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Alex "A-Rod" Rodriguez spielt seit 2004 für die New York Yankees © getty

Das erste Mal seit 1995 haben die New York Yankees die MLB-Playoffs verpasst - der Höhepunkt eines schleichenden Niedergangs.

Von Martin Hoffmann

München - Es sind Tage des Abschieds für die New York Yankees. Am Sonntag sagten die "Bronx Bombers" Goodbye zum ehrwürdigen Yankee Stadium - zwei Tage später mussten sie sich nun auch von ihren Playoff-Träumen verabschieden.

Ein 3:1-Sieg bei den Toronto Blue Jays nützte den Yankees nichts mehr, denn zeitgleich zogen die Boston Red Sox mit einem 5:4 gegen Cleveland in die Postseason ein - und schlugen dem Erzrivalen damit die Tür zu.

Es ist das Ende einer fast einmaligen Serie, in der die Yankees seit 1995 13 Mal hintereinander den Einzug in die Playoffs schafften - eine beeindruckende Leistung, wenn man bedenkt, dass in der MLB nur acht Plätze unter 30 Teams zu vergeben sind.

Die Yankees versäumten es damit, den Rekord der Atlanta Braves einzustellen, die zwischen 1991 und 2005 14 Mal in Folge in die Postseason einzogen.

"Einfach nicht gut genug"

"Um es auf den Punkt zu bringen: Wir waren einfach nicht gut genug", meinte Starakteur Derek Jeter, seit dem Start der Serie 1995 im Verein: "Es ist eine Riesen-Enttäuschung."

Die Enttäuschung ist umso größer, weil die Yankees zuletzt in Form waren und neun der jüngsten zehn Spiele gewannen - doch der Lauf kam zu spät.

"Die letzten zwei Wochen haben gezeigt, was wir können", ärgerte sich Superstar Alex Rodriguez: "Mit unserem Spielermaterial hätten wir eigentlich das ganze Jahr so spielen müssen."

Schleichender Niedergang

Das Vorrunden-Aus der Yankees ist der Höhepunkt eines schleichenden Niedergangs des Traditionsteams.

Zwischen 1996 und 2000 dominierten die Yankees die Liga fast nach Belieben, holten vier von fünf Meistertiteln.

Auch 2001 und 2003 reichte es noch für den Einzug in die World Series, doch in den vergangenen Jahren fiel es den Yankees zunehmend schwerer, überhaupt in die Playoffs zu gelangen.

Verletzungspech hatte Anteil

Unter dem neuen Trainer Joe Girardi, der vor der Saison Joe Torre beerbte, sollte alles besser werden, doch Girardi konnte den Abschwung nicht aufhalten.

Ein Grund dafür war Verletzungspech: Nummer-1-Pitcher Chien-Ming Wang und Catcher Jorge Posada verletzten sich im Sommer für den Rest der Spielzeit, auch andere Stars wie Rodriguez oder Hideki Matsui kämpften mit Blessuren.

Doch die Yankees haben ein anderes, tiefer sitzendes Problem.

Nachwuchsarbeit lag lange brach

In den Jahren der großen Erfolge vernachlässigten es die Yankees, die nächste Generation an Topspielern aufzubauen.

Bei den Drafts reihte sich Missgriff an Missgriff, die Weiterentwicklung ihrer Nachwuchsspieler ließ man brachliegen.

Das Problem wurde verschärft, weil Yankees-Übervater George Steinbrenner den einsetzenden Misserfolg durch Transfers fertiger Stars zu beheben versuchte - und dafür oft Draft Picks geopfert wurden.

Sünden der Vergangenheit

Eine Kehrtwende wurde erst 2005 vollzogen, als General Manager Brian Cashman den Bereich "Player Development" von Grund auf reformierte.

Doch bis die Effekte sichtbar werden, dauert es - noch leiden die Yankees an den Sünden der Vergangenheit.

Und das Vorrunden-Aus droht jetzt die Fortschritte der Jahre zuvor zu untergraben: Denn schon liebäugeln die Yankees wieder mit den Verpflichtungen teurer Free Agents wie CC Sabathia oder A.J. Burnett - zu Lasten ihrer langfristigen Zukunft.

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