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LeBron James wurde 2003 an erster Stelle von den Cavaliers gedraftet © getty

LeBron James zeigt sich nach Clevelands Aus als schlechter Verlierer - und steht dazu. Seine Zukunft bei den Cavs ist offen.

Von Martin Hoffmann

München - Auf dem Platz zählt LeBron James zu den Größten, aber in der Niederlage Größe zu zeigen - damit hat der MVP dieser Saison seine Probleme.

Nach dem Playoff-Aus bei den Orlando Magic (SPIELBERICHT: Orlando macht die Sensation perfekt) verließ der Superstar der Cleveland Cavaliers die Halle, ohne den Siegern die Hand zu schütteln.

Und er verärgerte auch die Medien, indem er hinterher kein Wort mit ihnen wechselte.

"King James" zog sich um, stöpselte die Kopfhörer seines MP3-Players in seine Ohren und stapfte wortlos zum Teambus (STATISTIK: Der NBA-Playoffbaum).

"Wenn dich jemand verprügelt, gratulierst du nicht"

Der sonst als umgänglich geltende James kann mit Niederlagen nicht gut umgehen - schon im Vorjahr nach dem Aus gegen Boston, hatte er die Celtics ohne Handschlag stehen lassen (112131DIASHOW: Die Top-Verdiener der NBA).

"Es ist schwer für mich, jemandem zu gratulieren, nachdem man verloren hat", erklärte James im Nachhinein: "Ich bin ein Gewinnertyp."

Zumindest konnte er sich aber noch dazu durchringen, eine Glückwunsch-E-Mail an Orlandos Dwight Howard zu schicken.

"Ich bin kein schlechter Sportsmann oder so was", erklärte James: "Aber wenn jemand dich verprügelt, gratulierst du ihm nicht auch noch dafür. Das ergibt keinen Sinn."

Wie früher zu Weihnachten

Cavs-Spielmacher Mo Williams hatte zuvor mit einem kleinen Gleichnis um Verständnis für James' Schweigemarsch gebeten.

"Er ist einfach enttäuscht. Man muss sich das vorstellen wie an Weihnachten, wenn man sich von seiner Mutter ein ferngesteuertes Auto gewünscht hat."

Wenn man das dann nicht bekomme, "dann ist man eben enttäuscht und traurig".

Brav den Anteil geleistet

Das ferngesteuerte Auto in diesem Bild ist die NBA-Meisterschaft, die für James einmal mehr nicht unter dem Baum lag.

Dabei schien James berechtigten Grund zur Vorfreude zu haben - war sein Team in der regulären Saison doch das beste der Liga.

Und mit einem Punkteschnitt von 35,3 in den Playoffs - und sogar 38,5 gegen Orlando - leistete James auch brav seinen Anteil für das gewünschte Geschenk.

Aber es hat wieder nicht gereicht, so dass das Sportpublikum nun wieder heiß diskutiert, ob die Verbindung zwischen James und den Cavaliers noch eine Zukunft hat.

Abgang nicht ausgeschlossen

James ist im kommenden Jahr Free Agent und wird den Cavaliers nur dann treu bleiben, wenn sie eine realistische Titelperspektive bieten können.

Was die Fans der Cavaliers zunächst beruhigen konnte: James hat festgehalten, dass das Playoff-Aus seine Haltung zu seiner Zukunft nicht verändert hat.

"Ich habe immer gesagt, dass ich es liebe, hier zu spielen. Die Serie verloren zu haben, ändert nichts daran, wie ich die Sache hier angehe."

James hat einen Wechsel im kommenden Jahr - etwa zu den brennend interessierten New York Knicks - damit allerdings nicht ausgeschlossen.

Wechselszenario als Druckmittel

Selbst wenn er sich entschlossen hat, in Cleveland zu bleiben, wird er das auch nicht tun.

Die Möglichkeit seines Abgangs im Raum stehen zu lassen, ist ein Druckmittel für Clevelands Bosse, die Voraussetzungen für einen Titelgewinn zu schaffen.

Dass die noch nicht gegeben sind, hat James soeben vorgeführt bekommen.

Schon das starke Abschneiden in der regulären Saison hatte einen Pferdefuß: Gegen die anderen drei Topklubs - Orlando, Boston und die L.A. Lakers - verlor Cleveland sechs von neun Spielen.

Kein zweiter Topmann

Das Hauptproblem der Cavaliers: James hat keinen Mitspieler, der annähernd auf seinem Niveau ist.

Außer James wurde in diesem Jahr kein anderer Spieler ins All-Star-Team berufen - sieht man von Nachrücker Williams ab, der aber auch nicht als absoluter Top-Spielmacher gilt.

Es gilt daher als wahrscheinlich, dass sich die Cavs in diesem Sommer um einen zweiten Hochkaräter bemühen werden.

Spielraum gewonnen

Etwas Spielraum haben sie. Der 13,8-Millionen-Vertrag von Wally Szczerbiak läuft aus, dazu erwägt Ben Wallace seinen Rücktritt - was den Salary Cap um weitere 14 Millionen entlasten würde.

"Ich habe das Gefühl, dass unsere Mannschaft in der nächsten Saison besser sein wird", hat James angemerkt.

Die Cavaliers sollten das wohl als Aufforderung verstehen.

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