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Van Gundy (r.) steht erstmals als Head Coach in den Finals, Jackson zum zwölften Mal © getty

Oft verspottet, greift Orlandos Trainer Van Gundy nach dem Titel, doch das Duell gegen Lakers-Coach Jackson gibt er verloren.

Von Robert Gherda

München - Das große Duell der diesjährigen NBA-Finals heißt zweifellos Kobe Bryant gegen Dwight Howard.

Wenn die Superstars der Los Angeles Lakers und der Orlando Magic aufeinander treffen, ist es jedoch auch ein Duell zweier Trainer, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Auf Seiten der Lakers coacht mit dem "Zen-Meister" Phil Jackson der Vorzeigecoach der NBA.

Er wahrt immer die Contenance und wird selten laut.

Auf Augenhöhe mit Auerbach

Auf diese Weise sammelte Jackson bereits neun Meisterschaften - nur die Trainerlegende der Boston Celtics Red Auerbach sammelte genauso viele.

Sein Image ist trotz zuletzt zweier verlorener Finals (2004 gegen Detroit und 2008 gegen Boston) makellos und kein Spieler würde es wagen, den philosophisch bewanderten 63-Jährigen öffentlich zu kritisieren.

Das krasse Gegenteil stellt Orlandos Stan Van Gundy dar, der vor den Finals selbst zugibt: "Das Trainerduell werden wir sicherlich nicht gewinnen. Phil hat mehr Playoff-Serien gewonnen als ich Playoff-Spiele. "

Meisterring wohl auf dem Speicher

Der korpulente 49-Jährige besitzt zwar immerhin auch schon einen Meisterschaftsring, doch er ist sich nicht einmal sicher, wo er sich befindet.

Als die Miami Heat im Jahr 2006 den Titel gewannen, ließ der Verein auch Van Gundy einen Ring zukommen. Hintergrund war, dass er in besagter Saison das Team aus Florida für die ersten 21 Spiele betreute, bevor er zurücktrat.

"Ich glaube, er ist irgendwo auf dem Speicher. Es war nett von den Heat, mir einen zu schicken, aber der Ring hat keine Bedeutung für mich. Ich hatte mit dem Titel nichts zu tun", so Van Gundy.

"Seine Gesten machen uns nervös"

Die beiden Coaches unterscheiden sich aber nicht nur durch die Anzahl der gewonnenen Titel. Van Gundys Ruf hat im Gegensatz zu Phil Jackson gehörig gelitten. Nach einem Spiel in der Regular Season gegen die Phoenix Suns, verpasste Shaquille O'Neal nach einem kleinen Disput seinem Ex-Trainer den wenig schmeichelnden Spitznamen "Master of Panic".

Auch aus den eigenen Reihen wurde Kritik laut: Der polnische Backup-Center Marcin Gortat stimmte Shaq zu.

In einem Interview ließ sich Gortat folgendermaßen zitieren: "Er gerät oft während Spielen in Panik und sein Verhalten ist nicht gut für uns. Seine Gesten machen uns auf dem Parket nervös."

Auch Howard äußert Kritik

Auch der Star der Magic Dwight Howard kritisierte Van Gundy öffentlich.

Nach einer Niederlage gegen die Boston Celtics in den diesjährigen Playoffs bemängelte der Center, dass er nicht genügend Bälle bekomme. Es sei die Aufgabe des Coaches, dafür zu sorgen, dass sich das ändert.

Van Gundy blieb gelassen, und seit diesem Spiel allerdings läuft es rund bei den Magic. Zunächst schalteten die Magic den Titelverteidiger aus Boston aus (STATISTIK: Der NBA-Playoffbaum).

Im Conference Finale schickte der "Master of Panic" dann auch die hochfavorisierten Cleveland Cavaliers um LeBron James in den vorzeitigen Urlaub.

Rambis als Nachfolger?

Sollte er im Finale auch Phil Jackson und die Lakers schlagen, würde er nicht nur seinen ersten "richtigen" Titel gewinnen, sondern könnte auch alle Kritiker ein für allemal verstummen lassen.

Für seinen stets elegant gekleideten Widersacher könnte es dagegen bei einem weiteren verlorenen Finale vielleicht doch eng werden.

In Los Angeles werden jedenfalls immer mehr Stimmen laut, dass sein Assistent Kurt Rambis ihn zur neuen Saison Jackson als Head-Coach ablösen könnte.

Spätestens in zwei Wochen klärt sich, ob es wirklich soweit kommt.

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