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Michail Prochorow ist künftig der Boss von Devin Harris (Foto) und Co. © getty

Der milliardenschwere Geschäftsmann Michail Prochorow wird Besitzer der New Jersey Nets. Er will damit auch seinen Ruf polieren.

Von Martin Hoffmann

München - Michail Prochorow misst rund zwei Meter, er hätte also die Maße für eine NBA-Karriere gehabt.

Doch der russische Geschäftsmann hatte andere Talente. Prochorow - in jungen Jahren Kopf einer Jeansfirma - hat ein Vermögen in der Metall- und Minenbranche gemacht.

Auf 9,5 Milliarden Dollar hat das Fachmagazin "Forbes" sein Vermögen geschätzt.

Einen Teil davon investiert der angeblich reichste Mann Russlands nun, um in der NBA mitzumischen (DATENCENTER: Der NBA-Spielplan).

200 Millionen Dollar investiert

Prochorow hat am Donnerstag prinzipiell in einen Deal eingewilligt, der ihn zum Besitzer der New Jersey Nets machen würde, wenn alle rechtlichen Hürden überwunden sind (Alle News aus der NBA).

Er wäre der erste NBA-Klubboss in der Geschichte, der nicht aus Nordamerika stammt.

200 Millionen Dollar zahlt die Onexim-Gruppe des Oligarchen und bekommt dafür 80 Prozent der Anteile an dem Klub.

Dazu beteiligt er sich auch an den ambitionierten Umzugsplänen der Nets, die durch das frische Kapital wieder in Schwung kommen.

Umzugspläne befeuert

Die Nets wollen 2011 in ein neues Mega-Stadion im New Yorker Stadtteil Brooklyn ziehen.

32.000 Zuschauer soll das Gebäude fassen und Zentrum eines gigantischen Gebäudekomplexes namens "Atlantic Yards" werden.

Von dieser Vision getrieben, hatte der aktuelle Nets-Besitzer Bruce C. Ratner das Team im Jahr 2003 für 300 Millionen Dollar gekauft.

Die ambitionierten Pläne waren in Gefahr geraten durch sinkende Zuschauereinnahmen der Nets und die Wirtschaftskrise.

Peinliche Affäre verschaffte viel Geld

Von der ist Prochorow relativ unbehelligt geblieben - aus kuriosen Gründen.

Auf Druck der russischen Regierung musste er im April 2008 von seinen Anteilen am Metallunternehmen Norilsk Nickel abstoßen.

Mutmaßlicher Hintergrund war ein Vorfall aus dem Vorjahr: Prochorow wurde in Frankreich verhaftet, weil er den Gästen seiner Weihnachtsparty Prostituierte angeschafft haben soll.

Der Anteilverkauf erwies sich als Glücksfall. Denn als kurz danach die Finanzkrise ausbrach und viele andere mit ihren Firmenanteilen ein Vermögen verloren, saß er auf einem großen Haufen Cash.

Politur für den geschädigten Ruf

Die NBA hat in Prochorow eine schillernde neue Hauptfigur gewonnen: Der unverheiratete 44-Jährige umgibt sich gern mit schönen Frauen und ist berühmt für seine rauschenden Feste.

Der Nets-Deal gilt auch als ein Mittel, seinen durch die Prostitutions-Affäre angeknacksten Ruf wieder aufzupolieren.

"Er versucht verzweifelt, wieder ernst genommen zu werden", zitiert die "New York Times" einen Angestellten Prochorows.

Mehr als eine Laune

Aber sein Interesse an Sportklubs - auch der AS Rom soll auf seinem Wunschzettel stehen - ist mehr als die bloße Laune eines neureichen Exzentrikers.

Prochorow gilt seit jeher als sportbegeistert, er ist im Nebenjob auch Präsident des russischen Biathlon-Verbands.

Er ist auch beteiligt an den Basketballern von ZSKA Moskau, die mit seinem Geld zum Serienmeister erblüht sind.

Ein Auge auf der Heimat

Die Basketballszene seiner Heimat hat Prochorow auch mit dem Nets-Deal im Blick.

"Ich habe Interesse daran, die Entwicklung des Sports in Russland voranzubringen", hat er schon erklärt.

Das Know-How der NBA in Sachen Training und Spielentwicklung will er sich auch für die russische Liga zunutze machen.

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