

Mister Killerinstinkt - Manning erklimmt NFL-Olymp
Von Eric Böhm
München/Indianapolis - Am Ende hat er seinen Emotionen dann doch freien Lauf gelassen: Nach Tom Bradys letztem gescheiterten Pass sprang Eli Manning Teamkollege Justin Tuck förmlich an.
Kurz zuvor hatte der Quarterback der New York Giants genau wie vor vier Jahren mit einer eiskalten Angriffsserie den Grundstein zum Super-Bowl-Titel gegen die New England Patriots gelegt.
Im Stadion seines Bruders Peyton (Indianapolis Colts) holte sich Manning beim 21:17-Erfolg ( Bericht) seine zweite MVP-Trophäe und sicherte sich endgültig seinen Platz unter den NFL-Legenden ( Alles zu Super Bowl XLVI).
"Eli passt mit seiner ruhigen Art perfekt nach New York. Er gerät nie in Panik. Er hat den Killerinstinkt und läuft im vierten Viertel zu seiner Bestform auf", sagte Ex-Quarterback Steve Young bei "ESPN".
Manning in elitärem Kreis
Dem langjährigen Spielmacher der San Francisco 49ers hat "Mister Killerinstinkt" nun ebenso wie Bruder Peyton einen Titel voraus.
Manning, der fast 300 Yards Raumgewinn erzielte, ist erst der elfte Quarterback der NFL-Geschichte, der mehr als einen Super Bowl gewann (DIASHOW: Die Bilder des Super Bowl XLVI).
"Das war schon ein toller Drive, den er am Ende geliefert. Ihm gebührt die gesamte Anerkennung. Eli hat das Team über die ganze Saison auf seinen Schultern getragen", lobte Head Coach Tom Coughlin.
Achte Meisterschaft
Im Duell der ehemaligen Giants-Assistenten unter Bill Parcells setzte sich der 65-Jährige zum zweiten Mal durch und wurde zum ältesten Cheftrainer, der je einen Super Bowl holte.
Die "G-Men" sind das fünfte NFL-Team, das sich zum vierten Mal die Vince Lombardi Trophy verdiente. Insgesamt ist es die achte Meisterschaft für das Traditionsteam.
Dabei hätten die Giants beinahe die Playoffs verpasst. Zwei knappe Siege gegen Lokalrivale Jets und die Dallas Cowboys hievten die Truppe überhaupt erst in die K.o.-Runde. Diesen Schwung nahmen Manning und Co. bis in den großen Showdown mit.
Vater sehr stolz
Obwohl in der letzten Minute die Abwehr den Comeback-Versuch von Pats-Quarterback Tom Brady verhinderte, war für alle Beteiligten Manning die entscheidende Figur.
"Er hat über die Jahre das Selbstbewusstsein entwickelt und ist in diese Rolle hineingewachsen. Er hat das Spiel gewonnen" sagte der vor stolz platzende Vater Archie - einst selbst NFL-Quarterback.
Crunch-Time-Held
Der ob seiner unterkühlten Art "Easy E" genannte 31-Jährige ist mittlerweile ein Spezialist für die Crunch-Time.
Bereits in Super Bowl XLII hatte Manning einen ähnlich starken Endspurt - inklusive des unfassbaren Helm-Catches von David Tyree - geliefert, den Plaxico Burress mit dem siegbringenden Touchdown krönte.
In dieser Spielzeit war es bereits die achte Angriffserie, die Manning im letzten Viertel oder der Verlängerung zu den siegbringenden Punkten dirigierte - allein sechsmal in der regulären Saison.
"Wir hatten einige dieser extrem engen Spiele. Diese Erfahrung hat uns geholfen. Es war unsere letzte Chance, das Spiel zu drehen. Einige Jungs hatten großartige Aktionen", lobte Manning sein Team (DIASHOW: Super Bowl XLVI - Die Bilder der Halbzeitshow).
Manningham begeistert
Dabei dachte er vor allem an Receiver Mario Manningham, dessen akrobatischer 38-Yard-Catch an der Außenlinie den finalen Drive am Leben erhalten hatte.
"Eli hat den Ball perfekt serviert. Ich musste nur die Füße im Feld behalten. Eli ist der Held des Tages", meinte Manningham bescheiden.
Welker hadert
Nur vier andere Spielmacher wurden mindestens zweimal zum wertvollsten Spieler des Super Bowls gewählt. Einer davon musste von Topmodel und Ehefrau Giselle Bündchen getröstet werden: Tom Brady.
Dabei lieferte New Englands Quarterback keineswegs eine schlechte Leistung ab. Ihn ließen seine Receiver im Stich. Wes Welker, Deion Branch und der humpelnde Tight End Rob Gronkowski konnten Bradys Pässe nicht festhalten.
"So einen Ball fange ich eigentlich immer. In der entscheidenden Situation habe ich das Team im Stich gelassen", ärgerte sich Welker.
"Sie haben es verdient"
Kurz vor Mannings Schlussoffensive hätte er den Pats tief in der Giants-Hälfte ein First Down bescheren können, Gronkowski konnte aufgrund seiner Knöchelprobleme die Interception von Chase Blackburn nicht verhindern.
So blieb Brady nur der letztlich wertlose Super-Bowl-Rekord von 16 vollständigen Pässen hintereinander, den vierten Titel verlor er dagegen nach dem gleichen Strickmuster wie 2008.
"Es ist bitter für uns. Sie haben es verdient. Eli hat einige großartige Würfe gezeigt", zeigte sich der Superstar als guter Verlierer.
Vollmer: Stark trotz Pleite
Damit konnte sich auch Sebastian Vollmer - der Offensive Tackle lieferte nach mehr als zwei Monaten Verletzungspause ein glänzendes Comeback - nicht als erster deutscher Super-Bowl-Champion feiern lassen.
"Es ist schwer zu begreifen. Man rechnet mit dem Sieg, man möchte den Sieg unbedingt, arbeitet Jahre darauf hin - sehr schwer zu begreifen", sagte Vollmer gegenüber "Sky": "Wir haben gut gespielt, aber die Giants waren anscheinend besser. Ich weiß nicht, woran es gelegen hat."
Hierzulande müssen sich die Fans also nach wie vor mit Tom Nütten begnügen, der zwar amerikanischer Staatsbürger ist, aber immerhin eine deutsche Mutter hat und einst mit den St. Louis Rams Meister wurde.
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