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Dwight Howard erzielte in den ersten beiden Finalspielen 14,5 Punkte im Schnitt © getty

Während Kobe Bryant unerklärliche Schwächen offenbart, schöpfen die Magic neuen Mut. Auch Shaq spricht von einer "richtigen Serie".

Von Rainer Nachtwey

München/Orlando - Kobe Bryant saß auf der Bank und hämmerte mit der Faust gegen seine Stirn. Der Superstar der Los Angeles Lakers konnte es einfach nicht fassen, dass er sich den entscheidenden Ballverlust kurz vor Schluss leistete und innerhalb kürzester Zeit drei seiner fünf Freiwürfe verfehlte.

"Das ist schon sehr enttäuschend", gab sich der Shooting Guard nach der 104:108-Niederlage in Spiel 3 der NBA-Finals bei den Orlando Magic (Mit Finals-Rekord zum Premierensieg) geknickt. "Ich bin es gewohnt, dass ich mich in solchen Situationen durchsetze. Meine Mannschaft baut auf mich, aber ich habe es heute nicht auf die Reihe gebracht."

Ganze fünf seiner zehn Freiwürfe setzte Bryant daneben, fünf Punkte, die den Lakers am Ende zum Sieg fehlten.

"Hätten auch mit dem Rücken zum Korb getroffen"

Doch der letztjährige MVP sah hierin nicht den Grund für die erste Niederlage in den Finals, vielmehr schob er diese auf die schwache Abwehrleistung.

"Wir haben das Spiel in der Defense verloren. Die ersten beiden Spiele haben wir großartig verteidigt, aber heute war das nichts, wir haben eine Trefferquote von - wie viel war es? 62 Prozent? - zugelassen", analysierte der 30-Jährige.

"Sie haben ungefähr jeden Wurf getroffen", brachte es Lakers-Forward Trevor Ariza auf den Punkt.

"Einige der Jungs hätten auch mit dem Rücken zum Korb aus zehn Metern werfen können und sie hätten getroffen", fasste es Lamar Odom überspitzt zusammen (116198DIASHOW: Die Bilder vom 3. Finalspiel ).

Zwei Finals-Rekorde aufgestellt

Nach der unterirdischen Quote von 29,9 Prozent im ersten Spiel (40 Punkte! Bryant entzaubert die Magic) konnten sich die Magic allerdings auch nur steigern. Dass es nach 41,8 Prozent (Lakers mit viel Dusel - Magic verschenken Sieg) zu einer für NBA-Finals Rekordausbeute von 62,5 Prozent reichen würde, war dennoch überraschend.

Vor allem die überragende Quote in der ersten Hälfte, als die Magic 24 ihrer 32 Würfe versenkten, sorgte überall für Verwunderung. Ebenso überraschend war, dass sich Orlando trotz des Bestwerts für eine Endspielhälfte nicht weiter als auf fünf Punkte absetzen konnte.

"Das ist schon schlimm, wenn man 62,5 Prozent trifft, aber dennoch das Spiel fast verliert", sagte Rafer Alston. "Wir müssen einen Weg finden, die Jungs zu verteidigen, und Kobe nicht allzu oft zu foulen. Wir hatten Glück, dass er so viele Freiwürfe daneben gesetzt hat."

Alston als Spiegelbild des Aufschwungs

Der Magic-Point-Guard spiegelt den Aufschwung der Gastgeber nach den beiden Niederlagen in Los Angeles am besten wider. Auf die erschreckend schwache Ausbeute von 3 aus 17 kam der Aufbauspieler in den ersten beiden Duellen in Kalifornien (DATENCENTER: Eregbnisse).

Beachtliche 8 aus 12 waren es nun beim ersten Finals-Sieg der Magic in ihrer Klubgeschichte. Mit 20 Punkten hatte er großen Anteil am Ende der 20-jährigen Durststrecke. Gleichzeitig widerlegte er die Experten wie Charles Barkley, die seine Verbannung auf die Bank und den Einsatz des wiedergenesenen Jameer Nelson auf der Eins gefordert hatten.

Kein persönlicher Rachefeldzug

"Ich habe das nicht persönlich genommen", meinte Alston. "Im ersten Spiel war ich nicht im Rhythmus. Es war alles noch etwas ungewohnt. Beim zweiten habe ich den Flow gefunden, nur meinen Wurf nicht. Und jetzt hat endlich alles gepasst."

Großes Lob heimste der während der Saison aus Houston transferierte Neuzugang auch von "Superman" Dwight Howard, der mit 21 Punkten gemeinsam mit Rashard Lewis bester Magic-Werfer war, ein. "Skip hat sehr gut attackiert und uns dadurch offene Würfe ermöglicht. Das war ein Erfolgsrezept."

Wichtiger Sieg fürs Selbstvertrauen

Auch für Orlandos Big Man lief es besser (113608DIASHOW: Trümmer pflastern ihren Weg). Zwar nahm "DH12" nur 6 Würfe aus dem Feld (5 aus 6), erzwang aber ganze 16 Versuche von der Freiwurflinie, von denen er für seine Verhältnisse gute 11 verwandelte.

"Wir haben nichts übereilt. Statt über ihre großen Jungs - Lamar Odom oder Pau Gasol - zu gehen, sind wir zum Korb gezogen", lobte Howard sein Team, und Lewis schöpft daraus Hoffnung für die anstehenden Heimspiele in der Nacht auf Freitag (ab 3 Uhr LIVESCORES) und auf Montag (ebenfalls ab 3 Uhr).

"Dieser Sieg ist unheimlich wichtig für die Franchise und unser Selbstvertrauen. Wir haben endlich das erste Erfolgserlebnis, dennoch liegen wir immer noch 1:2 hinten. Aber wir sind schon heiß auf die weiteren Heimspiele. Das Publikum verleiht uns zusätzliche Energie." (STATISTIK: Der NBA-Playoffbaum)

Shaq: "Jetzt haben wir eine richtige Finalserie"

Für Orlandos Small Forward Hedo Türkoglu war auch nach den ersten beiden Niederlagen in L.A. noch nichts verloren. Durch den ersten Erfolg ist das Selbstvertrauen noch gestiegen.

Der Türke glaubt ungebrochen an den Titel.

"Warum auch nicht? Wir glauben an uns. So lange wir unser Spiel durchziehen und über 48 Minuten kämpfen - warum nicht?", sagte Türkoglu.

Orlandos Ex-Superstar und Bryants ehemaliger Teamkollege bei den Lakers, Shaquille O'Neal, war sich bereits vor dem Spiel sicher: "Jetzt haben wir eine richtige Finalserie."

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