vergrößernverkleinern
Max Kepler-Rozycki ist der teuerste Spieler, der je aus Europa in die MLB ging © W. Keller © getty

Max Kepler-Rozycki ist der teuerste Europa-Export in die MLB. Bei Sport1.de verrät er, warum Minnesota den Zuschlag bekam.

Von Robert Gherda

München/Regensburg - In Deutschland gilt Baseball als Randsportart.

Dies könnte sich in absehbarer Zeit vielleicht ändern, denn mit dem Regensburger Max Kepler-Rozycki wechselt das größte deutsche Baseball-Talent aller Zeiten in die MLB.

Der 16-jährige Outfielder unterschrieb im Juli einen Vertrag beim dreimaligen Champion Minnesota Twins und erhält 800.000 Dollar alleine für die Unterschrift.

Bei Sport1.de spricht das Jahrhunderttalent im Interview der Woche über seine Stärken und sein Idol. Zudem verrät er, warum er sich für Minnesota entschieden hat und wer sein größter Förderer ist.

Sport1.de: Herr Kepler-Rozycki, Baseball ist in Deutschland eine Randsportart. Wie sind Sie zum Baseball gekommen?

Max Kepler-Rozycki: Hauptsächlich über meine Mutter, die Amerikanerin ist. Mit sechs kam ich dann in Berlin auf die John-F.-Kennedy-Schule, eine amerikanische Schule. Da gab es eine Schulliga und so hat das Ganze angefangen. Ich kam zu den Berlin Challengers, wechselte anschließend zu den Berlin Sluggers und landete schließlich in Regensburg bei den Legionären.

Sport1.de: Wann haben Sie gemerkt, dass aus dem Hobby auch mehr werden könnte?

Kepler-Rozycki: Mit 13 oder 14 Jahren war das, als ich schon in der Nationalmannschaft gespielt habe

Sport1.de: Und nun geht's als teuerster Europatransfer in die USA. Sind Sie stolz darauf, dass man Ihnen so viel Vertrauen schenkt und soviel Geld zahlt oder überwiegt der Druck?

Kepler-Rozycki: Natürlich bin ich stolz, aber an das Geld denke ich gar nicht. Ich will einfach nur spielen. Um das Finanzielle kümmern sich meine Eltern und mein Agent.

Sport1.de: Was hat den Ausschlag für Minnesota gegeben?

Kepler-Rozycki: Die Twins haben einfach das höchste Angebot abgegeben, aber sie waren auch frühzeitig an mir dran, da sie in Europa viel unterwegs sind. Sie haben sich einfach sehr um mich bemüht. Der Scout, der mich letztlich unter Vertrag genommen hat, war der erste, der mich auch live gesehen hat. Andere Vereine wie die Red Sox oder Yankees haben zwar auch Angebote abgegeben, aber waren zum ersten Mal in Europa und einfach zu spät dran. Außerdem hat meine Mutter gesagt, ich soll zu den Twins gehen, weil sie ein super Farmsystem haben, was für junge Spieler natürlich besonders wichtig ist.

Sport1.de: Aus wie vielen Vereinen konnten Sie auswählen?

Kepler-Rozycki: Das weiß ich nicht so genau, aber auf jeden Fall über fünf.

Sport1.de: Wie liefen die Vertragsgespräche in den USA genau ab?

Kepler-Rozycki: Das war nicht so spektakulär. Ich werde ja zunächst für die Fort Myers Miracle, einem unterklassigen Farmteam der Twins spielen. Als ich in Florida war, habe ich nur den Vertrag unterschrieben, einige Fotos für die Presse gemacht und zwei Offiziellen der Liga die Hand geschüttelt.

Sport1.de: Haben Sie schon Verantwortliche der Twins kennengelernt?

Kepler-Rozycki: Nicht direkt, aber ich habe den Bruder von Joe Mauer (dreimal als Catcher im All-Star Game, d. Red.) schon getroffen und mich mit ihm unterhalten.

Sport1.de: Haben Sie einen Lieblingsspieler und ein Lieblingsteam?

Kepler-Rozycki: Justin Upton ist ganz klar mein Lieblingsspieler. Die Arizona Diamondbacks, für die er spielt, waren früher auch mein Lieblingsteam, aber mittlerweile sind das natürlich die Twins. Ich bin sozusagen ein wahrer Twin.

Sport1.de: Wann geht es genau rüber? Beenden Sie erst die Schule oder geht's direkt zur neuen Saison schon nach Amerika?

Kepler-Rozycki: Nein, die Schule beende ich auf jeden Fall, das ist mir schon wichtig. Meine Mutter ist momentan noch drüben und sucht nach einer geeigneten Schule. Wenn Sie nichts findet, mache ich das letzte Jahr noch an der Regensburger Schule fertig und gehe dann nächstes Jahr rüber.

Sport1.de: Kommt Ihre Mutter mit nach Amerika?

Kepler-Rozycki: In den ersten Monaten wird sie zum Eingewöhnen mit dabei sein, aber dann kehrt sie wieder nach Deutschland zurück.

Sport1.de: Haben Sie sich ein Ziel gesetzt, bis wann Sie es in die MLB geschafft haben wollen?

Kepler-Rozycki: Ja, aber mindestens vier Jahre wird es wohl dauern. Ich hoffe aber natürlich, dass es schneller geht, aber spätestens in fünf Jahren will ich schon für die Twins auflaufen.

Sport1.de: Scouts beschreiben Sie als den begabtesten Europäer aller Zeiten. Wo sehen Sie Ihre Stärken?

Kepler-Rozycki: Ich bin für meine Größe von fast zwei Metern sehr schnell, was ein großer Vorteil ist, aber meine größte Stärke ist aus meiner Sicht, dass ich mich in jeder Situation und zu jedem Zeitpunkt immer sehr gut konzentrieren kann und niemals aufgebe.

Sport1.de: Und Ihre Schwächen?

Kepler-Rozycki: Mehr Homeruns wären natürlich gut...

Sport1.de: In Deutschland haben Sie bei den Legionären in der Aufstellung des zweiten Teams immer als Erster geschlagen, beim ersten Team aber eher hinten: An welcher Stelle in einem Lineup sehen Sie sich langfristig?

Kepler-Rozycki: Schon weiter vorne. Im zweiten Team der Legionäre klappt das auch ganz gut. Ich sehe dann gleich viele Pitches und kann den hinter mir Schlagenden sagen, auf was sie achten müssen und wie der Pitcher an dem Tag wirft. Wenn ich älter bin, denke ich schon, dass ich ein guter Lead-Off-Hitter sein kann.

Sport1.de: Sie spielen im Centerfield. Könnten Sie auch noch andere Positionen spielen?

Kepler-Rozycki: Ich habe früher noch First Base gespielt und auch hin und wieder gepitcht, aber in den letzten Jahren habe ich eigentlich nur im Outfield gespielt und da bin ich wohl auch am besten aufgehoben.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel