vergrößernverkleinern
Alex Rodriguez spielt seit 2004 bei den New York Yankees © imago

Sogar US-Präsident Barack Obama reagiert empört auf Alex Rodriguez' Doping-Beichte. Der Infielder gerät immer mehr unter Druck.

New York - Die landesweite Erschütterung über das Dopinggeständnis von Baseball-Superstar Alex Rodriguez ("Ich war jung, ich war dumm) hat selbst im Weißen Haus für ein mittelschweres Beben gesorgt.

"Das sind deprimierende Neuigkeiten. Wenn man Fan der Major League Baseball ist, befleckt dies in einem gewissen Maße das Ansehen einer gesamten Ära", sagte US-Präsident Barack Obama: "Das ist sehr unglücklich, da ich davon ausgehe, dass viele Spieler den Sport sauber ausgeübt haben."

"Dumm und naiv"

Der einst als Musterprofi geltende Rodriguez gehörte definitiv nicht dazu. ad

"Ich habe verbotene Substanzen eingenommen. Ich bereue dies zutiefst und kann mich nur dafür entschuldigen", hatte der Third Baseman der New York Yankees am Montagabend erklärt und zugegeben, zwischen 2001 und 2003 - damals noch im Trikot der Texas Rangers - zu Dopingmitteln gegriffen zu haben: "Ich war drei Jahre lang dumm und naiv. Wenn ich einer meiner Fans wäre, wäre ich jetzt einfach nur angewidert."

Usada attackiert A-Rod

48 Stunden zuvor war der schlagstarke Profi durch einen Medienbericht erheblich unter Druck geraten. Wie das US-Magazin "Sports Illustrated" enthüllte, war Rodriguez 2003 positiv auf die Einnahme von Anabolika getestet und ein Jahr später über den Befund informiert worden.

Dennoch hatte der heute 33-Jährige bis zuletzt jegliche Einnahme verbotener Mittel abgestritten - bis der Druck nun offenbar zu groß wurde.

Als entsprechend halbherzig wertet die US-Anti-Doping-Agentur Usada das Geständnis. "Er behauptet, dass es ihm leidtue, harte Steroide benutzt zu haben. Aber es scheint ihm vor allem leidzutun, dass er erwischt wurde. Sonst hätte er den Vorfall schon früher gestanden und nicht alles mit versteinerter Miene abgestritten", meinte Usada-Boss Travis Tygart.

Nicht der Erste

Dennoch muss Rodriguez keine Strafe befürchten.

Erst 2004, also ein Jahr nach seinem positiven Testergebnis, setzte die MLB auf Druck des US-Senats und der Öffentlichkeit ein Anti-Doping-Programm in Kraft. Zuvor war das lasche Reglement von den Profis offenbar ausgiebig ausgenutzt worden.

So ist Rodriguez nicht der erste gefallene MLB-Held. Das Ansehen von Homerun-König Barry Bonds, Sammy Sosa, Mark McGwire oder Roder Clemens war bereits zuvor durch Dopinganschuldigen oder -beweise erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden.

"Diese 'Jeder-tut-es-Ära'"

"Ich bin in diese 'Jeder-tut-es-Ära' geraten. Es hieß: Warum probieren wir nicht Mittel X, Y oder Z aus? Das darf aber keine Entschuldigung für mich sein", sagte Rodriguez, dem in der kommenden Saison ein Spießrutenlauf bevorstehen könnte. Von Seiten seines Ex-Klubs Texas Rangers wurde schon gehörig Öl ins Feuer gegossen.

"Ich fühle mich von Alex Rodriguez hintergangen und betrogen", sagte Rangers-Eigentümer Tom Hicks, der den Infielder im Jahr 2000 mit einem insgesamt 252 Millionen Dollar schweren Zehnjahresvertrag ausgestattet und ihn damit zum bestbezahlten Profi der MLB gemacht hatte: "Ich erwarte eine persönliche Entschuldigung und werde danach entscheiden, ob ich diese annehme."

"Alex ist ein Mensch"

Bei den Yankees, wo Rodriguez vor zwei Jahren einen mit sogar 275 Millionen Dollar dotierten Kontrakt über zehn Spielzeiten abschloss, hält man derweil zu dem zwölfmaligen Allstar und dreimaligen Liga-MVP.

"Natürlich sind auch wir von seinem Fehler enttäuscht. Aber Alex ist ein Mensch und somit nicht fehlerfrei", hieß es in einer Mitteilung des MLB-Rekordmeisters.

Rodriguez selbst will das Vertrauen so schnell wie möglich zurückzahlen und die Vergangenheit abhaken: "Durch mein Geständnis ist mir eine Last von den Schultern gefallen. Siege sind die beste Medizin und ich will die Meisterschaft gewinnen."

Den Glauben der meisten Fans dürfte er allerdings zunächst einmal verloren haben.

Zum Forum - jetzt mitdiskutierenZurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel