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Michael Jordan (r.) 1998 im Duell mit Utahs Bryon Russel © getty

Begnadetes Talent, eindrucksvolle Wurf- und Sprungtechnik ? das war Michael Jordan. Ffür Fans der Utah Jazz war ein Albtraum.

Von Nils Reschke

München - Zugegeben: Ich bin ein Fan der Utah Jazz. Wieso, weshalb, kann ich nicht so recht erklären. Es lag damals wohl an John Stockton, der eher unscheinbare, der stille Star.

Kein Zwei-Meter-Mann, aber immer für das Besondere gut. Es kommt eben nicht von ungefähr, dass der "Staubsaugervertreter? der Jazz im April 2009 in die Basketball Hall of Fame aufgenommen wurde.

Gemeinsam übrigens mit dem wohl besten Korbjäger aller Zeiten. Einer, der anscheinend nicht ohne den orangen Ball leben kann. Zwei Mal kündigte "His Airness" seinen Rücktritt an ? zwei Mal gab der sechsfache NBA-Champion sein Comeback. Utah Jazz-Fans können davon ein Lied singen. Denn Michael Jordan war ihr persönlicher Albtraum.

Mitten ins Schwarze

Als Michael "Air" Jordan gefragt wird, ob er sich noch an seinen letzten Wurf erinnern könne, wusste der gebürtige New Yorker sofort: "Das war ein Freiwurf in Philadelphia."

Als 38-Jähriger war Jordan 2001 auf das Parkett zurückgekehrt, spielte bis 2003 bei den Wahington Wizards. "Aber eigentlich?, räumt der 1,98 Meter große Shooting Guard ein, "ist es der Wurf gegen Utah Jazz, mit dem ich 1998 die sechste Meisterschaft gewann." 90105(Diashow: Michael Jordans Karriere in Bildern)

Damit trifft Michael Jordan ? so wie auf dem Feld immer wieder ? mitten ins Schwarze. Denn dieser eine Wurf machte "Air" Jordan endgültig zur Legende. Begnadetes Talent, eindrucksvolle Wurf- und Sprungtechnik ? das alles verkörperte der Star der Chicago Bulls. Doch erst durch dieses Kämpferherz wurde Michael Jordan unsterblich.

Sein Comeback schreibt Geschichte

Schon 1997 war Jordan der Garant dafür, dass die Bulls in den Finals Utah besiegten und ihr Shooting Guard nach dem Triple in den Jahren 1991 bis 1993 sowie der Meisterschaft 1996 NBA-Champion wurden.

Am 14. Juni 1998 schrieb er dann endgültig Geschichte. In Salt Lake City lagen die Jazz 86:85 in Front. Nur noch wenige Sekunden waren zu spielen und die Gastgeber hatten den Ball ? bis Michael Jordan das so nicht auf sich sitzen lassen wollte.

Ihm gelang der Steal, ausgerechnet gegen Superstar Karl Malone. Die Sekunden liefen herunter, die Shot Clock zeigte nur noch 5,3 an. "His Airness" machte sich auf den Weg, das letzte Kapitel seiner eindrucksvollen Karriere voller Höhepunkte zu schreiben. Er ließ Bryan Russell ins Leere laufen, stieg hoch ? und der Ball schlug ein.

"Im Kopf werde ich immer bereit dazu sein"

Geschockt starrte ich auf das Fernsehbild. Da hatte man sich die halbe Nacht wachgehalten, um so bitter enttäuscht zu werden.

Währenddessen ließ sich der Spieler, halb Genie, halb Kämpferherz von seinen Teamkollegen feiern, wurde zum fünften und letzten Mal zum wertvollsten Akteur der NBA, wurde zum MVP gekürt.

Die Medien spielten ebenso verrückt. Zum zweiten Mal das Triple, den sogenannten Three-Peat ? das schrie förmlich nach einer neuen Wortkreation, die schnell aus der Taufe gehoben wurde. Als bislang einziger Akteur der NBA gewann Michael Jordan also den Repeat Three-Peat.

In einem Interview zehn Jahre später verriet Michael Jordan 2006: "Wenn Sie mich jetzt fragen würden, ob ich heute noch in der NBA spielen könnte, würde ich sagen: Ich glaube schon. Mein Körper würde eine Saison mit 82 Spielen vielleicht nicht mehr durchhalten. Aber im Kopf werde ich immer bereit dazu sein."

Basketball ohne den Namen Michael Jordan, "His Airness" ohne Basketball ? das funktioniert eben irgendwie nicht.

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