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Hedo Türkuglu lieferte 53 Punkte und 16 Rebounds in den ersten drei Final-Spielen ab © getty

Kobe Bryant spektakulär geblockt und fast den Sieg in Spiel 2 vorbereitet: Orlandos Hedo Türkoglu steigert sich auch noch mit 30.

Von Malik Demir

München - Zugeben wird es Jack Nicholson sicherlich nicht. Für ein paar Sekunden war am Sonntagabend der Name Hidayet Türkoglu aber mit ziemlicher Sicherheit auf seiner Hassliste unangefochtener Spitzenreiter.

Erst ein unglaublicher Block zwei Sekunden vor Schluss gegen Kobe Bryant und dann im direkten Gegenzug auch noch ein Zuckerpass für Courtney Lee, der in Spiel 2 der NBA-Finals eigentlich das 90:88 und damit den Sieg für die Orlando Magic hätte perfekt machen können.

Lee traf nicht. Das Spiel ging in die Verlängerung und am Ende an die Los Angeles Lakers, die damit auch ihr zweites Heimspiel in der Best-of-Seven-Serie gewannen. (Lakers mit viel Dusel - Magic verschenken Sieg)

Lob von Nicholson

Türkoglus starke Aktionen zum Ende der regulären Spielzeit brachten zwar keinen Erfolg für Orlando, aber dafür Anerkennung eines Edel-Fans der Lakers - eben jenes Nicholsons.

"Er hat gesagt, dass ich gut gespielt habe, und hat mich deswegen beglückwünscht", so der Türke, der beim Smalltalk mit dem Hollywoodstar schon längst auf keiner Hassliste mehr auftauchte.

Anerkennung gab es aber zuletzt nicht nur von Nicholson. Türkoglu, schon in der vergangenen Spielzeit eine feste Größe bei Magic, hat in dieser Saison seinen Stellenwert weiter erhöht. (STATISTIK: Der NBA-Playoffbaum)

"Hidayet hat sich jedes Jahr verbessert"

Der "Most Improved Player" (meist verbesserter Spieler) der vergangenen Saison legte in dieser Spielzeit noch einmal nach. "Normalerweise entwickelt sich ein Spieler bis zu seinem 25., 26. Lebensjahr. Er hat gezeigt, dass es diesbezüglich keine Altersgrenzen gibt. Hidayet hat sich jedes Jahr verbessert und ist sehr erfolgreich", lobt Magic-Coach Stan van Gundy den 30-Jährigen.

In der Tat arbeitete Türkoglu in allen Bereichen an sich - er trifft öfter, er verteidigt besser, er sichert sich mehr Rebounds als früher, aber vor allem ist Hedo mannschaftsdienlicher geworden.

Wie im Vorjahr verbuchte der Vize-Europameister von 2001 durchschnittlich fünf Assists. Sein Karriere-Durchschnitt lag bis zu dieser Spielzeit bei 2,7 ? fast eine Verdopplung!

Glänzen und glänzen lassen

In den Conference Finals gegen die Cleveland Cavaliers um Lebron James brach Türkoglu seinen persönlichen Karriererekord, als er im dritten Spiel 15 Mal die Vorbereitung übernahm.

Auch deswegen setzte sich Orlando gegen das favorisierte Cleveland durch.

"In seiner achten NBA-Saison hat sich Hidayet endlich ans Steuer gesetzt. Er hat gelernt, nicht nur selber zu glänzen, sondern auch glänzen zu lassen", sagt Ihsan Bayülken, ein türkischer NBA-Experte, der die Karriere des 30-Jährigen seit Jahren genau verfolgt.

Türkoglu-Fieber in der Türkei

Nicht nur die NBA-Experten blicken in diesen Tagen ganz genau nach Übersee. Das Türkoglu-Fieber hat am Bosporus viele erfasst , stolz vermeldeten alle großen Fernsehanstalten, dass nach Mehmet Okur, der 2004 mit den Detroit Pistons den Titel holte, erneut ein Türke vor dem Triumph in der besten Basketball-Liga der Welt steht.

Alle Spiele werden live im Free-TV gezeigt und die Einschaltquoten können sich trotz nächtlicher Übertragung sehen lassen.

Der Monster-Block gegen Bryant läuft ohnehin in einer Dauerschleife ? trotz 0:2-Rückstand in der Serie bleibt Türkoglu der Held seiner Landsleute.

Okur ist "stolz"

"Ich bin stolz auf Hidayet. Er ist in schwierigen Situationen zur Stelle und überhaupt spielt das Team sehr stark", sagt Utahs Okur. Die Hoffnung auf den NBA-Titel für seinen Landsmann hat er noch nicht aufgegeben - zumal die Magic die Serie durch einen 108:104-Heimsieg in Spiel 3 auf 1:2 verkürzten. (Mit Finals-Rekord zum Premierensieg)

Spiel 4 steigt in der Nacht auf Freitag (ab 3 Uhr LIVESCORES). Auch Türkoglu, der vor den Finals ein 4:2 getippt hatte, bleibt kämpferisch. "Ich will mit dem Ring in die Türkei kommen."

Ob sich Jack Nicholson dann nochmal lobend zu Wort meldet, bleibt abzuwarten.

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