vergrößernverkleinern
Andrew McCutchen wurde 2005 von den Pirates in der ersten Draft-Runde ausgewählt © getty

Das erfolgloseste Team Nordamerikas steht nach fast 20 Jahren an der Spitze. Pittsburgh träumt mit ungewöhnlichem Stil vom Titel.

Von Eric Böhm

München - Im US-Sport gelten in der Regel die Los Angeles Clippers als das Verliererteam schlechthin.

Zur Ehrenrettung der momentan ausgesperrten NBA-Mannschaft um Jungstar Blake Griffin und Nationalspieler Chris Kaman sei aber gesagt, dass sich die Baseballer der Pittsburgh Pirates diesen unrühmlichen Titel redlich verdient haben.

18 Jahre in Folge mit einer negativen Bilanz sind im nordamerikanischen Profisport schließlich ein einsamer Negativrekord.

Doch in dieser Saison ist plötzlich alles anders. Die ewigen Loser schicken sich an, zum ersten Mal seit 1992 in die Playoffs einzuziehen (DATENCENTER: Der Spielplan).

Beispielhafter Sieg

Dabei zeigte der 4:3-Sieg nach Verlängerung gegen die St. Louis Cardinals eindrucksvoll wie sich die Pirates an die Spitze National League Central gearbeitet haben.

Ersatzmann Xavier Paul kommt im zehnten Inning nach einem Schlag, der nicht mal das Infield verlässt auf die erste Base.

Dann stiehlt der Right Fielder die Zweite und erreicht die Dritte nach einem Wurffehler des Cardinals-Catchers.

Ein schwach getroffener Ball von Chase d'Arnaud erreicht gerade so das Outfield und bringt Paul nach Hause.

"Das ist unsere Art zu spielen"

Viele der bisher 52 Saisonerfolge kamen auf diese Weise zu Stande.

Pittsburgh hat keine großen Stars, stattdessen setzt der neue Manager Clint Hurdle auf einen zusammengewürfelten Haufen aus abgelegten Veteranen und unerfahrenen Talenten 372571(DIASHOW: Die Stars der MLB 2011).

"Das ist unsere Art zu spielen. Nur so können wir Erfolg haben. Deshalb werden wir versuchen so weiter zu machen und den ersten Platz zu verteidigen", sagt Hurdle, der 2009 von den Colorado Rockies ausrangiert wurde.

Im Jahr zuvor hatte er die Rockies noch ohne Playoff-Niederlage in die World Series geführt, ehe die Boston Red Sox den historischen Lauf Colorados - zweite K.o.-Runden-Teilnahme überhaupt - beendeten.

Dopingtests als Erfolgsgeheimnis?

Der plötzliche Aufstieg der Lachnummer ist fast schon zu kitschig, um wahr zu sein. Denn selbst die Losertruppe der Cleveland Indians aus dem gleichnamigen Film mit Charlie Sheen lieferte mehr Highlights als die Pirates in den vergangenen 20 Jahren.

Sheen gab jüngst zu, beim Dreh des Streifens Steroide geschluckt zu haben (News), insofern drängt sich auch eine andere Erklärung für den plötzlichen Erfolg auf.

Die nach wie vor schwache Offensive und die schlagartig besseren Resultate der Pitcher lassen vermuten, die Pirates könnten das Produkt der "Nach-Steroide-Ära" in der MLB sein.

Amerikanische Journalisten werden nicht müde die stetig zurückgehen Homerun-Zahlen als "Jahr des Pitchers" zu verkaufen, dabei sind die besseren Kontrollen und dünneren Schlagmänner ein deutliches Indiz für weniger Medikamenten-Missbrauch.

Jung und talentiert

So oder so stehen die "Bucs" zum ersten Mal seit 1992 zu diesem Zeitpunkt an der Spitze, obwohl sie keinen Spieler mit einem Schlagdurchschnitt über der Schallmauer von 300 oder mit mehr als 14 Homeruns haben.

Der Aufstieg des Traditionsteams ist umso erstaunlicher, da mit Catcher Michael McKenry und Outfielder Alex Presley zwei Rookies extrem wichtige Positionen besetzen.

"Bei uns stehen eben die Abwehr und die guten Leistungen der Pitcher im Vordergrund. Das ist die Basis", betont Centerfielder Andre McCutchen.

Der 24-Jährige war neben dem ausgezeichneten Closer Joel Hanrahan - bei 29 Möglichkeiten hat er erst eine Führung verspielt - der einzige All-Star, wurde aber nur aufgrund der Absagenflut anderer Stars nachnominiert.

Pirates diesmal "Buyers"

Auch die Starting Pitcher Jeff Karstens, Kevin Correia oder Paul Maholm erfüllen erst in Pittsburgh die Erwartungen. Karstens kam einst als Teil eines Tausches für die damaligen Pirates-Stars Xavier Nady und Damaso Marte von den New York Yankees nach Pittsburgh.

Dieses Muster gab es in den letzten 20 Jahren immer wieder. Der Klub gab regelmäßig - mehr oder weniger widerstandslos - seine besten Spieler ab.

Die Besitzer um Robert Nutting wurden immer wieder beschuldigt, finanziellen Erfolg über den Sport zu stellen. In diesem Jahr ist das freilich anders. Vor der Trading-Deadline am 31. Juli könnte der Klub nun selbst personell nachlegen.

Enges Divisions-Rennen

Über die Jahre brachte sich häufig Mark Cuban, der schillernde Eigentümer von Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks, als Käufer des Klubs ins Spiel.

Der Multimilliardär - er stammt aus Pennsylvannia - war auch nicht abgeneigt, wurde aber mehrfach abgewiesen.

Jetzt wird das aktuelle Regime jedoch für seine Aufbauarbeit gelobt. Das enge Rennen an der Divisions-Spitze mit den Cardinals und Milwaukee Brewers wird nach Lage der Dinge bis zum Ende der Spielzeit anhalten.

Rund um den wunderschönen PNC-Park träumen die Anhänger aber bereits vom ersten World-Series-Titel seit 1979 - das schafften nicht mal Sheens Indians im Film.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel