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John Stockton verbuchte in seiner Karriere 10,5 Assists und 2,2 Steals pro Spiel © getty

Der unscheinbare John Stockton - beim Draft noch ausgepfiffen - sammelte Rekorde. Doch M.J. stand seinem größten Traum im Weg.

Von Nils Reschke

DSF-Kommentator Frank Buschmann nannte ihn immer nur den "Staubsauger-Vertreter". Doch ins Lächerliche zog der Basketball-Fachmann den Point Guard der Utah Jazz damit nicht.

Respekt klang in seiner Stimme, voller Bewunderung für den Mann, der mit seinen gerade einmal 1,85 Metern alles andere als zu den "Riesen" in der NBA galt - und ist seit Freitagabend Mitglied der Hall of Fame in Springfield.

Wann immer der "Staubsauger-Vertreter" allerdings das Spielfeld betrat, war John Stockton einer der Größten seiner Zeit. Er sammelte Rekorde am Fließband. (Mehr Sportler-Porträts auf kämpferherz.de)

Und doch blieb Stocktons großer Traum unerreichbar: Der Gewinn der NBA-Finals.

Wann immer dieses Ziel zum Greifen nahe schien, schlug John Stocktons personifizierter Alptraum zurück. Und der war kein Geringer als "His Airness" himself ? Michael Jordan! (M.J. kommt in die Hall of Fame)

Mitten ins Herz

14. Juni 1998, Spiel sechs der NBA-Finals. Die Chicago Bulls stehen in Salt Lake City mit dem Rücken zur Wand, die Jazz führen 86:85, sind im Ballbesitz. Dann lässt sich ausgerechnet Superstar Karl Malone den Ball von Michael Jordan stehlen.

Die Shotclock tickt herunter. 5,3 Sekunden zeigt sie an, als Bryan Russell beim Versuch "His Airness" zu verteidigen ausrutscht und auf dem Hosenboden landet.

Jordan steigt hoch - und wirft. John Stockton steht während dieser Szene unter dem eigenen Korb. Machtlos muss er mit ansehen, wie Kollege Russell den Wurf nicht verhindern kann. (DATENCENTER: Alles zur NBA)

Den Zenit überschritten

Entgeistert verfolgt er die Flugkurve des orangen Spielgeräts, das wie maßgeschneidert im Ring einschlägt.

Das Spiel ist verloren, die Finals auch. Und in dem Moment, in dem sich Michael Jordan als Most Valuable Player feiern lässt, die Chicago Bulls ihren dritten NBA-Titel in Folge bejubeln, in diesem Moment war Stockton wohl klar: Es war die letzte Chance, seinen großen Traum wahr werden zu lassen.

Stockton spielte noch fünf weitere Jahre für die Jazz, die ihren Zenit aber überschritten hatten.

Der wohl beste Jahrgang

Drehen wir die Uhr fast auf den Tag genau 14 Jahre zurück. Zum ersten eher indirekten Treffen der beiden Ausnahmesportler kam es am 19. Juni 1984 beim NBA-Draft, mit dem ihre Karriere quasi zeitgleich begann.

Noch bis heute gilt dieser 84er-Jahrgang als wohl der beste aller Zeiten, brachte dieser doch auch die späteren Stars Hakeem Olajuwon und Charles Barkley hervor.

Ihre Drafts und auch der der Chicago Bulls, die sich die Dienste des jungen Michael Jordan von der University of North Carolina at Chapel Hill sicherten, lösten regelrechte Jubelstürme aus.

Buhrufe beim Draft

Ganz anders sah die Sache bei John Stockton aus, der an 16. Stelle von den Utah Jazz ausgewählt wurde.

Die Jazz-Fans tobten vor Wut, rissen wütend ihre Fäuste in die Luft und brachten mit Buh-Rufen lautstark ihren Unmut zur Äußerung.

Blickt man heute angesichts der herausragenden Stellung Stocktons für die Jazz auf diese Szenen zurück, so kommen sie einem fast schon surrealistisch vor.

Seit 1986 in der Startfünf

Denn John Stockton schlug ein. Und wie! Der unbekannte Point Guard von der nicht minder unbekannten Gonzaga-Uni schickte sich an, gleich in seinem ersten Jahr als Einwechselspieler für Furore zu sorgen.

Nur haarscharf verpasste er einen Platz im All NBA-Rookie-Team. Spätestens seit der Saison 1986/87, seiner ersten in der Starting Five bei den Jazz, war John Stockton, zweiter Vorname: Houston, dann aber zur Stelle, wann immer sein Team "Houston, we have a problem" funkte.

Der Poiting Guard sammelte Rekorde wie andere Leute Briefmarken.

Gold mit dem "Dream Team"

Und er gewann auch Titel. Mit dem "Dream Team" holte Stockton 1992 in Barcelona und 1996 in Atlanta für die USA die Goldmedaille.

Beim All Star-Game 1993 wurde er an der Seite seines kongenialen Partners Karl Malone, dem "Mailman", zum wertvollsten Spieler gewählt.

Nur für einen Traum hatte John Stockton noch zu kämpfen: Ein Sieg in den NBA-Finals. Gemeinsam mit Karl Malone, an dem dieser Schönheitsfleck auf dem Dress ebenfalls noch haftete.

Die "Bullen" überrennen "Stockalone"

Zehn Jahre lang ging das Duo, das von den Medien als "Stockalone" gefeiert wurde, für die Jazz auf Korbjagd.

Ihre Blütezeit erlebten sie mit Utah dann 1997 und 1998, wo der große Rivale Chicago Bulls hieß. Doch die "Bullen" erwiesen sich mit ihren Superstars Michael Jordan, Scottie Pippen oder Dennis Rodman als eine Nummer zu groß für Utah.

Auch wenn der "Staubsauger-Vertreter" Rekorde am Fließband lieferte. Die Finals konnte er nie gewinnen.

1164 Assist in einer Saison

Nach 19 Jahren, in denen er immer diesem einen Verein treu blieb, endete für John Stockton wie auch für Michael Jordan, der nochmals ein Comeback bei den Washington Wizards gestartet hatte, ihre NBA-Karriere.

Was John Stockton blieb, waren seine eindrucksvollen und unerreichten Statistikwerte. In 17 von 19 Saisons absolvierte er alle 82 Matches der regulären Spielzeit.

Er war es, dem in der Geschichte der NBA die meisten Assists gelangen. 15.806 an der Zahl, davon die höchste jemals erreichte Assist-Zahl in einer NBA-Saison: 1164 Mal lieferte John Stockton 1990/91 die Vorarbeit zu einem Korb.

19 Jahre für einen unerfüllten Traum

Der Point Guard der Jazz schaffte auch die meisten Steals der NBA-Geschichte (3.265) und erzielte 1993/94 und 1994/95 die beste Wurfquote aller Guards der NBA.

Doch alle Statistiken verpufften am Ende wie Schall und Rauch. So zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk ackerte John Stockton für seinen Traum.

Die Geschichte vom Hasen und den Igel hätte neu geschrieben werden können. Denn am Ende war Michael Jordan immer wieder vor ihm am Ziel...

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