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Seit 2008 spielt Devin Harris (r.) für die Nets. Zuvor stand er in Dallas unter Vertrag © getty

Drei Spiele müssen die Nets noch gewinnen, um die historische Schmach abzuwenden. Doch bald dürfen sie mit Scheinen wedeln.

Von Ingo Weber

München - Die New Jersey Nets schicken sich an, die Saison als das schlechteste Team in der NBA-Geschichte zu beenden.

14 Spiele vor dem Ende der regulären Saison haben die Nets gerade einmal sieben Siege auf ihrem Konto. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

Den Rekord als das bislang schlechteste Team halten die Philadelphia 76ers, die die Saison 1973 mit neun Siegen beendeten.

Auf Platz zwei und drei der Rangliste stehen die Dallas Mavericks (1993) und die Denver Nuggets (1998) mit jeweils elf Saisonsiegen.

Trainerwechsel fruchtete nicht

Gerade gegen die direkte Konkurrenz, wie Minnesota, Indiana oder Washington, feierten die Nets zu wenig Erfolgserlebnisse, und es dauerte bis zum 19. Spiel, bis New Jersey den ersten Saisonsieg eingefahren hatte.

Auch der Trainerwechsel von Lawrence Frank zu Kiki Vandeweghe nach dem 16. Saisonspiel brachte nicht den erwünschten Effekt.

Über die schlechten Leistungen der Nets wird derweil wild spekuliert.

Wollen sie als Letztplatzierter ihre Chancen auf den ersten Draftpick verbessern oder können sie einfach nicht auf höherem Niveau spielen?

Abgänge nicht zu kompensieren

Für die zweite These spricht natürlich der Aderlass der vergangenen Jahre. Nach den Finalteilnahmen in den Jahren 2002 und 2003 verließen viele namhafte Spieler den Klub.

Jason Kidd, Richard Jefferson und Vince Carter sind die prominentesten Abgänge der vergangenen Jahre. Solche Spieler zu ersetzen ist in der Tat eine schwere Aufgabe.

Der 21-jährige Center Brook Lopez mit 18,7 Punkten und der 27-jährige Guard Devin Harris mit 17,3 Punkten im Schnitt ragen zwar aus dem aktuellen Kader heraus, können die entstandenen Löcher jedoch nicht stopfen.

Der erste Draftpick, auf den das schlechteste Team die höchsten Chancen hat, würde sich für die neue Saison durchaus lohnen.

John Wall nach New Jersey?

Denn mit John Wall winkt ein großes Talent. Der Point Guard ist seit dieser Saison für das Kentucky-College aktiv und wird als der künftige Star und erster Pick der neuen Saison gehandelt.

Wall erinnert in seiner Spielweise an Derrick Rose von den Chicago Bulls. Wie Rose, immerhin Rookie oft the Year, besitzt Wall eine Athletik, die unter Point Guards selten zu sehen ist.

"Die Position des Aufbauspielers hat sich aufgrund junger, athletischer Guards stark verändert", sagt Wall: "Moderne Aufbauspieler sind größer und kräftiger als ihre Vorgänger. Trotzdem besitzen sie die Spielübersicht und Passgenauigkeit, die ein Spielgestalter braucht. Ich denke, ich habe diese Eigenschaften."

Wall liebt den "Big-Apple"

Zu seiner überragenden Athletik kommt eine Grundschnelligkeit, die nur von einem noch schnelleren ersten Schritt übertroffen werden kann.

Allenfalls sein unsicherer Sprungwurf und die Neigung, meist über die linke Seite am Gegner vorbeizuziehen, sind Walls Schwachpunkte. Dazu leistet er sich noch zu viele Ballverluste. Trotzdem wurde er in Kentucky bereits "Messiahs Sohn" getauft.

"Er vereint alle Voraussetzungen für einen erfolgreichen Aufbauspieler in sich. Er ist ein geborener Anführer, der andere mitzieht und besser macht", sagt sein College-Trainer John Calipari über Wall.

Der 19-Jährige würde den Nets sicher gut zu Gesicht stehen, und er selbst hat sich bereits positiv über den "Big Apple" geäußert. "Ich liebe New York. Es ist das Mekka des Basketballs", sagte er der "New York Daily News".

Dallas hat das teuerste Team

Was ebenso für eine Leistungssteigerung in der nächsten Saison sprechen könnte, sind die niedrigen Gehaltszahlungen der Nets in dieser Saison.

Mit knapp 22 Millionen Dollar sind sie in dieser Statistik weit hinten zu finden, nur die New York Knicks mit 17 Millionen sind schlechter platziert.

Ligaführend sind die Dallas Mavericks mit 84 Millionen, vor den L.A. Lakers mit 83 Millionen. Das Salary Cap, das die Gehaltsobergrenze festlegt, die jedes Team ohne Luxussteuer zu zahlen ausgeben darf, liegt in dieser Saison bei 57,7 Millionen Dollar.

Gay im Gespräch

Wie in anderen Sportarten dient diese Regelung dazu, finanzstärkere Mannschaften davon abzuhalten, alle Stars der Liga zu verpflichten. So soll die Liga insgesamt spannender und abwechslungsreicher bleiben.

Für die nächste Saison könnte New Jersey also einiges an Geld für neue Spieler locker machen.

Experten spekulieren bereits, Namen werden gehandelt.

Auf dem Zettel steht unter anderem Rudy Gay, dem Small Forward der Memphis Grizzlies, der zumindest nicht abgeneigt wäre. Optimisten handeln nach wie vor die ganz großen Namen unter den Free Agents 2010: Chris Bosh, Dwyane Wade und Joe Johnson - sowie an der Spitze LeBron James.

Drei Siege fehlen noch

Doch welcher dieser Stars würde gerne nach New Jersey wechseln, nachdem sich die Nets so schwach präsentieren?

Die Spieler wollen die Schmach des schlechtesten Teams noch abwenden, wollen nicht auf diese Art und Weise in die Geschichtsbücher eingehen.

"Ich versuche nicht darüber nachzudenken. Doch um so näher das Ende der Saison kommt, umso öfter wirst du damit konfrontiert", meinte Forward Jarvis Hayes.

Drei der letzten 14 Spiele müssen die Nets noch gewinnen, um die Schmach abzuwenden. "Jeder spricht darüber, und wir können es nicht von uns fernhalten. Aber damit müssen wir jetzt leben. Ein paar Siege müssen her", weiß auch Coach Kiki Vandeweghe.

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