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LeBron James wechselte 2003 direkt von der High School in die NBA © getty

Der Superstar hat den Titel wieder verfehlt - was womöglich Clevelands Chancen erhöht, den angehenden Free Agent zu halten.

Von Hardy Heuer

München - Es ist 22.53 Uhr Ortszeit: LeBron James und seine Cleveland Cavaliers sind soeben in den NBA-Playoffs ausgeschieden.

Der MVP kann nach einem Triple-Double auf eine starke Partie zurückblicken, trotz der neun Ballverluste - aber wie so häufig in seiner Karriere reicht es am Ende nicht. (DATENCENTER: Zweite Playoff-Runde)

"King James" bleibt trotz überragender Leistungen weiterhin der "uncrowned king", der König ohne Krone.

Nachdem er im siebten NBA-Jahr wieder ohne Titel geblieben ist, hat er die Chance verpasst, rechtzeitig mit dem Mann gleichzuziehen, mit dem er immer wieder verglichen wird: Michael Jordan.

Titel fehlt

Wie "His Airness" trägt James das Trikot mit der Nummer 23. Und auch er punktet beinahe nach Belieben. Der Cavs-Star behauptet, er könne jedes Jahre die Korbjäger-Liste anführen - wenn er denn wolle.

Tatsächlich ist James aber in sieben Spielzeiten erst einmal (2007/08) NBA-Topscorer gewesen - Jordan dagegen fünfmal.

Viel wichtiger aber: James fehlt ein Titel. Jordan war zwar in seinen ersten sechs Jahren ebenfalls ohne Titel geblieben, führte die Chicago Bulls in der Saison 1990/1991 jedoch zu ihrer ersten Championship und seinem ersten Meisterschafts-Ring.

Cavs zu schwach?

James hat also den Zeitpunkt verpasst, um es dem ehemaligen Aushängeschild der NBA gleichzutun.

Für viele Experten ist auch eines klar: Mit den Cavaliers konnte er dieses Ziel auch nicht erreichen.

An seiner Seite fehlen Leute wie der emsige Edelhelfer Scottie Pippen, der mit Jordan an sechs Titelgewinnen beteiligt und Mitglied des "Dream Teams" war, oder später das Rebound-Monster Dennis Rodman, der zwei Mal in Folge zum besten Defensiv-Spieler des Jahres gekürt wurde.

Im Sommer Free Agent

Spieler wie der satte Center-Altstar Shaquille O'Neal oder Antawn Jamison, dessen Zeit langsam abläuft, sind keine große Hilfe für James.

Insofern muss er sich nun fragen: Bleibe ich oder gehe ich zu einem Team, das mit hungrigen Spielern besetzt ist? Ein Team, das den Titel verspricht. (SERVICE: Der Playoff-Baum)

Diese Chance erhält er in diesem Sommer. Sein Vertrag läuft bei den Cavaliers aus und er wird zum Free Agent ? seit Jordans Comeback das NBA-Thema schlechthin.

James hält sich zurück

Es ist eine Chance, die er sich eigentlich nicht entgehen lassen kann.

Es gibt zahlreiche Spekulationen darüber, dass LeBron ab Sommer für die New York Knicks oder die Chicago Bulls auflaufen wird. 232005(DIASHOW: Zweite Playoff-Runde)

Doch James hält sich mit seinen Zukunftsplänen noch zurück. "Ich denke im Moment nicht darüber nach. Ich versuche herauszufinden, was falsch lief", erklärte er.

Berater schweigt

"Das Einzige was ich will, ist Spiele gewinnen. Dies ist mein einziger Wunsch", fügte er an.

Auch sein Berater, Leon Rose, fährt die gleiche Schiene. "Ich rede nicht über Juli. Ich bin nur hier, um LeBron zu unterstützen", stellte er klar.

Eine Aussage, die daran zweifeln lässt, ob James den Cavs treu bleiben wird.

Jordan mit Bulls Meister

Doch eines ist klar: Wechselt James in so einer Situation den Klub, dann könnte ihm dies als Charakterschwäche angekreidet werden.

Jordan stand zu seinen Bulls und kämpfte so lange, bis er den Titel in den Händen hielt. Will James so in Erinnerung bleiben wie Jordan, dessen Name auf Ewigkeit mit den Bulls verbunden ist, dann muss er bei Cleveland bleiben und versuchen, mit ihnen seinen Traum zu verwirklichen.

Das Team im Stich zu lassen, das ohne James mit großer Wahrscheinlichkeit ins Mittelmaß versenken wird, würde ein schlechtes Licht auf den Star werfen.

Trost vom Gegner

Doch es gibt Personen, die ihm einen Wechsel nahe legen. Kevin Garnett, sein Gegenüber aus der zweiten Playoff-Runde, weiß wie es ist, jahrelang ohne Titel dazustehen.

Nach der Schlusssirene ging der Power Forward zu James, um dessen Leid zu mindern: "Ich habe ihm gesagt: 'Kopf hoch'. Du hast eine großartige Zukunft vor dir. Arbeite weiter und treffe die richtige Entscheidung für dich und deine Familie."

Garnett kennt Gefühl

Eine indirekte Empfehlung, sich im Sommer ein neues Team zu suchen?

Garnett selbst verschlug es 2007 von den erfolglosen Minnesota Timberwolves zu den Boston Celtics, mit denen er im ersten Jahr gleich den Titel holte.

Ein Beispiel wie es gehen kann, jedoch musste sich Garnett nicht mit Jordan-Vergleichen auseinandersetzen.

Rivers empfiehlt New York

Auch dessen Coach, Doc Rivers, macht James einen Wechsel schmackhaft.

"Es wird ein interessanter 1. Juli. Für mich war New York das Beste überhaupt. Boston und New York sind zwei sportverrückte Städte, und du kannst nichts Besseres machen, das kannst du wirklich nicht", erklärte der ehemalige Knicks-Spieler.

Wie sich James auch entscheiden wird, die Entscheidung im Sommer wird eine wegweisende für seine ganze Karriere sein.

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