfolgsrezept. Scheinbar wurde ich für Football geboren.

SPORT1: Sie wurden zum Abwehrspieler des Jahres in Ihrer Conference gewählt und werden in Bezug auf den kommenden NFL-Draft unter den Top Ten gehandelt. Hätten Sie diese Entwicklung für möglich gehalten?

Werner: Niemals! Ich hatte mir schon ehrgeizige Ziele gesteckt, bin aber weit darüber hinaus gewachsen. Ich bin froh, dass sich alles so entwickelt hat. Es ist mein Traum, NFL-Starter zu werden.

SPORT1: Sie hätten eigentlich noch ein Jahr am College, könnten aber auch schon vorzeitig in die NFL gehen. Haben Sie sich schon entschieden?

Werner: Ja, aber ich darf es vor dem Bowl-Spiel noch nicht sagen. Der Coach rastet sonst aus.

SPORT1: Kann man die Entscheidung auf Geld gegen Uni-Abschluss reduzieren?

Werner: Es sind zwei Punkte. Willst du möglichst früh deinen Abschluss, und kannst du bei den NFL-Scouts ein noch höheres Ranking erreichen. In meinem Fall geht das eigentlich nicht. Deshalb sage ich es mal so: Den Abschluss kann man später noch nachmachen.

Denn man muss auch das Risiko sehen. Ein Teamkollege von mir hätte im vergangenen Jahr in die NFL gehen können, kam aber zurück und verletzte sich im ersten Spiel dieser Saison schwer.

SPORT1: In der NFL gab es zuletzt kurz hintereinander zwei tragische Todesfälle. Hat die Liga da ein Problem, das sie nachhaltig in Verruf bringt?

Werner: Solche Sachen passieren jeden Tag überall auf der Welt. Weil beide Football-Spieler waren, haben diese schlimmen Vorfälle noch mehr Aufmerksamkeit erregt. Das sind aber in erster Linie gesellschaftliche Probleme. Da muss in allen Bereichen mehr getan werden.

Gerade Alkohol am Steuer ist ja beileibe nicht auf Football-Spieler beschränkt. Ich hoffe, dieses große Aufsehen trägt zur Abschreckung bei.

SPORT1: Sie wären der dritte Deutsche in der NFL. Gibt es einen Grund für diesen Trend?

Werner: Wir haben hier auch einen Engländer und einen Schweizer im Team. Mit den Coaches habe ich darüber auch schon einmal gesprochen. Sie sagen, die Europäer kommen mit einem klaren Ziel ans College. Wir sind zielstrebiger und wollen sofort loslegen. Markus Kuhn war auch so.

Viele Amerikaner sind zum ersten Mal von ihren Eltern weg und wollen Party machen. Sie werden langsamer erwachsen.

SPORT1: Gerade über Unis im Süden der USA wird oftmals behauptet, für Football-Spieler fänden nur Alibi-Kurse statt. Wie läuft denn für Sie der Alltag als Student?

Werner: Ich kenne die Vorurteile. Du wirst als Football-Spieler nicht bevorzugt behandelt. Am Vormittag finden die Kurse statt. Von 14 bis 16.30 Uhr ist Training und Sitzung mit den Coaches. Am Abend gibt es noch Lerngruppen mit Tutoren.

Samstags finden die Spiele statt, es wird aber auch am Sonntag trainiert. Du hast eigentlich keinen Tag frei. Das Akademische nimmt schon einen großen Teil ein. Du studierst und hast die zusätzliche Belastung. Es gibt sogar Professoren, die Football hassen und es den Spielern noch schwerer machen.

SPORT1: Sie haben mit den Seminoles das Endspiel verpasst, aber immerhin den renommierten Orange Bowl in Miami (1. Januar) erreicht. Was macht die Bowl-Faszination in den USA aus?

Werner: Das wichtigste Ziel ist immer, die Conference zu gewinnen. Das haben wir geschafft. Wir hätten gern um den Titel gespielt, aber der Orange Bowl gehört zu den wichtigsten Bowls. Die finden in den coolsten Städten statt und haben das beste Rahmenprogramm.

Für den Sieg gibt es natürlich auch für jeden einen Ring. Das ist für das ganze Team eine Belohnung. Fans, Coaches und Spieler haben eine Woche lang viel Spaß.

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