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Yao Ming (l.) kam 2002 von den Shanghai Sharks zu den Rockets © getty

Heimpleiten für die Favoriten: Der Titelverteidiger verliert gegen Orlando. Die Houston Rockets überraschen die Los Angeles Lakers.

Von Felix Götz

München - Für zwei Favoriten begannen die Conference Halbfinals mit einer jeweils überraschenden Heimniederlage. (DATENCENTER: Ergebnisse)

Titelverteidiger Boston Celtics unterlag trotz einer atemberaubenden Aufholjagd im TD Banknorth Garden den Orlando Magic mit 90:95.

Die Los Angeles Lakers erlebten derweil gegen die Houston Rockets ihr "chinesisches Wunder".

Auch der überragende Kobe Bryant, der 32 Punkte erzielte, konnte die 92:100-Niederlage nicht verhindern.

L.A. Lakers - Houston Rockets

Die 19.000 Zuschauer im STAPLES Center trauten unmittelbar nach Spielschluss ihren Augen nicht. Ihre Los Angeles Lakers wurden von Yao Ming soeben auseinandergenommen.

Der Chinese war mit 28 Punkten und 10 Rebounds nicht aufzuhalten und drehte nachdem er einen Schlag auf das Knie bekam erst so richtig auf.

"Es ist nichts Ernstes. Mir geht es gut", gab der 28-Jährige unmittelbar nach seiner Galavorstellung Entwarnung.

Für den Sieg hatte Yao eine ganz einfache Erklärung, warnte aber auch: "Wir waren hungrig und wollten das erste Spiel unbedingt gewinnen. Aber wir wissen, dass wir aufpassen müssen. In Spiel 2 werden sie mit aller Macht zurückkommen."

Pferdekuss macht Yao stark

Fünf Minuten vor Ende führten die Lakers mit 85:79. Dann rannte der starke Kobe Bryant (32 Punkte) in Yao hinein, verpasste ihm einen Pferdekuss und leitete damit ungewollt die Wende ein.

Der 2,29-Meter-Riese humpelte für zwei Minuten an der Seitenlinie auf und ab, versuchte durch Bewegung die Schmerzen zu lindern und kam nach einer kurzen Behandlung durch den Physiotherapeuten mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch zurück auf das Parkett.

Die Folge: Yao machte in den letzten Minuten acht Punkte und überragte sowohl offensiv, als auch defensiv unter den Brettern.

Yao wie Rocky

"Ich habe keine Ahnung was unser Physiotherapeut mit ihm gemacht hat. Es war, als ob Rocky zurück auf das Feld gekommen wäre", schwärmte Houstons Trainer Rick Adelman.

Am Ende hatten die Rockets die Partie gedreht. Neben Yao überzeugten auch Ron Artest (21 Zähler) und Aaron Brooks (19 Punkte).

Den Lakers versagten dagegen im entscheidenden Moment die Nerven. "Als es darauf ankam, haben wir keine gute Verteidigung gespielt", sagte der enttäuschte Bryant.

Schlechter geht es nicht?

Außer dem MVP von 2008 zeigte beim 14-maligen Champion in der Offensive keiner eine wirklich ansprechende Leistung.

Pau Gasol war mit 14 Zählern und 13 Rebounds noch gut, dahinter kamen Trevor Ariza und Andrew Bynum auf jeweils 10 Punkte.

"Ich weiß nicht, ob wir wesentlich schlechter spielen können. Mir hat weder unser Engagement, noch die Kontrolle über das Spiel, noch unsere Offensive gefallen", fand Lakers-Trainer Phil Jackson deutliche Worte.

Boston Celtics - Orlando Magic

Orlandos Coach Stan Van Gundy überraschte unmittelbar nach dem 95:90-Sieg seiner Magic über die Boston Celtics mit einem Wutausbruch.

"Die letzten 16 Minuten waren ein Debakel. Wir haben nur noch versucht, die Uhr herunterzuspielen. Das geht aber in den Playoffs, wo die Teams bis zum Ende kämpfen, auf keinen Fall", wetterte der 49-Jährige.

Dass sich van Gundy, dessen Mannschaft in der Best-of-Seven-Serie des Conference Halbfinals soeben mit 1:0 in der Halle des Titelverteidigers in Führung gegangen war (STATISTIK: Der NBA-Playoff-Baum) so aufregte, war bei genauerer Betrachtung doch nicht ganz so verwunderlich.

Der Grund: Orlando bot zwei völlig verschiedene Halbzeiten und verspielte dabei fast einen 28-Punkte-Vorsprung.

"Wir wurden selbstgefällig"

Dank einer überragenden Teamleistung und einer exzellenten Verteidigung lagen die Magic früh im dritten Viertel mit 65:37 vorn.

"Dann sind wir selbstgefällig geworden und haben das, was wir vorher gut gemacht haben, einfach gar nicht mehr gemacht", gab sich der zuletzt für ein Spiel gesperrte Dwight Howard, der neben seinen 16 Zählern überragende 22 Rebounds zum Erfolg beisteuerte, selbstkritisch.

Angeführt von Topscorer Paul Pierce (23 Punkte) startete Boston eine Aufholjagd und kam bis auf vier Zähler ran.

Nur Pierce ist stark

43 Sekunden vor dem Ende hatte Ray Allen (9 Zähler) sogar die Möglichkeit auf einen Punkt zu verkürzen - sein Wurf trudelte allerdings mit viel Pech noch aus dem Ring.

"Wir können nicht erst aufwachen, wenn wir 25 oder 26 Punkte Rückstand haben. Dafür gibt es keine Entschuldigung", räumte Pierce trotzdem eine verdiente Pleite ein.

Außer dem Forward hatten die Celtics in der Offensive nicht viel zu bieten.

Lewis mit den meisten Punkten

Rajon Rondo war mit seinen 14 Zählern bereits zweitbester Werfer beim Meister. Dazu leistete Center Kendrick Perkins unter dem Korb mit 16 Rebounds Gegenwehr.

Auf Seiten der Magic avancierte Rashard Lewis mit 18 Zählern zum Topscorer.

Unterstützung erhielt das Team aus Florida von Mickael Pietrus. Der Guard steuerte von der Bank aus kommend 17 Punkte bei.

Van Gundy pragmatisch

Für die Boston Celtics deutet sich bereits nach Spiel 1 wieder eine ähnlich lange Serie wie gegen die Chicago Bulls im Viertelfinale an, als die Mannschaft von Trainer Doc Rivers nur ganz knapp mit 4:3 weiterkam. (Boston überlebt Runde eins)

Orlando hat einen wichtigen ersten Schritt getan, was schließlich auch noch den aufgebrachten van Gundy beruhigte.

"Man spielt solche Spiele um zu gewinnen - wir haben gewonnen. Jetzt steht es 1:0", sagte der Magic-Trainer pragmatisch.

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