Gigantisches Deja-vu mit Happy End?
Von Eric Böhm
München - Spätestens nach dem erfolgreichen Kick von Lawrence Tynes im verregneten Candlestick Park von San Francisco hatte jeder den gleichen Gedanken im Kopf.
Die New York Giants erleben vor dem Super Bowl XLVI gegen die New England Patriots (6. Februar, ab 0 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+, Zusammenfassung ab 16.30 Uhr im TV auf SPORT1) ein gigantisches Deja Vu, denn die Parallelen zu 2008 sind frappierend.
"Es ist total verrückt, wie sehr alles an damals erinnert. Ich bin stolz, wieder dabei zu sein", freut sich Defensive End Osi Umenyiora.
Manning zieht Charakter-Vergleich
Der in London geborene Quarterback-Jäger gehörte vor vier Jahren schon zum Kader, als die Giants eine der größten Sensationen der Super-Bowl-Geschichte schafften.
Sie schlugen die haushoch favorisierten Patriots mit einem spektakulären letzten Drive 17:14 (Bilder) und verhinderten die zweite perfekte Saison der NFL-Historie.
"Das war ein unglaubliches Gefühl. Speziell der Catch von David Tyree war phänomenal. Ich erkenne den Charakter von damals im heutigen Team wieder", sagt Eli Manning.
Wiederholt sich Geschichte?
Der Quarterback hatte sich bei einem der legendärsten Spielzüge aller Zeiten von mehreren Verteidigern losgerissen, ehe Tyree den Ball mit Händen und Helm fing.
Kurz darauf erzielte Plaxico Burress den entscheidenden Touchdown. Für Manning war es der Beginn des Weges aus dem Schatten seines großen Bruders Peyton (Indianapolis Colts).
In dessen Stadion will er nun die magische Saison erneut mit einem Happy End beschließen. ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)
Tynes feiert erst beim zweiten Mal
Genau wie in der Saison 2007 qualifizierten sich die Giants auf den letzten Drücker überhaupt erst für die Playoffs.
Verletzung und fehlende Konstanz plagten die Truppe von Head Coach Tom Coughlin. Doch zum richtigen Zeitpunkt passte alles.
Das NFC-Finale bei den 49ers wies exakt das gleiche Strickmuster wie vor vier Jahren auf. Wieder gewann New York als krasser Außenseiter auf fremden Platz mit einem Tynes-Field-Goal in Overtime. (DIASHOW: Die Bilder der Championship Games)
"Es hat sich genauso angefühlt. Damals bin ich wegen der Kälte in Green Bay gleich weggerannt. Diesmal habe ich mit den Jungs gefeiert", erzählt der in Schottland geborene Kicker.
Rekord für Manning
Für Manning war es bereits der fünfte Auswärtssieg seiner Playoff-Karriere - keinem Spielmacher gelangen jemals mehr.
"Ich denke, man kann sagen, dass es eine ähnliche Situation ist. Trotzdem ist ein ähnlicher Ausgang nicht vorprogrammiert. Es wird ein hartes Duell", betont der Quarterback.
Den Geist von damals beschwören die "G-Men" dennoch, dafür sind ihnen auch statistische Mittel recht.
Statistik spricht für Giants
Auch damals trafen beide Teams schon in der regulären Saison aufeinander. Die Patriots gewannen 38:35.
Mit diesem Ergebnis verlor New York heuer gegen die Green Bay Packers, die zu diesem Zeitpunkt ebenfalls ungeschlagen waren.
Das Rematch gewannen später die Giants in den Playoffs. "Ich sage ihnen nach dem Spiel, ob es sich genauso anfühlt. Aber es ist schon interessant, wieder gegen sie anzutreten", meint John Mara, der Mitbesitzer der Franchise.
Kaum Veränderungen
Doch nicht nur der Saisonverlauf scheint sich zu wiederholen. Auch die wichtigsten Protagonisten sehen sich wieder, und die Teams setzen auf die gleichen Stärken.
Bei den Patriots sind nach wie vor Quarterback Tom Brady und Coach Bill Belichick die Schlüsselfiguren.
Wieder steht der NFC-Meister vor der Aufgabe, den präzisen Angriffswirbel Bradys zu stoppen. Statt Randy Moss ist heute Rob Gronkowski die große Big-Play-Waffe des dreimaligen Champs.
Pierre-Paul ersetzt Strahan
Der ausgezeichnete Pass Rush der New Yorker neutralisierte diese Maschinerie, denn Brady kam unter Druck wie noch nie zuvor in seiner Karriere.
Umenyiora und Justin Tuck bildeten damals mit dem inzwischen zurückgetretenen Michael Strahan ein extrem gefährliches Trio.
Statt Strahan steht heute Jason Pierre-Paul auf dem Feld. Ansonsten hat sich nichts geändert. Die Giants sind eines der wenigen Teams, die ohne Blitzangriffe anderer Abwehrspieler eine gesamte Offensive Line beschäftigen können.
"Darauf basiert die Philosophie von Coach Coughlin. Er macht einen fantastischen Job. Das ist damals und heute unser Erfolgsrezept", lobt Umenyiora.
Manning nun etabliert
Einen Unterschied gibt es doch. Während Manning die Playoffs 2008 oftmals als zufällige Glückssträhne ausgelegt wurden, besticht er jetzt durch konstante Topleistungen.
Unzählige Male brachte er den siebenmaligen NFL-Meister in schon fast verlorenen Spielen zurück, die Patriots schlug er im November mit einem Touchdown 15 Sekunden vor Schluss.
Gegen ein weiteres Comeback hätte er wohl nicht einzuwenden. Das Deja-vu wäre endgültig perfekt.
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