vergrößernverkleinern
Cavs-Besitzer Daniel Gilbert (r.) begrüßt Neuzugang Antawn Jamison © getty

Dallas, Cleveland und andere Klubs haben mit Trades groß aufgerüstet. Aber die Konsequenzen der Deals sind problematisch.

Von Rainer Nachtwey

München - Das Transfer-Karussell in der NBA ist zum Stehen gekommen - und eine Reihe von Teams hat neue Gesichter bekommen.

Dazu gehören Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks, die drei Spieler von den Wahington Wizards in ihre Reihen aufgenommen haben.

Und auch die Cleveland Cavaliers, das gegenwärtig beste Team der Liga hat aufgerüstet und in Antawn Jamison einen dritten Spieler mit All-Star-Kaliber geholt, der LeBron James und Shaquille O'Neal zum Titel verhelfen soll.

Starke Deals auf den ersten Blick - aber bei genauerer Betrachtung zeigen sich auch die Haken der Transferabschlüsse. 194232(DIASHOW: Wechselbörse - die Trades im Überblick)

Sport1.de analysiert die Gewinner und Verlierer der Trade-Frist.

Gewinner:

Houston Rockets:

Wen haben die Rockets verloren? Tracy McGrady? Ganze 46 Minuten, also nicht einmal ein ganzes Spiel, stand das einstige Aushängeschild für die Rockets auf dem Basketballcourt.

Für McGrady erhalten die Rockets nun Kevin Martin. Zwar gilt der ehemalige Shooter der Sacramento Kings ebenfalls wie McGrady als verletzungsanfällig, allerdings passt Martin besser ins Mannschaftsprofil von Coach Rick Adelman.

Mit Carl Landry, Kandidat auf den Titel bester sechster Mann, verlieren die Rockets zwar einen mannschaftsdienlich wertvollen Spieler, dies kann aber durch den Neuzugang aus New York, den talentierten Rookie Jordan Hill, durchaus kompensiert werden.

Dallas Mavericks:

Auf den ersten Blick sehen die Dallas Mavericks wie der große Gewinner aus: Mit Caron Butler den fehlenden zweiten konstanten Scorer und mit Brendan Haywood einen abwehrstarken Center verpflichtet, dafür den wenig konstanten und zuletzt dauerverletzten Josh Howard abgegeben.

Die Mavericks scheinen auch einen Schub durch den Trade bekommen zu haben, haben gegen Phoenix, Orlando und Miami überzeugende Siege eingefahren.

Aber in dem Trade schlummert auch die große Gefahr, als Verlierer herauszugehen. Mit Butler haben die Mavs einen weiteren langfristigen Vertrag angenommen und fraglich ist, was Butler langfristig in Dallas bewegen kann.

Wie wird er sich im Gefüge der Mavericks zurecht finden? Shawn Marion hat immer noch Probleme, seinen Platz zu finden. Zudem ist Howards Abschied aufgrund seines auslaufenden Kontrakts ein durchaus schmerzlicher Abgang.

Die Chance, einen der Hochkaräter in der Free-Agent-Phase unter Vertrag nehmen zu können, sinkt gen Null. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Chicago Bulls:

Mit den Wechseln von Tyrus Thomas und John Salmons, die zuletzt bei den Bulls nicht mehr über die Rolle der Bankspieler herauskamen, hat General Manager Gar Forman vor allem eines verfolgt:

Platz schaffen unter dem Salary Cap und gleichzeitig die Starting Five von Veränderung verschonen. 194232(DIASHOW: Die Winter-Wechselbörse)

Dies ist ihm gelungen. 53,6 Millionen Dollar soll der Salary Cap 2010/11 betragen, die Bulls haben derzeit nur sechs Spieler unter Vertrag, die in der kommenden Saison 31,8 Millionen Dollar verdienen werden.

Die Chancen, den gebürtigen Chicagoer Dwyane Wade in seine Heimatstadt zurückzuholen, stehen nicht schlecht. Die Trades können auch als Zeichen verstanden werden: D-Wade, komm heim!

New York Knicks:

Gleiches wie für die Bulls gilt auch für die Knicks, wobei der New Yorker Klub Chicago noch um 4,5 Millionen Dollar unterbietet.

Die Knicks-Verantwortlichen setzen alles auf die Karte Free-Agent-Phase 2010 um LeBron James, Chris Bosh und Wade. Getreu dem Motto: Hallo LeBron, willkommen auf der großen Bühne!

Sacramento Kings:

Mit Kevin Martin haben die Kings einen äußerst talentierten, aber auch verletzungsanfälligen Spieler abgegeben. Im Gegenzug verstärkt nur Carl Landry den Klub aus Kalifornien.

Auf den Kandidat zum besten sechsten Mann können die Kings eine Teamoption ziehen. Larry Hughes? Vertrag werden die Kalifornier kaum verlängern.

Durch die Abgabe von Martin (11 Millionen 2010/11) schaffen die Kings Platz unter dem Salary Cap für die anstehende Saison (28,2 Millionen für acht Spieler) und für Rookie Tyreke Evans, der absolutes Starpotenzial besitzt, sich weiter als Go-to-Guy der Kings zu entwickeln.

Nun müssen die Kings noch die überbezahlten Andres Nocioni und Beno Udrih loswerden.

Verlierer

Cleveland Cavaliers:

Die Cavs ein Verlierer? Mit Antawn Jamison hat der Klub aus Ohio doch einen Starspieler verpflichtet.

Allerdings schaufeln sich die Cavaliers mit dem Deal das eigene Grab. Es geht dabei nicht um das Tief mit den zuletzt drei sieglosen Spielen oder das Katastrophen-Debüt Jamisons mit der Null-Prozent-Feldausbeute in Charlotte.

Es geht um das große Thema LeBron James. Die Chancen auf dessen Verbleib bei den Cavs gehen nun gen Null.

Gewinnt Cleveland mit dem Trio James-Jamison-Shaquille O'Neal nicht die Meisterschaft, wird sich King James fragen, wer noch zu den Cavaliers kommen muss, um den Titel zu holen.

Triumphiert James mit den Cavs, wird er sich einer neuen Herausforderung stellen: die zuletzt chronisch erfolglosen Knicks (letzter Titel 1973, letzte Finalteilnahme 1999, letzte gewonnene Playoff-Serie 2000, letzte Playoff-Qualifikation 2001) zum Titel zu führen.

Washington Wizards:

Ihr Ziel haben die Wizards erreicht: den kompletten Umbau des Teams. Allerdings auf Kosten ihrer beiden verbliebenen Stars Caron Butler und Antawn Jamison.

Statt um einen der beiden die neue Mannschaft aufzubauen, entschieden sich die Klubverantwortlichen, auf den von der NBA gesperrten Gilbert Arenas zu setzen.

"Er steht bei uns unter Vertrag und wird für uns spielen", sagt Präsident Ernie Grunfeld. Eine höchst merkwürdige Entscheidung. Zumal der Aufbau eines neuen Teams Jahre dauern wird, und die Lotterie-Chancen auf den Nummer-Eins-Pick 2010 gering sind.

Miami Heat:

Kein Amare Stoudemire, kein Carlos Boozer: Die Heat haben es nicht geschafft, einen großen Kaliber nach Florida zu lotsen. Ohne tatkräftige Unterstützung ist Dwyane Wade weiterhin auf sich allein gestellt.

Wollen die Heat "Flash" über die Saison hinaus in Miami halten, müssen sie ihm einen Spieler des Formats Stoudemire oder Boozer zur Seite spielen, sonst locken die Millionen einer anderen Franchise, insbesondere die des Heimatstadtklubs Chicago.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel