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Bryce Harper (r.) ist ein Favorit auf den Titel Rookie des Jahres © getty

Die Nationals bescheren Washington erstmals seit 79 Jahren Playoff-Baseball. Der Wunder-Manager und zwei Phänomene geben den Kick.

Von Eric Böhm

München - James Brown wird geboren, der Bau der Golden Gate Bridge beginnt, die erste Weltumrundung im Alleinflug gelingt, und Fortuna Düsseldorf wird Deutscher Fußballmeister.

Das alles passierte 1933 als in Washington letztmals ein MLB-Team die Playoffs erreichte. Es vergingen viele Jahre und Jahrzehnte, bis die epische Durststrecke beendet wurde.

Es waren die Washington Nationals, die nach unter Dach und Fach gebrachtem Divisionstitel den vorläufigen Höhepunkt einer märchenhaften Saison feiern durften (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

"Das heißt wohl, wir sind jetzt keine Loser mehr. Ich bin stolz, diese Entwicklung von Beginn an mitgemacht zu haben. Das ist ein großartiger Schritt", verkündete Ryan Zimmerman begeistert.

Zimmerman erntet die Früchte

Der Third Baseman war 2005 der erste Draftpick des Teams nach dem Umzug aus Montreal und hat in acht Jahren alle Tiefen und die wenigen Höhen mitgemacht.

Mit der besten Bilanz der National League bekommen es die Nationals in der ersten Playoff-Runde (ab 23 Uhr LIVESCORES) mit dem Gewinner des Wildcard-Spiels zwischen Titelverteidiger St. Louis und Divisionsrivale Atlanta zu tun.

"Ich habe es gar nicht mitbekommen. Auf einmal drehten die Zuschauer durch, das Feuerwerk ging los und jemand gab mir ein Playoff-Shirt. Das ist unglaublich", hatte Bryce Harper schon nach der feststehenden Playoff-Teilnahme kaum Worte gefunden.

Als Rang eins in der NL East nun endlich klargemacht wurde, konnte die Party im wunderschönen Nationals Park erst richtig losgehen.

Harper trumpft auf

Der 19-jährige Outfielder Harper steht neben Pitcher-Phänomen Stephen Strasburg stellvertretend für den Umschwung.

Ihretwegen gehören die Schlagzeilen in der lange Jahre sportlich darbenden Hauptstadt nicht nur NFL-Rookie Robert Griffin III.

In Rekordzeit kämpfte sich der schlagstarke und pfeilschnelle Harper durch die Farm-Ligen und wurde im Sommer diesen Jahres als Rookie sofort zum All-Star Game eingeladen.

"Er ist eines der größten Talente aller Zeiten. Wir können uns glücklich schätzen, ihn zu haben", schwärmt Manager Davey Johnson von dem Mormonen, der nicht nur wegen seines Alters keinen Alkohol anrührt.

Hype hält an

Dazu kommt der zweite aktuelle All-Star Strasburg. Im Juni 2010 gab er "das gehypteste Debüt eines Pitchers der MLB-Geschichte", wie das Magazin "Sports Illustrated" urteilte.

Der heute 24-Jährige eroberte Liga und Fans im Sturm. Seine Würfe erreichen regelmäßig mehr als 160 km/h.

Nach einer schweren Ellbogenverletzung meldete sich Strasburg in dieser Saison topfit zurück.

"Müssen ihn schützen"

Trotz seiner 15 Siege entschied sich das Management frühzeitig ihm ein Innings-Limit aufzuerlegen und ihn in den letzten Saisonwochen nicht mehr einzusetzen. Ob er in den Playoffs zurückkommt, ist unklar.

"Wir müssen ihn schützen. Seine Gesundheit geht vor, schließlich wollen wir in den nächsten Jahren noch etwas von ihm haben", sagte Johnson.

Die Beispiele von anderen verheizten Jungwerfern wie Kerry Wood, Mark Pryor oder Joba Chamberlain dürften Washington zu diesem Schritt bewogen haben.

Neue Stars

Trotz Harpers Problemen gelang bereits zwei Wochen vor Saisonende der Playoff-Einzug in der National League East - mit riesigem Vorsprung auf die mit teuren Stars gespickten Philadelphia Phillies oder Florida Marlins.

Großen Anteil haben neben den vielen Youngstern auch der schlagstarke Adam LaRoche (32 Homeruns) und Pitcher Gio Gonzalez.

In Oakland schaffte der 27-Jährige erst vor zwei Jahren seinen MLB-Durchbruch. Jetzt führt er die National League mit 21 Siegen an und ist ein Cy-Young-Kandidat - diese Trophäe erhält der beste Pitcher.

"Es hat hier von Anfang an gepasst. Die Mischung zwischen vielen jungen und einigen erfahrenen Spielern passt einfach", lobt Gonzalez.

69-jähriger Erfolgscoach

Grund dafür ist neben Architekt und General Manager Mike Rizzo - er ist seit dem Umzug aus Montreal der Chef - vor allem Manager Johnson.

Der 69-jährige Chef-Coach ist eine Baseball-Legende, er führte die New York Mets in der World Series 1986 zum Wunder-Comeback gegen die Boston Red Sox.

2011 übernahm er nach zwölf Jahren MLB-Abstinenz die Nats und eilt seitdem mit seinem locker-lässigen Führungsstil von Erfolg zu Erfolg.

"Es sind die Spieler. Sie haben sich entschieden, erfolgreich zu sein und hart zu arbeiten. Da muss ich sie nur aufstellen", gibt sich der zweimalige Meister als Spieler bescheiden.

Hohe Ziele

Andernorts aussortierte oder aufgegebene Pitcher wie Closer Tyler Clippard, Tom Gorzelanny oder auch Edwin Jackson baute er zu wertvollen Bestandteilen auf. Als Team weist Washington mit 3,34 den besten ERA (Earned Run Average) der Liga auf.

Im Feld geben die routinierten Zimmerman, LaRoche oder Jayson Werth den jüngeren Akteuren Rückendeckung.

"Wir sind noch nicht am Ende. In den Playoffs zu sein, reichen uns nicht", sagt Zimmerman. Die Gegner sollten das ruhig als Drohung verstehen.

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