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Auf Baron Davis (l.), Chris Kaman (M.) und Marcus Camby ruhen die Clippers-Hoffnungen © getty

Der Klub aus Kalifornien bereitet sich auf eine ungewöhnliche Weise auf die neue Saison vor. Sorgen bereitet ein Neuzugang.

Von Rainer Nachtwey

München/Los Angeles - Nach dem ersten Training war Baron Davis hellauf begeistert von seiner neuen Mannschaft.

"Dieses Team kann mit den Lakers, den Celtics, mit jedem mithalten. Aber wir müssen hart dafür trainieren. Also, los geht?s", sagte der Neuzugang von den Golden State Warriors.

Hart trainieren? Das hatte auch Trainer Mike Dunleavy vernommen. Dem Coach ist daraufhin eine Idee gekommen. Wo trainiert man hart genug? Natürlich, bei den Marines.

Und deshalb bat der Coach seine Mannschaft zum Training nach Camp Pendleton, einer Marinebasis nördlich von San Diego.

Training wie Erholungsurlaub

"Eigentlich wollten wir dort nur ein Trainingsspiel abhalten. Aber dann kam mir die Idee, dort einige der Drills mitzumachen", verriet der Trainer des Jahres von 1999. "Wenn meine Jungs die Übungen der Marines mitmachen, vielleicht kommt ihnen dann mein Training wie ein Erholungsurlaub vor."

Und vielleicht härten die ungewohnten Trainingseinheiten die Clippers ab. Denn dies benötigt der Klub aus Los Angeles. In den letzten Jahren wurden die Clippers von schweren Verletzungen heimgesucht.

Bei Starspieler Elton Brand riss in der Vorbereitung auf die letzte Saison die Achillessehne. Für den Power Forward, der in der Offseason nach Philadelphia wechselte, war die Spielzeit 2007/08 beendet, bevor sie begann.

Erst in den letzten acht Spielen kehrte er in den Kader zurück. "Die Verletzung von Elton hat uns schwer getroffen", hält Dunleavy fest. Und nicht nur die Verletzung, sondern auch der Abschied zu den 76ers.

Camby für lau nach L.A.

Zwar reagierten die Clippers, indem sie Marcus Camby von den Denver Nuggets quasi für lau verpflichteten - die Nuggets sicherten sich die Option, 2010 die Zweitrunden-Picks zu tauschen -, aber der Neuzugang muss sich erst an das System gewöhnen.

Hinzu kommt, dass Camby die ersten Trainingseinheiten aufgrund einer Grippe verpasste. Deshalb schickte Dunleavy seinem Neuzugang DVDs nach Hause, damit er die Fortschritte zumindest in der Theorie verfolgen kann. "Er hat einen hohen Basketball-IQ, deshalb glaube ich nicht, dass er weit zurückgeworfen wird", sagte der 54 Jahre alte Übungsleiter.

Doch Camby muss nicht nur die Grippe auskurieren. Sein Selbstvertrauen hat unter dem Trade sehr gelitten. "Als ich erfahren habe, dass ich getradet werde, war mein erster Gedanke, 'Wen hat Denver als Gegenleistung erhalten?'"

Der minimale Gegenwert ist für den besten Shot-Blocker der letzten drei Spielzeiten wie ein Schlag ins Gesicht, wie eine Beleidigung.

Dunleavy hofft auf positiven Effekt

Aber auch hierbei hat Dunleavy keine Bedenken, dass der 34-Jährige, der mit dem deutschen Nationalspieler Chris Kaman ein schlagkräftiges Duo unter dem Korb bilden soll, sich groß davon beeinflussen lassen wird.

"Ich mache mir keine Sorgen. Ich habe letzte Woche mit ihm darüber geredet. Ihm gefällt es hier in L.A. Seine Tochter fühlt sich sehr wohl hier und seine Familie und Freunde wohnen auch nicht weit weg."

Außerdem hofft der Coach auf den Effekt, dass Camby seinem alten Klub beweisen will, was er an ihm verloren hat. Die erste Möglichkeit dazu hat er beim zweiten Saisonspiel der Clippers am 31. Oktober. Dann gastieren die Nuggets im Staples Center.

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