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Nowitzki geht voran - Jason Terry, Drew Gooden und Shawn Marion folgen mit Abstand © getty

Trotz neuen Personals im Sommer sind die Mavs kein Titelkandidat. Defense, Tempo und ein ehemaliger All-Star machen Probleme.

Von Michael Spandern

München - 41 von 82 Saisonspielen sind gespielt, zumindest für die Dallas Mavericks. Und obwohl das Team von Dirk Nowitzki am Montagabend mit 99:90 beim Ex-Meister Boston Celtics gewann, ist die größte Euphorie in und um Dallas verpufft.

Schließlich verloren die Mannen von Head Coach Rick Carlisle zuvor erstmals in dieser Spielzeit drei von vier aufeinander folgenden Partien - und trotz aller Personaländerungen im Sommer sind viele alte Probleme wieder da. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

Sport1.de macht den Halbzeit-Check und zeigt auf, warum den Mavericks die Konstanz fehlt und warum sie kein Titelkandidat sind.

Verletzungspech bremst die Rivalen

Im Vergleich zur Vorsaison, die Dallas als Sechster der Western Conference und folglich ohne Heimvorteil in den Playoffs abschloss, ist die Siegquote von 61 auf 65,9 Prozent der Spiele gestiegen. Exakt der Wert, mit dem Denver 2008/09 Zweiter im Westen wurde.

Und tatsächlich liegen die Mavs (27 Siege ? 14 Niederlagen) momentan knapp vor den Denver Nuggets (26-14), allerdings klar hinter dem Meister L.A. Lakers (32-9).

Dass Dallas sowohl vor Denver als auch vor San Antonio (25-15) rangiert, liegt aber wohl auch daran, dass diese Rivalen verletzte Schlüsselspieler ersetzen mussten: die Nuggets ihren Star-Regisseur Chauncey Billups in acht Partien, die Spurs ihre Top 3 Tony Parker, Tim Duncan und Manu Ginobili in mindestens drei Spielen.

Zehnmal ohne Dampier

Allerdings: Auch die Mavericks beklagten wiederholt Ausfälle. Dirk Nowitzki musste kurz vor Weihnachten passen, weil die Zähne von Houstons Carl Landry sich in seinen Ellbogen gebohrt hatten. 195013(DIASHOW: Die Bilder aus der NBA)

Starter Shawn Marion, im Sommer per Trade aus Toronto gekommen, fehlte wegen Sprunggelenksbeschwerden dreimal, Center Erick Dampier musste zehn Partien auslassen, acht davon wegen einer rätselhaften Krankheit im Oktober.

Größtes Sorgenkind bleibt jedoch Josh Howard, dessen Knöchel einfach nicht ausheilt. Der All-Star von 2007 - damals ein Synonym für Beständigkeit - steht mittlerweile symptomatisch für die mangelnde Konstanz der Mavericks.

Startfünf mehrfach durcheinander gewürfelt

Howard, der in Boston in 31 Minuten nur auf drei Punkte kam, kündigte zwar vor Saisonbeginn an, trotz langfristiger Schmerzen für sein Team auf die Zähne beißen zu wollen.

Doch im Vergleich zur Vorsaison stehen für den Small Forward statt 18 nur noch durchschnittlich 13 Punkte zu Buche - bei einer verheerenden Trefferquote von unter 38 Prozent.

Mehr als die Hälfte der Spiele versäumte der 29-Jährige und löste damit mehrfach Veränderungen in der Startfünf aus, in der 2009/2010 bereits neun Spieler mindestens siebenmal standen.

Gooden kommt nicht an "Damp" vorbei

Quinton Ross lief in den ersten fünf Spielen von Beginn an auf, dann prellte sich der Defensivspezialist am Rücken und fiel aus.

Statt dessen bekam der pfeilschnelle Rodrigue Beaubois seine Chance. Der französische Spielmacher durfte in 13 Partien starten, doch mittlerweile hat Carlisle das Vertrauen in Beaubois offenbar verloren. Seit Dezember lässt der Trainer den Rookie zumeist das ganze Spiel über auf der Bank schmoren.

Auch der im Sommer erworbene Center Drew Gooden konnte sich, als er während Dampiers Abwesenheit startete, mangels Blocked-Shots-Präsenz und Treffsicherheit nicht nachhaltig empfehlen.

Enorme Streuung bei der Korbausbeute

Wohl auch deshalb scheiterte das angesichts der Verpflichtung des viermaligen All-Stars Marion ausgerufene Ziel, schneller zu spielen.

Nimmt man die Zahl der Ballbesitze pro Partie (annähernd zu errechnen mit der Formel Feldwurfversuche + Freiwurfversuche/2 + Ballverluste - Offensivrebounds) als Indikator, sank das Tempo sogar - von 96,7 auf 96,1.

Bei den erzielten Fast-Break-Punkten liegen die Mavs mit 14,4 pro Spiel (in der Vorsaison 14,6) NBA-weit nur an achter Stelle, statt 101,7 stehen am Ende durchschnittlich 100,2 Punkte zu Buche. Denkwürdig ist vor allem die große Streubreite: Viermal blieb Dallas unter 85 Punkten, dreimal übertrafen Nowitzki und Co. die 120. Ein Meisteranwärter sollte eher in der Lage sein, sein Tempo durchzuziehen.

"Grimmiger und schmutziger werden"

Doch Coach Carlisle sieht das Problem in der Abwehr: "Wir müssen grimmiger und schmutziger werden", sagte er den "Dallas Morning News".

Im Defensiv-Ranking von "ESPN"-Statistikpapst John Hollinger liegt Dallas nur auf Platz neun - weit hinter den Titelanwärtern Lakers, Celtics oder Cavaliers.

In den ersten zwölf Saisonspielen kassierten die Mavericks pro gegnerischem Ballbesitz die fünftwenigsten Punkte, im Januar zählen sie in dieser Statistik zum untersten Drittel.

Gegnerische Wurfquote steigt

Erschreckend: Beginnend mit der 96:131-Pleite bei den Lakers Anfang Januar treffen die Mavericks-Gegner 50,9 Prozent ihrer Würfe - zuvor waren es nur 43,6.

Setzt sich dies fort, muss Dallas wohl auch in Washington (Do., 1 Uhr LIVESCORES) hoffen, dass ein Offensiv-Feuerwerk von Nowitzki alle Defizite übertüncht.

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