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Tim Lincecum sind in seiner Karriere bislang fünf Shutouts gelungen © getty

Mit den Giants und den Rangers stehen zwei Außenseiter-Teams im Finale der MLB. Die Favoriten bleiben auf der Strecke.

München/San Francisco - Was sich in der Fußball-Bundesliga gerade erst andeutet, ist in der MLB bereits Realität geworden.

Nicht die teuren Topklubs New York Yankees und Philadelphia Phillies spielen um die Meisterschaft, sondern die beiden Außenseiter San Francisco Giants und Texas Rangers.

In der am Mittwoch (ab 2 Uhr LIVESCORES) beginnenden World Series, die nach dem Modus Best-of-Seven ausgetragen wird, schreiben sie auf jeden Fall Geschichte.

Ein Desaster für die TV-Sender

Eigentlich geht das ja gar nicht. Mit 5,5 Millionen US-Dollar ist das jährliche Durchschnittsgehalt der Yankee-Spieler zehnmal höher als das der Rangers.

Auch die Profis der Phillies verdienen mit 2,75 Millionen im Schnitt deutlich mehr als die der Giants (910.000). Aber Geld schlägt eben ebensowenig Homeruns, wie es Tore schießt.

Für die übertragenden TV-Anstalten ist das Scheitern von Titelverteidiger New York Yankees im Halbfinale an den Rangers und das Aus des Vorjahresfinalisten Philadelphia Phillies gegen die Giants aus kommerzieller Sicht fast schon ein Desaster.

MLB-Chef Bud Selig preist trotzdem die Ausgeglichenheit der Liga: "Seit 2000 wird zum neunten Mal ein anderer Champion gekürt. Das ist doch großartig."

"Verstoßene und Außenseiter"

Jedenfalls für die beteiligten Klubs. Noch nie waren Teams aus Arlington, einem Vorort von Dallas, und aus San Francisco World Series Champions.

Als "Verstoßene und Außenseiter" hatte Giants-Manager Bruce Bochy sein Team bezeichnet. Nun stehen die Giants nach 2002 wieder im Finale und können den Titel erstmals seit dem Umzug von New York im Jahr 1958 nach Kalifornien holen.

Fünfmal (1905, 1921, 1922, 1933, 1954) war das Franchise Champion, als es noch in Harlem daheim war.

Lincecum im Fokus

Nach dem Rücktritt des kontinuierlich unter Dopingverdacht stehenden Homerun-Königs Barry Bonds, der vor drei Jahren seine aktive Karriere beendet hatte, steht ein anderer Giants-Spieler im Fokus der Öffentlichkeit: Pitcher Tim Lincecum.

Ein schlaksiger, 26 Jahre alter Milchbubi, den Hollywood-Regisseure eher als Computer-Nerd denn als Sportstar besetzen würden, der mit seinem unglaublich schnellen Wurfarm die Gegenspieler aber reihenweise zur Verzweiflung bringt.

Nach dem Erfolg in der Vorschlussrunde gegen den letztjährigen Vizemeister Philadelphia Phillies lobte Geschäftsführer Brian Sabean seine schlagkräftige Truppe in den höchsten Tönen: "Diese Mannschaft macht sich daran, eines der beliebtesten Teams in der Giants-Geschichte zu werden."

Es stehen jetzt Spieler im Mittelpunkt, mit denen sich die Fans identifizieren können. Das sieht auch Sabean so: "Früher lagen unsere Stärken in unserer Kraft. Davon haben wir uns distanziert. Nun haben wir ein Team, das uns zu diesem Erfolg hingeführt hat."

Rangers mit Teamgeist

Der Gegner der Giants, die Texas Rangers, gehen mit einem ähnlich neuen Selbstwertgefühl in die erste World Series ihrer 50-jährigen Klubgeschichte.

Titelverteidiger New York musste sich "dem unglaublichen Teamgeist" der Rangers geschlagen geben.

So sah es Josh Hamilton, Outfielder des Außenseiters und wertvollster Spieler der Halbfinalserie: "Wir nehmen uns nie zu ernst. Aber zum richtigen Zeitpunkt sind wir voll fokussiert."

Werfer gegen Hitter

Mit dieser Einstellung geht Texas nun auch in die World Series.

Die Rangers sind das Top-Hitter-Team der Liga, San Francisco hat die beste Wurfquote aller MLB-Mannschaften - beste Voraussetzungen für eine spannende Finalserie.

"Amerika hätte vielleicht lieber die Yankees und die Phillies im Finale gesehen, aber ich kann versprechen, dass wir uns mit den Rangers eine aufregende Serie liefern werden", sagte Giants-Pitcher Brian Wilson vor dem Showdown der "Boys of Summer".

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