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Dirk Nowitzki wurde 1998 an neunter Stelle von den Milwaukee Bucks gedraftet © getty

Die Dallas Mavericks sind in ihrer aktuellen Verfassung nicht zu Höherem berufen. Denver hat schonungslos offengelegt wieso.

Von Martin Hoffmann

München - Trotz aller Anstrengungen: Dirk Nowitzkis Traum vom NBA-Titel ist mal wieder geplatzt.

Das bittere an den Playoff-Aus durch die 110:124-Pleite in Denver (zum Spielbericht): Es ist keine überraschende Nachricht. Der Traum von der Meisterschaft - er war eben nicht mehr als das: ein Traum.

Die Realität, welche die Mavericks nun nicht mehr verdrängen können, ist die dass sie in ihrer aktuellen Besetzung nicht gut genug für den Titel sind (EINWURF: Am Limit, aber nicht an der Spitze).

Selbst Coach Rick Carlisle gab unumwunden zu, dass ein Triumph gegen Denver in der "Best-of-Seven"-Serie nicht zu erwarten war: "Wir haben sie in der regulären Saison nicht schlagen können. Das hat einen Grund."

Und auch in den Playoffs haben die Nuggets die Defizite der Mavericks wieder schonungslos offen gelegt 101543(DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Indiskutable Defensive

An allererster Stelle: die Abwehr. 114,6 Punkte ließen die Mavericks pro Spiel in der Serie gegen Denver zu - indiskutabel.

Das Defensivproblem fing im fehlerhaften Spielaufbau an: In jedem Spiel der Serie leistete sich Dallas mehr Turnovers als Denver, im finalen sogar satte 20.

Und wenn die Nuggets am Ball waren, fanden die Mavericks selten ein probates Mittel gegen sie: In Spiel 5 ließen sie eine Trefferquote von fast 60 Prozent zu, ließen den Gegner viel zu oft zum Korb kommen - immer wieder auch per Dunking.

"Wir waren das ganze Jahr über nicht gut genug in der Abwehr - daher unsere ganzen Auf und Abs", weiß Nowitzki: "Auch heute: Wir haben 110 Punkte gemacht, mit denen muss man eigentlich gewinnen."

Es fehlt eine zweite Kraft

Das zweite Kardinalproblem: Es fehlt die zweite Kraft neben Nowitzki (STATISTIK: Der Sport1.de-Nowitzki-Watch).

Denver hat neben seinem Superstar Carmelo Anthony noch Chauncey Billups als Go-to-Guy, Nowitzki hat keine gleichwertige Unterstützung.

Das zeigte sich am deutlichsten bei Dallas' einzigem Erfolg gegen Denver in Spiel 4: Trotz eines 44-Punkte-Kraftakts von Nowitzki gelang nur ein ganz knapper Sieg.

Schon da war zu ahnen, dass Nowitzki das Unvermeidliche letztlich nur herauszögern, aber nicht aufhalten konnte.

Dass hinter ihm der sich verletzt über den Platz quälende Josh Howard noch zweitbester Mann bei den Mavericks war - bezeichnend.

Abgetauchter Leistungsträger

Wo bei Gewinnerteams die besten Spieler in den Playoffs einen Zahn zulegen, war bei Nowitzkis Teamkollegen teils das Gegenteil der Fall.

Jason Terry, der beste sechste Mann der Liga und in der regulären Spielzeit Schlüsselakteur bei den Mavericks, tauchte in der K.o.-Runde meist ab.

Im letzten Spiel versuchte Carlisle die Nuggets zu überraschen, indem er Terry von Anfang an brachte, doch der Edeljoker stach nicht: Nur elf Punkte und lediglich 4 von 13 Würfen aus dem Feld verwandelt - ein kleines Fiasko.

Die Tugenden reichen nicht

Eines kann man den Mavericks dabei nicht vorwerfen: Ihrem Schicksal gefügt haben sie sich nicht, haben gerackert bis zuletzt.

"Ich bin stolz auf die kämpferische Leistung", merkte Carlisle auch an: "Wir haben die Serie nicht gewonnen, aber wir haben nie Zweifel an unserer Einstellung aufkommen lassen. Und das ist wichtig."

Doch das was man hierzulande deutsche Tugenden nennt, reicht nicht, wenn die Qualität nicht stimmt.

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