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LeBron James spielt seit seinem NBA-Debüt 2003 bei den Cleveland Cavaliers © getty

Nach der Rekord-Schlappe in Spiel 5 gegen Boston droht Cleveland und dem angeschlagenen MVP erneut der frühe K.o.

Von Ingo Weber

München - Dem MVP und Megastar der Liga droht erneut der vorzeitige K.o. Und womöglich hat LeBron James bei der Pleite gegen die Boston Celtics in Spiel 5 der Ost-Halbfinals bereits sein letztes Heimspiel im Trikot der Cavaliers absolviert. (DATENCENTER: Zweite Playoff-Runde)

Verlieren die Cavs am Donnerstag in Boston und entscheidet sich James im Sommer, als Free Agent zu einem anderen Klub zu gehen, behält Cleveland die historische Playoff-Schlappe und einen schlappen Auftritt ihres vermeintlichen Heilsbringers als letzten Eindruck von "King James".

Knicks mit großem Spielraum

Bereits nach dem frühen Playoff-Aus der vergangenen Saison wurde über einen Abschied des Superstars aus Cleveland spekuliert, um zu einem Klub zu wechseln, bei dem seine Chancen auf den NBA-Titel steigen und er mehr im medialen Rampenlicht steht.

Doch kann "The Chosen One", der Auserwählte, sich mit einer derartigen Serie von dem Klub verabschieden, bei dem er seit seinem NBA-Debüt 2003 unter Vertrag steht?

Das mögliche Ausscheiden Clevelands heizt die Wechselgerüchte nur noch weiter an. Vor allem mit den New York Knicks wird er in Verbindung gebracht.

Das Kellerkind aus der Medienmetropole hat in der kommenden Saison einen so großen finanziellen Spielraum haben, um neben James auch einen oder zwei weitere Top-Stars unter Vertrag zu nehmen.

Nur 15 Punkte in Spiel 5

"Damit beschäftige ich mich überhaupt nicht", erteilte James diesen Gedankenspielen jedoch eine klare Abfuhr.

Doch die gezeigten Leistungen des All-Stars in der Serie gegen die Celtics stimmen bislang nachdenklich. Hat der Anführer den Kopf nicht frei? Scheiden die Cavaliers nicht trotz, sondern gerade wegen James' schwacher Leistungen aus?

Im Richtung weisenden Spiel 5 erzielte er lediglich 15 Punkte, nur in sechs Partien dieser Spielzeit verbuchte er weniger. 232005(DIASHOW: Zweite Playoff-Runde)

Probleme mit dem Ellbogen

Die Verletzung am rechten Ellbogen, mit der er sich bereits seit dem Ende der Regular Season herumplagt, lässt er nicht als Ausrede gelten. Das machte er nach Spiel 2 noch einmal klar.

Vielleicht behindert ihn das Problem aber doch mehr, als ihm lieb ist, mehr als er selbst zugeben will.

Bereits dreimal blieb der 25-Jährige in der Serie gegen Boston unter seinem Punkte-Durchschnitt (29,7) und war gerade in Spiel 5, als er aus dem Feld nur 3 von 14 Würfen traf und auch nur mäßige sechs Rebounds sammelte, ein Schatten seiner selbst.

Shaq leistet gewohnten Beitrag

"Ich setze mich immer unter Druck, der Beste zu sein. In den letzten Spielen war das leider nicht der Fall. Aber ich lasse den Kopf nicht hängen", sagte James dem "Cleveland Plain Dealer".

Er erhebt den Anspruch, der absolute Megastar der Sportwelt zu werden. Aber das gelingt ihm eben nur, wenn er Titel holt.

Und Kritik muss man natürlich auch an seinen Mitspielern üben. Nur Shaquille O'Neal stemmte sich in Spiel 5 gegen die Niederlage und erreichte mit 21 Punkten Normalform.

Gilbert erhöht den Druck

Wirft man einen Blick auf die Gehaltsliste der Cavs, so wird deutlich, dass Klub-Eigner Dan Gilbert in dieser Saison über 80 Millionen Dollar in das Team steckt.

Entsprechend harsch fiel seine Reaktion aus: "Art und Weise der Niederlage kommen nicht im Geringsten an meine Vorstellung heran. Auch die Fans haben mehr verdient. Die Verantwortlichen geben alles für den Erfolg, die Spieler nicht."

Harter Tobak, doch irgendwie auch verständlich. Für Spiel 6 setzt Gilbert sein Team unter Druck: "Wir müssen uns daran erinnern, wer wir sind, und wie sehr wir den Erfolg wollen. Die Serie ist noch nicht vorbei, ich glaube an jeden einzelnen."

Boston trifft, wie es will

Zeit, die Wunden zu lecken, bleibt aber nur wenig. Nach der dritten Niederlage gegen Boston müssen die Cavaliers schleunigst Analyse betreiben. (SERVICE: Der Playoff-Baum)

Insgesamt lieferten nur drei Spieler zweistellige Werte, die Wurfquote aus dem Feld lag gerade einmal knapp über 40 Prozent.

Nur in sieben Saisonspielen zuvor erzielten die Cavs 88 Punkte oder weniger. Cleveland fand gegen die variablen Celtics kein Mittel in der Verteidigung, gewährte den Gästen aus Massachusetts eine Trefferquote von 55 Prozent sowie 23 Punkte nach Offensiv-Rebounds.

Verständnis für die Pfiffe

Nach dem Spiel machten die Fans ihrem Unmut mit einem gellenden Pfeifkonzert Luft.

"Ich kann verstehen, dass sie pfeifen. Wir haben schlecht gespielt und die Fans wissen, was wir drauf haben", erklärte James nach der Partie.

Doch will er seinen ersten NBA-Titel holen, darf sich sein Team keine weitere Auszeit mehr erlauben. Die Wahrscheinlichkeit, eine Serie nach einem 2:3-Rückstand noch zu drehen, liegt sowieso nur bei 33 Prozent.

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