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Pau Gasol wurde 2001 von den Atlanta Hawks an dritter Stelle gedraftet © getty

Auf Pau Gasol wartet in den Finals eine schwere Aufgabe: Er muss "Superman" Dwight Howard verteidigen. Dabei kann er sein Image ablegen.

Von Rainer Nachtwey

München/Los Angeles - Als Kobe Bryant mit seinem großen Auftritt loslegte, nahm einer gemütlich auf der Bank Platz: Pau Gasol.

Der Spanier durfte zu Beginn genüsslich verfolgen, wie der Superstar der Los Angeles Lakers die Orlando Magic innerhalb der letzten sieben Minuten des zweiten Viertels von Spiel eins der NBA-Finals im Alleingang "verprügelte".

Mit dem von Bryant initiierten 25:10-Lauf legten die Lakers letztendlich den Grundstein für den deutlichen 100:75-Erfolg (Bryant entzaubert die Magic).

Verzweiflung bei Howard

Nachdem Bryant in den ersten drei Minuten mit sechs Punkten und einem Assist an allen acht Lakers-Zählern beteiligt war, musste auch der Spanier wieder ran.

Center Andrew Bynum hatte sein viertes Foul gegen "Superman" Dwight Howard kassiert, und Gasol übernahm auf der Center-Position.

Mit starker Verteidigung und einem Sprungwurf zum zwischenzeitlichen 49:41 nach 28:33-Rückstand trieb er den Starspieler der Magic zu Verzweifelung. Eine Minute vor Ende der Halbzeit verließ Howard kopfschüttelnd das Spielfeld (114268Die Bilder vom Spiel), gefolgt von Gasol, der erneut auf der Bank Platz nahm, um sich auszuruhen.

Zwei Offensivfouls gezogen

"Die Zone gehört 'Superman'", hieß es vor dem ersten Spiel. "Wie wollen die Lakers den Kerl nur verteidigen?", fragten sich Fans und Experten (Alles zu den Playoffs im Überblick).

Die Antwort gab ausgerechnet der nach den Finals 2008 als "Weichei" verspottete Gasol: Harte Verteidigung, das eine oder andere Offensivfoul ziehen - in Spiel eins gelang ihm dies zweimal - und durch eigene Akzente in der Offensive Howard früh in Foulprobleme bringen.

Ein Konzept, mit dem er bereits im vergangenen Jahr gegen die Boston Celtics erfolgreich sein wollte.

Im Schatten von Garnett

Doch gegen Bostons Kevin Garnett ging Gasol unter. KG dominierte die Bretter und Gasol wirkte sowohl in der Offensive als auch in der Verteidigung gegen den Power Forward hoffnungslos überfordert.

"Er ist zu weich, nicht hart genug, eben ein Softy", wurde dem Power Forward von der kalifornischen Presse angedichtet.

Doch der Spanier hatte sein Problem schnell erkannt: Durch den Trade aus Memphis nach L.A. und der damit ungewohnt langen Saison - mit den Grizzlies hatte er dreimal die Playoffs erreicht und war dann augenblicklich mit 0:4 von der Bildfläche verschwunden - war er müde und kraftlos (STATISTIK: Der NBA-Playoffbaum).

Körperstählen im Kraftraum

"Ich habe in der Vorbereitung mit eiserner Disziplin an mir gearbeitet und im Kraftraum jede Menge Gewichte gestemmt, damit mein Körper für die anstrengende und vor allem lange Saison gerüstet ist", verrät Gasol.

"Letztes Jahr war ich zum Schluss ausgepowert. Dieses Jahr versuche ich, bis zum Ende körperlich fit zu sein, um Akzente zu setzen."

Lakers-Dominanz unter dem Korb

In Spiel eins gelang ihm dies.

Er hatte großen Anteil daran, dass die Lakers unter dem Korb Howard in dessen Schranken wiesen und selbst dominierten. Mit 56:22 erzielten die Lakers mehr als doppelt so viele Punkte unter dem Korb.

"Wir haben hart gearbeitet dafür, aber wir wissen, dass auf uns noch jede Menge Arbeit wartet", stellt er vor Spiel 2 (in der Nacht auf Montag, ab 2 Uhr LIVESCORES) fest.

Doppelrolle für Gasol

Insbesondere auf ihn selbst. Mit seiner Doppelrolle, gegen die All-Stars Rashard Lewis oder Howard zu verteidigen, hat sich Gasol abgefunden.

"Das bedeutet für mich jede Menge Arbeit. Die Defense gegen Rashard nimmt einen großen Teil meiner Aufmerksamkeit ein. Aber ich werde auch immer wieder wechseln und die Verteidigung von Howard übernehmen müssen", sagt Gasol, fügt aber gleich hinzu. "Aber ich freue mich auf diese Duelle und hoffe, dass ich meinem Team helfen und effektiv sein kann. Das ist alles, was ich will."

Zumindest fast alles. Denn der Titel bleibt das große Ziel.

"Wir wollen unbedingt gewinnen. Wir waren letztes Jahr nah dran. Dieses Jahr ist es soweit."

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