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Phil Jackson setzte Kobe Bryant (l.) im Schlussviertel fünf Minuten auf die Bank © getty

In Spiel 7 gegen dezimierte Houston Rockets droht L.A. und Phil Jackson eine Blamage. Auch Boston kämpft gegen den K.o.

Von Michael Spandern

München - Die Los Angeles Lakers stehen vor einem K.o.-Spiel, das es in den Augen aller Experten eigentlich nicht geben sollte.

Nach der völlig überraschenden Pleite in der sechsten Viertelfinal-Partie in Houston (Die Rockets schlagen zurück) kommt es am Sonntag (ab 21.30 Uhr LIVESCORES) zu Spiel 7 gegen die Rockets.

Auch der Meister aus Boston muss in der Nacht am Montag (ab 2 Uhr LIVESCORES) in ein entscheidendes Spiel, nachdem die Orlando Magic am Freitagabend daheim den Ausgleich gegen die Celtics schafften. (Howard hält die Magic im Rennen)

Scola und Landry behaupten sich

Doch während Boston als Zweiter der Setzliste einige Ausfälle beklagt und spätestens dadurch auf einen auch nominell ebenbürtigen Gegner trifft, schienen die Lakers spätestens nach dem Ausfall von Rockets-Center Yao Ming übermächtig.

Aber Houston gewann nicht nur Spiel 4 ohne den chinesischen All-Star, sondern auch Spiel 6 - obwohl dazwischen eine 40-Punkte-Schlappe lag. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Die Rockets waren unter dem Korb keineswegs unterlegen: Die beinahe namenlosen Luis Scola und Reservist Carl Landry gewannen mit zusammen 39 Punkten und 21 Rebounds das Duell gegen die acht Zentimeter größeren Lakers-Starter Pau Gasol und Andrew Bynum (14/18). (STATISTIK: Die Tagesbesten)

"Zen-Master" in der Kritik

Sicher, Bynum und Odom sind angeschlagen. Doch die Kritiker lasten die jüngste Pleite des im Westen topgesetzten Teams vor allem dem Trainer an.

Der philosophisch belesene "Zen-Master" Phil Jackson wirke "ausgelaugt und wie abgeschaltet", lästert "ESPN"-Experte John Hollinger.

Er kritisiert, dass Jackson seinen Vorjahres-MVP Kobe Bryant (105806DIASHOW: 3 Teams, 15 Auserwählte) nur 38 Minuten spielen ließ und während der ersten fünf Minuten des Schlussviertels auf die Bank setzte.

Festhalten an Fisher

Hollinger wundert sich zudem, dass Rockets-Forward Chuck Hayes - einer der korbungefährlichsten Spieler der NBA - auch außerhalb der Zone beschattet wird, während Scola gleichzeitig in einer Zwei-gegen-Zwei-Situation frei wird.

Zudem ließen die Lakers in den letzten Minuten einige Chancen aus, Hayes zu foulen, der in seiner Karriere nicht mal 58 Prozent seiner Freiwürfe verwandelt.

Und dann ist da der alternde Derek Fisher, den der "Zen-Master" unbeirrt ins Rennen wirft, obwohl der Point Guard in dieser Serie nicht mal jeden dritten Wurf trifft und dennoch oft übereilt abschließt.

"Was aufs Maul gegeben"

Am schwersten aber wiegt Hollingers Vorwurf, Jackson würde die Blamagen in Spiel 4 und 6 schönreden und darauf beharren, dass seine Mannen hart kämpfen.

Das ist schwer zu glauben, wenn sie zuletzt mit 1:17 Punkten in die Partie stolperten. "Es gibt keinen Grund, sich Sorgen zu machen", beschwichtigte der 63-jährige Coach hernach.

Seine Spieler waren da deutlicher: "Für einen Titelanwärter werden wir von den Rockets ziemlich herumgeschubst. Das tut weh", räumte Sasha Vujacic ein. "Sie machen das, was wir tun sollten." Und Jordan Farmar ergänzte: "Houston hat uns gleich was aufs Maul gegeben, und als wir benommen waren, haben sie damit weitergemacht."

Videoclip von Jordans Konter

Nun greift Jackson wieder in die Trickkiste: Er führte das Video einer Viertelfinal-Szene von 1992 vor.

Damals - ebenfalls in einem Spiel 7 - verlor sein Schützling Michael Jordan den Ball an New Yorks Xavier McDaniel, holte ihn sich aber zurück, als McDaniel auf dem Weg zu einem Dunking war.

Chicago gewann die Serie und vier Wochen später den Titel. Das will der Coach mit den Lakers noch mal erleben.

Der Meister setzt auf Tradition

Unterdessen muss sich Boston erneut ohne seine meisterlichen Starter auf den großen Positionen - Leon Powe und Kevin Garnett - Orlandos "Superman" Dwight Howard erwehren.

Doch Doc Rivers greift wohl wieder nur auf eine Achter-Rotation zurück. Wie lange Glen Davis, der Matchwinner in Spiel 4, ran darf, macht er von dessen Fouls abhängig. In Spiel 6 hatte Brian Scalabrine mehr Anteile als Davis.

Die Celtics hoffen auf ihre traditionelle Nervenstärke in einem Entscheidungsspiel: Sie verloren in Spiel 7 nur fünf von 25 Mal.

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