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Ohren auf: Jason Kidd (l.) und Antoin Wright (M.) lauschen den Worten von Rick Carlisle © getty

Neuer Coach, neues Glück: Im ersten Match der Preseason zeichnet sich die Handschrift des neuen Mavs-Coachs Carlisle deutlich ab.

Von Tobias Schneider

Dallas - Es ist eine Seltenheit, wenn Dirk Nowitzki nicht im Mittelpunkt steht.

Der introvertierte Würzburger, auch im ersten Preseason-Match gegen die Washington Wizards (108:82) mit 17 Zählern erfolgreichster Korbjäger der Dallas Mavericks, stand im Schatten zweier Männer, deren Auftritt unter einem ganz besonderen Licht stand.

Zum einen war da der neue Coach Rick Carlisle, der nach fast vierjähriger Amtszeit Avery Johnson beerbte.

Zum anderen richteten sich die Blicke auf den in Ungnade gefallenen Josh Howard, der in der Vorsaison erst zu Drogen griff und anschließend noch die amerikanische Nationalhymne verspottete. Eine Schandtat im zutiefst patriotischen Amerika, von Texas ganz zu schweigen.

Geläuterter Howard

Mit gesenktem Haupt stand der Small Forward neben seinen Teamkollegen auf dem Parkett, als vor Spielbeginn die Nationalhyme ertönte. Howard, die rechte Hand auf das Herz gelegt, ließ als einziger den Blick gesenkt.

Das Publikum honorierte die Geste der Demut, nur vereinzelt hallten Buh-Rufe durch das weite Rund der American Airlines Arena, die ohnehin nur zu einem Viertel gefüllt war. Am Ende standen bei Howard 15 Punkte zu Buche.

Eine solide Leistung, die Versöhnung mit den Mavs-Fans steht aber noch aus.

Carlisle hat die Ruhe

Noch mehr als der exzentrische Howard stand aber Coach Rick Carlisle im Zentrum des Interesses.

Ex-Coach Avery Johnson, 2006 mit Dallas ins NBA-Finale einzogen, die beiden Jahre darauf aber jeweils in der ersten Play-Off-Runde gescheitert, musste nach der vergangenen Saison seinen Hut nehmen.

Bei den Spielern, insbesondere bei Nowitzki, stieß die Entscheidung auf wohlwollende Unterstützung: "Avery wollte alles kontrollieren. Uns fehlten auf dem Feld die Freiheiten in der Offensive", monierte Nowitzki.

Dass Carlisle eine andere Handschrift hat und eine differenzierte Philosophie im Umgang mit den Spielern vertritt, zeigte sich bereits gegen die Wizards. Seelenruhig saß der 48-Jährige auf dem Trainerstuhl, griff nur selten ein und verzettelte sich nicht in wilden Ansagen von der Seitenlinie.

Die Formation auf dem Parkett genoss ihre Freiheiten, spielte wie befreit auf und legte in der Offensive ein enormes Tempo an den Tag.

Kidd wie beflügelt

Am meisten scheint Jason Kidd vom Trainerwechsel zu profitieren. Der 35-jährige Spielmacher, im Laufe der vergangenen Saison von den New Jersey Nets nach Texas gewechselt, fand unter Avery Johnson nie zu seiner Form.

Unter Rick Carlisle ist nun alles anders: Sieben Assists gelangen Kidd gegen die Wizards - in gerade einmal 24 Minuten. Carlisle lässt seinen Spielmacher agieren, ohne ihn in ein taktisches Korsett zu zwängen.

Dies hatte zuvor auch schon Nowitzki gefordert: "Ich denke, dass die NBA eine Liga der Spieler ist und nicht der Trainer", sagte "Dirkules" in Anspielung auf den ungeliebten, kontrollwütigen Ex-Coach.

Das weiß offenbar auch Carlisle, der die Qualitäten seiner neuen Spieler wohl schon gut kennt: "Nein, überrascht hat mich die Energie des Teams nicht", sagte der Coach nach Spielende.

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