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Josh Hamilton wechselte 2008 zu den Texas Rangers und steht mit ihnen in den Playoffs © getty

Josh Hamilton galt als Riesentalent, bis Drogen seine Karriere zerstörten. Jetzt steht er mit den Texas Rangers in den Playoffs.

München - Das Leben von Josh Hamilton ist geprägt von Keulenschlägen. Sportlich sowieso. Der 29-Jährige gilt als einer der besten Schlagmänner der MLB.

Privat aber auch. Hamilton ging durch die Hölle. Drogen, Alkohol - seine Zeit schien abgelaufen, bevor sie begonnen hatte. Sportlich sowieso. Privat aber auch.

"Ich habe dem Teufel ins Gesicht geschaut", sagt der Outfielder der Texas Rangers.

Sein Team trifft in den Wild-Card-Playoffs auf die Tampa Bay Rays an. Das erste Spiel ging mit 5:1 an Hamilton und seine Texaner, er erzielte dabei einen Run zum 5:0.

Für Hamilton ist es keine gewöhnliche Serie. Das kann es nicht sein.

Pickel, Talent und große Träume

1999 war er von der Mannschaft aus dem US-Bundesstaat Florida im jährlichen Draft des besten Nachwuchses als erster Spieler überhaupt ausgewählt worden.

Hamilton hatte Pickel, große Träume und das wohl größte Talent der damaligen Zeit. Knapp vier Millionen Dollar ließen sich die Rays allein seine Unterschrift kosten. Doch Tampas Trikot trug der Hoffnungsträger nie.

Über die unterklassigen Farmligen sollte Hamilton an die MLB herangeführt werden. Man schickte ihn nach Orlando. Dort war der Youngster erstmals von seiner Familie getrennt und wurde immer wieder von Verletzungen gestoppt.

Mit den Drogen kommt der Abrutsch

Hamilton suchte Halt und glaubte, diesen in schlechter Gesellschaft gefunden zu haben. Immer öfter lungerte er in einem Tattoo-Studio herum.

Hier wurde der Körper nicht nur von außen verziert, sondern auch von innen verseucht. Drogen und Alkohol waren an der Tagesordnung. Hamilton rutschte ab.

Die Rays taten alles, um ihr Juwel wieder in die Spur zu bringen: Gespräche, Ratschläge, Betty-Ford-Klinik. Doch es half nichts. Hamilton spielte weiter Baseball und tingelte durch Klubs in der Provinz.

Nur noch Kokain im Kopf

2003 war aber auch damit Schluss. Bei einer Dopingkontrolle wurde er positiv getestet und gesperrt. Auch danach verweigerte sich Hamilton jeder Hilfe.

Selbst zu Nachkontrollen der MLB erschien er nicht mehr. Die Karriere schien beendet. In seinem Kopf gab es nur noch einen Gedanken: Kokain.

Selbst seine Ehefrau Katie und die 2005 geborene Tochter Sierra konnten Hamilton in seiner Selbstzerstörung nicht stoppen.

Vom gelobten Talent zum Toilettenputzer

"Ich war so weit unten, wie ich es mir nie hätte vorstellen können. Dann gab es diesen Moment, in dem mir klar wurde, dass ich wieder aufstehen muss", sagt Hamilton.

Er begab sich auf Jobsuche. In einer Baseball-Akademie in Clearwater unweit Tampas gab man ihm eine Chance. Hamilton putzte die Toiletten, pflegte den Rasen und schaffte es tatsächlich, sich von den Drogen zu lösen.

In seiner Freizeit nutzte er die Anlage, um erstmals seit drei Jahren wieder Baseball zu spielen. Er konnte dies noch immer besser als alle anderen, die in der Akademie trainierten.

Zurück in die MLB

Die Rays gaben ihm die Möglichkeit, in die unterklassige Minor League zurückzukehren.

2007 wechselte Hamilton zu den Cincinnati Reds und lief erstmals in der MLB auf - mit achtjähriger Verspätung und über erschreckende Umwege hatte er sein Ziel erreicht.

Selbst bei Auswärtsspielen wurde Hamilton mit Standing Ovations gefeiert.

32 Homeruns in regulärer Saison

Zumal er nicht nur die alten Geschichten zu bieten hatte, sondern mit seinen Leistungen auch neue schrieb. 2008 sicherten sich die Rangers seine Dienste.

Für die Texaner schaffte Hamilton in dieser Saison 32 Homeruns. Er gilt als Favorit für die Ehrung zum "wertvollsten Spieler" der American League (AL).

In den Playoffs geht es wie gesagt zum Auftakt nach Tampa. "Diese Geschichte ist ein Triumph des Lebens", sagt Rays-Vizepräsident Andrew Friedman. Sportlich sowieso. Vor allem aber auch privat.

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