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Anthony macht den Siegkorb, Mavericks-Coach Carlisle nimmt verzweifelt eine Auszeit © getty

Dallas verliert auf dramatische Art Spiel 3 gegen Denver. Nun ist das NBA-Halbfinale für Nowitzki in weite Ferne gerückt.

Von Roland Schekelinski

München/Dallas - Die Hoffnungen der Dallas Mavericks auf den Einzug in das Halbfinale der NBA-Playoffs dürften nun auf ein Minimum gesunken sein.

Gegen die Denver Nuggets setzte es am Samstagabend in Dallas' erstem Heimspiel des Conference-Halbfinals eine 105:106-Niederlage.

Somit gehen die Nuggets in dieser Best-of-Seven-Serie mit 3:0 in Führung.

Ein schwerer Schlag für die Mavericks, denn in der Geschichte der NBA hat es noch nie ein Team geschafft, nach einem 0:3-Rückstand eine Serie noch zu gewinnen. 103467(DIASHOW: Einstecken und zurückschlagen)ad

Nowitzki, der die Tage zuvor ohnehin laut eigener Aussage "eine schlimme Periode" in seinem Privatleben durchmacht, war nach der Begegnung niedergeschlagen. "Das ist eine der schwersten Niederlagen in meiner elfjährigen Karriere", sagte Dirk Nowitzki. "Dieses Spiel hätten wir gewinnen müssen." (Nowitzki offenbar von Mavericks gewarnt)

Carmelo Anthony wird zum Matchwinner

Dieses Spiel im American Airlines Center vor 20.620 Zuschauern hatte alles, was ein Playoff-Spiel ausmacht: Spannung, wechselnde Führungen, eine harte Gangart, 61 Fouls und ein dramatisches Finish.

Kurz vor der Schlusssirene kam es zu einer Szene, die die Nuggets jubeln ließ und die Mavericks in die Verzweifelung trieb.

44 Sekunden waren noch zu spielen, da brachte Jason Terry (17 Punkte, vier Rebounds) Dallas mit einem Dreier mit 105:101 in Front. Es sollte der letzte Korb für die Mavericks in diesem Spiel sein.

Denn nun wurde Denvers Superstar Carmelo Anthony (31 Punkte, acht Rebounds) zum Matchwinner. Per Dunking verkürzte Anthony auf 103:105, da waren noch 28 Sekunden auf der Uhr.

Wright für Nowitzki

Beim nächsten Angriff der Mavericks vergab Nowitzki, mit 33 Punkten bester Werfer und mit 16 Rebounds bester Rebounder der Partie, aus der Halbdistanz. Denvers Chauncey Billups, der 23 seiner insgesamt 32 Punkte in der zweiten Halbzeit erzielte, griff sich den Rebound, die Nuggets nahmen eine Auszeit, um den letzten Angriff zu planen. (STATISTIK: Der Sport1.de-Nowitzki-Watch)

Mavericks-Coach Rick Carlisle nahm Nowitzki vom Feld und brachte Antoine Wright, um die Defensive zu stärken. Eine Maßnahme mit schwerwiegenden Folgen.

Wright übernahm die Sonderbewachung von Carmelo Anthony, der sich mit dem Ball an die rechte Seitenlinie bewegte, um von jenseits der Drei-Punkte-Linie Maß zu nehmen. Anthony nahm den Ball aus dem Dribbling heraus auf. Wright nutzte diese Gelegenheit zum taktischen Foul und schlug Anthony auf die Arme, um den Dreier nicht zuzulassen. Da Dallas die Foulgrenze noch nicht erreicht hatte, hätte es für Denver nur einen Einwurf gegeben.

Doch zum Entsetzen der Mavericks blieb der Pfiff von Schiedsrichter Mark Wunderlich aus. Anthony schnappte sich den versprungenen Ball, drückte sofort ab, traf und die Nuggets lagen eine Sekunde vor Schluss mit 106:105 vorne.

Nowitzki hatte zwar noch mal die Chance zu einem Verzweiflungswurf, doch der segelte am Korb vorbei.

Carlisle rief: "Mach' es! Mach' es!"

"In einem Spiel mit 61 Fouls entscheiden sich die Schiedsrichter, ein Foul nicht zu pfeifen, wenn wir ein Foul machen wollen", sagte Mavs-Coach Carlisle. "Es ist einfach schade, denn Mark ist ein guter, erfahrener Schiedsrichter. Sie konnten davon ausgehen, dass wir dieses Foul machen würden. Ich habe meine Spieler in der Auszeit daran erinnert, dass wir noch ein Foul gut haben und dass wir das auch nutzen sollten. Ich habe Antoine zugerufen: Mach' es! Mach' es! Aber der Pfiff blieb aus. Das ist sehr enttäuschend."

Der verhinderte "Übeltäter" Antoine Wright schimpfte hinterher: "Was hätte ich denn machen sollen? Ihn aus dem Feld schubsen und dann das Flagrant Foul kassieren? Ich habe nach dem Ball geschlagen, so wie wir es in der Auszeit besprochen hatten. Und dann bleibt der Pfiff aus!" (EINWURF: Ein Wunderlich-es Foul)

War das Spiel schon intensiv, so kochten direkt nach der Schlusssirene die Emotionen bei den Mavericks hoch. Klub-Besitzer Mark Cuban stieß einen Kamera-Mann beiseite und stürmte aufs Feld. Mitspieler mussten den aufgebrachten Josh Howard (14 Punkte, sieben Rebounds) davon abhalten, auf die Schiedsrichter loszugehen.

Liga-Leitung gibt Fehlentscheidung zu

Ein schwacher Trost für die Mavericks kam zwei Stunden nach dem Spiel in Form eines offiziellen Statements der Liga-Leitung: "Am Ende des Dallas-Denver-Spiels haben die Schiedsrichter das Foul von Antoine Wright an Carmelo Anthony vor dessem Dreier-Punkt-Wurf fälschlicherweise nicht gepfiffen." Es blieb eine Tatsachenentscheidung, an der Niederlage der Mavericks änderte sich nichts.

Der Gefoulte war sich dessen bewusst. "Ich habe in meiner kurzen Karriere schon einige wichtige Würfe getroffen. Aber noch keinen in einer Situation wie dieser", sagte Anthony. "Es war nur ein winziger Unterschied zwischen einem 2:1 und einem 3:0."

Jason Kidd blickte eher nüchtern auf die Situation zurück. "Das Spiel hat sich nicht in diesem Moment entschieden", sagte der Spielmacher der Mavericks, der 13 Punkte erzielte und fünf Assists gab. "Wir haben es vorher verpasst, die Entscheidung herbeizuführen."

In der Nacht auf Dienstag (3.30 Uhr LIVESCORES) haben die Mavericks erneut in eigener Halle zumindest die Chance auf 1:3 zu verkürzen.

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