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Der Dreier: Fisher (l.) trifft über Nelson hinweg zum 87:87 vier Sekunden vor Schluss © getty

Für Derek Fisher ist der Dreier in Spiel 4 mehr wert als sein berühmter ".4-Shot". Er warnt vor einer Wiederholung von 2004.

Von Rainer Nachtwey

München/Orlando - 1,85 Meter misst Derek Fisher nur und ist damit von der Körperlänge der kleinste Spieler auf Seiten der Los Angeles Lakers.

Doch im vierten Spiel der NBA-Finals gegen die Orlando Magic (Lakers kurz vor dem Titel) machte er sich mit seinen beiden wichtigen Dreier wieder einmal zu einem der Größten.

Durch die beiden Würfe - einer 4,6 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit, der die Verlängerung bedeutete, der andere 31 Sekunden vor Ende der Overtime zum 94:91 - liegen die Lakers in der Best-of-Seven-Serie mit 3:1 in Führung (STATISTIK: Der NBA-Playoffbaum).

Erinnerungen an den ".4-Shot"

Erinnerungen wurden wach an jenen unglaublichen Wurf im fünften Spiel der Western Conference Finals 2004 gegen die San Antonio Spurs.

0,4 Sekunden waren damals noch zu spielen, als die Lakers bei 72:73-Rückstand nach einer Auszeit Einwurf an der Seitenlinie hatten. Gary Payton passte auf Fisher, der aus der Drehung über Manu Ginobili hinweg zum 74:73 traf.

Platz 100 für den Magic-Dreier

Als Fisher nach Spiel vier gegen die Magic auf der Pressekonferenz gefragt wird, wo er denn seinen Wurf, der die Verlängerung ermöglichte, in seiner "Big-Shot-Kategorie" einordnet, schmunzelt er und meint lapidar: "So etwa bei 100, 101." (116901Die Bilder zu Spiel 4)

Dann antwortet er doch noch ernsthaft auf die Frage: "Er gehört zu denen ganz oben. Möglicherweise würde ich ihn sogar höher als den '.4-Shot' einschätzen, weil wir jetzt ganz nah am Titel sind. Es bedeutet mir sehr viel, mit diesen Jungs zu spielen, nach all den Erfahrungen in den letzten Jahren, das Team zu verlassen und wieder zurückzukommen."

Krebserkrankung bei der Tochter

Mit all den Erfahrungen dürfte Fisher nicht nur die Meisterschaften 2000, 2001 und 2002 oder jenen Wurf 2004 gemeint haben (DATENCENTER: Ergebnisse).

Da war vor allem die Augenkrebserkrankung seiner Tochter Tatum 2007, die ihn im Endeffekt wieder zurück zu den Lakers führte.

Mit Polizeieskorte zur Halle

Während der Playoffs 2007 nahm sich Fisher eine Auszeit von seinem damaligen Klub Utah Jazz, der gegen die Golden State Warriors die zweite Runde bestritt. Er wollte bei seiner Tochter zu sein, die zu jener Zeit in New York operiert wurde.

Wenige Stunden nach dem Eingriff flog er mit seiner Familie wieder zurück nach Salt Lake City. Das zweite Spiel lief bereits und er fuhr - von der Polizei eskortiert - direkt vom Flughafen zur EnergySolutions Arena.

Vom Flugzeug aufs Parkett

"Er ist damals direkt aus dem Flugzeug in die Halle, hat sich nicht aufgewärmt und nicht eingeworfen. Sobald er in der Halle war, stand er auch schon auf dem Parkett", erinnert sich Fishers damaliger Teamkollege Deron Williams.

Der Olympiasieger hatte mit Foulproblemen zu kämpfen und sein Ersatzmann Dee Brown war wegen einer Nackenverletzung, die er sich zu Beginn der Partie nach einem Zusammenprall mit Mehmet Okur zugezogen hatte, auf dem Weg ins Krankenhaus.

Matchwinner in der Verlängerung

"Was er damals für die Mannschaft geleistet hat, kann man ihm nicht hoch genug anrechnen", lobt Williams.

Mit einer wichtigen Defensivaktion und einer Vorlage auf Williams rettete Fisher die Jazz in die Verlängerung, und mit fünf Punkten im Zusatzabschnitt führte er sein Team zu einem 2:0 in der Serie.

"Meiner Tochter geht es soweit sehr gut, die OP war erfolgreich und dann jetzt noch so ein Spiel: Ich bin einfach sprachlos", sagte Fisher nach jener Partie.

Rückkehr zu den Lakers

Wenige Wochen später löste er seinen Vertrag bei den Jazz auf, um mit seiner Familie nach Los Angeles zu ziehen, wo Tochter Tatum in einem Spezialklinikum eine bessere Behandlung genießen konnte.

Er verzichtete dadurch auf 22 Millionen Dollar über drei Jahre, die ihm sein Vertrag in Salt Lake City eingebracht hätte. Stattdessen kehrte er zu den Lakers zurück und unterschrieb für drei Jahre und 14 Millionen Dollar.

Fehlende Schnelligkeit

Fisher brachte den Lakers die fehlende Stabilität auf der Aufbauposition zurück und hatte ernormen Anteil an dem Weg in die Finals in der vergangenen Saison.

Doch in diesem Jahr mehrten sich die Kritiken an ihm. In der ersten Runde gegen die Utah Jazz spielte ihn Deron Williams schwindlig, gegen Houstons Aaron Brooks machte er in der zweiten Runde keinen Stich, und Chanucey Billups spielte in den Conference Finals gegen Denver Katz und Maus mit ihm, war die einheitliche Meinung der kalifornischen Presse.

Er sei an dem Punkt angelangt, wo die Erfahrung die fehlende Schnelligkeit nicht mehr ausgleichen könne, wurde ihm vorgeworfen.

Jackson: "So einen brauche ich"

"Er ist sicherlich nicht mehr der Schnellste", meint auch Trainer Phil Jackson, "aber er hat ein unglaubliches Gespür für die Situation. Er kann eine Mannschaft gut organisieren und er hat auch keine Angst Kobe zu widersprechen, wenn der den Ball fordert und er es besser weiß. So einen Guard brauche ich."

Und auch einen, der auf die Bremse tritt, wenn andere Gas geben. Denn kaum war Spiel vier in Orlando beendet, ermahnte er seine Mitspieler vor Spiel fünf in der Nacht auf Montag (ab 2 Uhr LIVESCORES) nicht abzuheben.

"Er hat uns erzählt, wie sie 2000 gegen die Indiana Pacers nach dem so wichtigen Sieg in Spiel 4, als sie auch mit 3:1 in Führung gegangen waren, in Spiel fünf mit 30 Punkten den Arsch versohlt bekamen, weil sie dachten, dass es schon läuft", meint Trevor Ariza.

"Er wird schon dafür sorgen, dass uns das nicht passiert."

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