MLB-Hoffnung Thieben: "Mit Handgeld kann man gut leben"
Von Matthias Ondracek
München - Ein Traum ist wahr geworden für Daniel Thieben.
Das deutsche Werfertalent unterschrieb im November in Regensburg einen Profi-Vertrag bei den Seattle Mariners. (BERICHT: MLB-Vertrag für Teenie Thieben)
Im kommenden März beginnt für den 18-Jährigen das Abenteuer USA. Thieben startet seine Profi-Karriere in der sogenannten Rookie League, der untersten der MLB untergeordneten Minor League, in Arizona. Von dort sind es noch vier Stufen bis zur Major League.
Vor seiner Abreise bereitet sich der Norddeutsche im Regensburger Baseball-Internat mit einem extra aus Amerika angereisten Pitching Coach auf die neue Herausforderung vor.
Im SPORT1-Interview der Woche spricht das Ausnahmetalent über seine Anfänge, seine Ziele bei den Mariners und sein Handgeld.
SPORT1: Herr Thieben, Sie haben bei Ihrer Vertragsunterzeichnung gesagt, Sie könnten es gar nicht fassen, was Sie geschafft haben. Wie sieht es mittlerweile aus?
Daniel Thieben: Richtig realisiert habe ich es immer noch nicht. Ich denke, wenn 2012 anbricht und es auf die letzten Wochen vor der Abreise zugeht, dann wird die Nervosität steigen. Dann muss man langsam auch planen, wie man sich dort einlebt.
SPORT1: Wie groß war der Rummel um Sie in den vergangenen Wochen?
Thieben: Ich habe einige Interviews gegeben. Aber im Großen und Ganzen hielt es sich in Grenzen.
SPORT1: Die Mariners haben einen Pitching Coach eigens zu Ihrer Vorbereitung geschickt. Wie war das Training mit Cibney Bello für Sie?
Thieben: Es war super. Cibney konnte mir viel Neues beibringen. Er war selbst noch bis vor zwei Jahren als Profi in der Organisation der Mariners in der zweiten Liga aktiv.
SPORT1: Haben Sie dadurch schon einen kleinen Vorgeschmack bekommen, wie es in den USA ablaufen wird?
Thieben: Ich würde schon sagen. Er hat das normale Programm durchgezogen, das Pitcher auch in den Staaten absolvieren. Das bedeutet viel Laufen und viel Sprinten. Es war alles sehr durchorganisiert.
SPORT1: Haben Sie seither schon Fortschritte gemacht?
Thieben: Ja, auf jeden Fall. Cibney hat selbst gesagt, dass er schon einen super Fortschritt gesehen hat. Er meinte, ich müsse noch konstanter werden, aber er wäre sehr zuversichtlich. Dies hat er auch bereits an den Vize-Präsidenten Bob Engle, bei dem ich den Vertrag unterschrieben habe, weitergegeben. Alle waren sehr zufrieden.
SPORT1: Werden Sie noch weiter mit Bello arbeiten?
Thieben: Er wird am 8. Januar nochmal für vier Wochen nach Deutschland kommen. Ich vermute, die Intensivität wird sich dann steigern. Ich freue mich schon darauf.
SPORT1: Woran haben Sie bisher hauptsächlich gearbeitet?
Thieben: Ich arbeite zum Beispiel an meiner Wurf-Geschwindigkeit. Zuletzt wurde ich mit 90 Meilen gemessen. Ich muss noch ein wenig zunehmen, dann sollte es klappen.
SPORT1: Wann beginnt Ihr Abenteuer USA?
Thieben: Der genaue Tag steht noch nicht fest. Wahrscheinlich geht es im März mit dem Spring Training los.
SPORT1: Danach werden Sie sich wohl zunächst in einer der unteren Ligen beweisen müssen…
Thieben: Die Trainer machen sich während der Saisonvorbereitung ein Bild von den Spielern, da jedes Jahr viele Neue hinzukommen. Wir werden viel trainieren und interne Spiele gegen uns selbst austragen. Die eigentliche Saison beginnt Mitte Mai. Ich werde dann zuerst in einem Rookie-League-Team in Phoenix spielen.
SPORT1: Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein, früher oder später den Sprung in die Major League zu schaffen?
Thieben: Das kann ich schwer einschätzen. Die Konkurrenz wird sehr gut sein. Ich will darauf achten, mich nicht zu verletzen. Ein Ziel ist, jedes Jahr ein Level höher zu kommen. Das wäre schon sehr gut.
SPORT1: Sie haben den Konkurrenzkampf angesprochen. Was glauben Sie sind Ihre Vorteile gegenüber Anderen?
Thieben: Vorteile sind meine Größe und mein Körperbau. Das wurde mir auch so gesagt. Ich glaube, ich habe das Potential. Den Rest will ich lernen.
SPORT1: Gab es hierzulande nach Ihrer Vertragsunterschrift viele Glückwünsche?
Thieben: Ja. Alle gönnen mir das, alle freuen sich für mich und hoffen, dass es etwas wird. In meiner Heimat Dohren sind alle sehr stolz, dass es einer aus ihren Reihen geschafft hat. Auch in Regensburg natürlich.
SPORT1: Hat sich auch jemand gemeldet, mit dem Sie nicht gerechnet haben?
Thieben: Ja. Ich habe Glückwünsche von vielen Coaches aus Europa erhalten, die ich gar nicht kannte. Ansonsten haben sich alle meine Freunde von früher aus der Realschule gemeldet und haben mir viel Glück gewünscht.
SPORT1: Wie stolz sind Ihre Eltern?
Thieben: Sehr stolz! Sie haben mich immer unterstützt und haben mir geraten, ins Baseball-Internat nach Regensburg zu wechseln. Sie haben immer zu mir gesagt, ich soll mich nur darauf konzentrieren, Baseball zu spielen und den Ball zu werfen.
SPORT1: Baseball zu spielen ist in Deutschland relativ ungewöhnlich. Wie sind Sie dazu gekommen?
Thieben: Ich komme aus einem kleinen Dorf mit etwa 1000 Einwohnern. Der Baseballverein dort war schon immer größer als der Fußballverein. Es gab vier Nachwuchsteams beim Baseball und keines beim Fußball. Wenn man dort aufwächst, dann spielt man in der Regel Baseball.
SPORT1: Hatten Sie eine Lieblingsmannschaft, als Sie aufgewachsen sind?
Thieben: Ich war natürlich schon immer Mariners-Fan.
SPORT1: Gab es auch einen Spieler, den Sie als Ihr Idol bezeichnen würden?
Thieben: Um ehrlich zu sein, nein. Ein wirkliches Vorbild hatte ich nicht.
SPORT1: Gibt es im aktuellen Mariners-Kader jemanden, den Sie besonders gerne treffen würden?
Thieben: Ichiro Suzuki ist natürlich der Mariners-Profi schlechthin. Er spielt seit etwa zehn Jahren dort. Ihn zu treffen, das wäre schon was.
SPORT1: Seattle war in der vergangenen Saison das drittschlechteste Team der Liga. Glauben Sie, Sie können in naher Zukunft helfen, dass es wieder besser läuft? (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)
Thieben: Mit mir geht es ab jetzt steil bergauf. Nein, Spaß beiseite. Das letzte Jahr war nicht so erfolgreich, das ist richtig. Aber ich hoffe natürlich, dass es bald wieder aufwärts geht und ich auch irgendwann meinen Teil dazu beitragen kann.
SPORT1: Sie trainieren diesen Winter auch zusammen mit Ihrem Landsmann Max Kepler. Er hat für seine Unterschrift in Minnesota bekanntlich ein Rekord-Handgeld von 800.000 Dollar kassiert. Haben auch Sie vorläufig ausgesorgt?
Thieben: Es ist auf jeden Fall ein gutes Handgeld, womit man gut leben kann. Aber vorläufig ausgesorgt? Nein, ich glaube nicht.
SPORT1: Ist es denn sechsstellig?
Thieben: Ja, das ist es. Aber mehr möchte ich dazu nicht sagen.
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