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Point Guard Brandon Jennings spielt seit 2009 für die Milwaukee Bucks © getty

Beim Schultest aufgefallen, in Italien durchgefallen: Erst in Milwaukee glänzt Brandon Jennings. Ein Ray-Allen-Rekord wackelt.

Von Ingo Weber

München - Nun wandelt Brandon Jennings auch äußerlich auf Dennis Rodmans Spuren.

Der Rookie der Milwaukee Bucks - ähnlich streitbar wie Enfant terrible Rodman - läuft neuerdings mit einem rot gefärbten Irokesen-Streifen auf. Doch dem Erfolg der Bucks tut dies keinen Abbruch.

Zehn der letzten elf Spiele hat der Meister von 1971 gewonnen und ist damit im Osten das Team der Stunde. Erstmals seit 2006 winken Milwaukee die Playoffs, und in der Bierstadt träumen die Fans von den ersten Viertelfinals seit 2001 und der Ära Ray Allen.

Hinter dem Aufwärtstrend stehen der jüngst per Trade geholte John Salmons, der vom FC Barcelona zurückgekehrte Ersan Ilyasova - vor allem aber der spektakuläre Jennings.

Zu wenig Punkte beim Eignungstest

Nach dem Ende seiner High-School-Zeit 2008 galt der Spielmacher unter Analysten als eines der größten Talente seines Jahrgangs. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Doch eine 2006 in Kraft getretene Regelung verbot es Jennings, sich für den Draft anzumelden. Mindestens ein Jahr müssen High-School-Abgänger warten, bevor sie in die NBA wechseln dürfen.

Daraufhin machte Jennings der University of Arizona seine Zusage, um dort College-Basketball zu spielen, erzielte jedoch beim Studienfähigkeitstest nicht genug Punkte.

Millionengehalt in Rom

Als er den Test ein zweites Mal absolvierte, erreichte er die erforderliche Punktzahl, fiel durch den großen Leistungssprung aber verdächtig auf. Die Prüfer ließen ihn ein drittes Mal antreten.

Das Ergebnis wartete er aber nicht ab, sondern entschied sich für einen Wechsel zum Euroleague-Teilnehmer Lottomatica Rom. Dort erhielt Jennings ein Jahresgehalt von etwa 1,2 Millionen Dollar, während er auf dem College kein Geld verdient hätte.

Er sorgte damit für ein Novum, und viele erwarteten, dass es von seinem Erfolg abhängen würde, ob sein Beispiel Schule macht.

Golemac erhält den Vorzug

Doch Jennings kam mit seiner Rolle in Rom nicht gut klar. Seine Schnelligkeit kam kaum zum Tragen, und er erhielt aufgrund seiner mangelnden Erfahrung deutlich weniger Spielzeit, als es auf dem College der Fall gewesen wäre.

Zudem erzielte seine Mannschaft schlechte Ergebnisse, und der nach einem Drittel der Saison zum Cheftrainer beförderte Nando Gentile setzte das Talent Jennings in den letzten Spielen der Regular Season in der Serie A kaum noch ein.

In den Playoffs musste Jennings komplett zuschauen, da dort nur eine begrenzte Zahl von Ausländern im Kader stehen durfte und der Slowene Jurica Golemac - inzwischen bei ALBA Berlin unter Vertrag - den Vorzug erhielt.

Nahe an Chamberlains Rekord

Beim NBA-Draft 2009 wurde Jennings, der wegen einer Familienfeier erst fernbleiben wollte und dann zu spät kam, dennoch von den Milwaukee Bucks an zehnter Stelle ausgewählt.

Auch danach wurde es nicht leise um den damals 19-Jährigen: Im Internet tauchte ein Video auf, in dem er Rapper Joe Budden klar machte, wie wenig von NBA-Veteranen wie Ramon Sessions und Chris Duhon zu halten sei.

Zudem tönte Jennings, dass Luke Ridnour seinen Starter-Job als Milwaukees Regisseur bald los sei und dass einige Teams bereuen würden, seine Wenigkeit im Draft übergangen zu haben.

Großer Anteil am Sieg gegen Cleveland

Er ließ den Worten Taten folgen. Gleich in seinem ersten NBA-Spiel gegen Philadelphia war er nur je einen Rebound und Assist von einem Triple-Double entfernt.

In seinem siebten Spiel erzielte er gegen Golden State 55 Punkte, nur drei Punkte weniger als der Ligarekord für Rookies von Wilt Chamberlain.

Mittlerweile steht er bei durchschnittlich 15,8 Punkten sowie 6,1 Assists pro Spiel - dem höchsten Wert aller Rookies.

In den letzten beiden Saisonspielen schlugen die Bucks mit den Boston Celtics und den Cleveland Cavaliers zwei Top-Teams der Eastern Conference.

Gerade am Sieg gegen Cleveland hatte Jennings mit 25 Punkten entscheidenden Anteil.

"Ich habe etwas Größeres vor"

Fünf Dreier traf er gegen die Cavaliers, einen gegen die Celtics und inzwischen 107 in dieser Saison bei einer Erfolgsquote von 38 Prozent. Der Rookie-Rekord bei den Bucks, den Ray Allen mit 117 Dreiern hält, wackelt.

Und vom Leistungsloch, in das viele Liga-Neulinge im Saisonendspurt fallen, ist nichts zu sehen: "Ich war ja schon im letzten Jahr ein Profi", erinnert Jennings an sein Jahr in Rom. "Das hat mich mental bereit gemacht. Während andere nun müde werden, habe ich etwas Größeres vor."

"Die Hauptsache ist, die Playoffs zu erreichen und es zu schaffen, dass die Stadt an uns glaubt. Dann bauen wir Jahr für Jahr darauf auf." Stufe 1 ist fast erreicht: Als fünftplatiertes Team im Osten liegen die Bucks drei Siege vor den neuntplatzierten Chicago Bulls.

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