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LeBron James wurde 2003 von den Cleveland Cavaliers gedrafted © getty

Bleibt LeBron James in Cleveland? Geht er in den "Big Apple"? Bildet er ein Traumduo mit Wade - oder mit Dirk Nowitzki?

Von Martin Hoffmann

München - Man stelle sich folgendes vor: Mitten im Ablöse-Poker von Franck Ribery stellt sich Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer vor ein Mikrofon und singt ein Lied, um ihn zum Verbleib beim FC Bayern zu überreden.

In den USA geht das: Kurz nachdem die Cleveland Cavaliers gegen Boston aus den NBA-Playoffs ausgeschieden sind, hat sich Ohios Gouverneur Ted Strickland in einen Chor regionaler Prominenter eingereiht, der "King James" bei ihrem Klub halten will.232005(DIASHOW: Zweite Playoff-Runde)

"We are LeBron" singen Strickland und Co. zur Melodie von "We are the World" und versprechen dem Superstar gar, alle Straßen der Stadt nach ihm zu benennen.

Ein Scherz, klar: Aber es ist ein erstes Anzeichen, wie verrückt der Transfersommer 2010 werden wird.

LeBron James ist von den vielen prominenten Free Agents, die nun auf den Markt kommen, der begehrteste - und die sportverrückte Nation spekuliert sich Zunge und Finger wund, wohin es ihn ziehen wird.(SERVICE: Der Playoff-Baum)

SPORT1 nennt die sechs aussichtsreichsten Bewerber um die Dienste des aktuell wohl besten jungen Spielers der Welt - und was für und gegen sie spricht.

New York Knicks: Die Knicks arbeiten schon seit Jahren gezielt darauf hin, beim Free-Agent-Sommer 2010 groß zuschlagen zu können. Sie haben im Salary Cap Platz für James und einen weiteren Hochkaräter als Sidekick.

Und sie haben den viel besungenen Mythos ihrer Stadt zu bieten, die größtmögliche Bühne für James' ersehnten Aufstieg zur Sportikone schlechthin. Andererseits ist das in Zeiten der globalen Vernetzung womöglich weniger wichtig, als die meisten annehmen.

Und die daueraufgeregte Medienhochburg kann in schlechten Zeiten auch zur Last werden. Und mit der muss James rechnen: Die Knicks haben seit neun Jahren durchgehend eine Negativbilanz, der Aufstieg zum Titelanwärter dauert wohl länger als ein Jahr.

Ob James die Geduld hat das durchzustehen und den Großteil der Prügel für jeden Fehlschlag einzustecken, ist die Frage.

Chicago Bulls: Immer mehr Beobachter sehen James' Zukunft in der "Windy City": Drei anonyme General Manager prophezeiten bei "ESPN" einen Wechsel zu den Bulls. Und auch Präsident Barack Obama hat schon ausrichten lassen, dass er James in seiner Heimatstadt sehen will.

Das größte Pfund der Bulls: Sie haben Platz im Salary Cap UND eine schlagkräftige Ansammlung an Nebendarstellern für James: Spielmacher Derrick Rose ist dabei, einer der Besten auf seiner Position zu werden, hinzu kommen starke "role player" wie Joakim Noah, Kirk Hinrich und Luol Deng.

Chicagos Nachteil: Die Erwartung, in die übergroßen Fußstapfen von Michael Jordan zu treten, sind bei dessen Ex-Klub noch höher als ohnehin schon. Selbst wenn er fünf Titel mit den Bulls holt, wird es in der Nachbetrachtung heißen: einen weniger als Jordan.

Miami Heat: LeBron James und Dwyane Wade Seite an Seite ? es wäre ein Dream Team. Und weil die beiden gute Freunde sind und im Nationalteam prächtig harmoniert haben, erscheint das Szenario weniger abwegig als viele andere Wunschvorstellungen.

Trotzdem: Dass sich zwei absolute Alphatiere auf dem Zenit ihrer Schaffenskunst dauerhaft das Rampenlicht teilen, ist in der star-fixierten NBA unwahrscheinlich.

Aber: Auch Wade ist Free Agent und könnte die Heat verlassen. Die könnten stattdessen einen 1B-Star wie etwa Chris Bosh verpflichten und an James' Seite stellen. Dazu hat die Sonnenstaat-Metropole Miami auch nicht-sportliche Vorzüge: eine niedrige Steuerbelastung und eine lebenswerte Umgebung.

Dallas Mavericks: "Sports Illustrated" schätzt die Texaner als "dark horse" ein, als aussichtsreichen Außenseiter. Der allürenfreie Dirk Nowitzki dürfte kein Problem haben, mit James ein Traumduo zu bilden und mit ihm dem gemeinsamen Titeltraum nachzujagen.

Dazu zählt Jason Kidd zu James' Freundeskreis. Auch ein Vorteil für Dallas: Cleveland wäre eher geneigt, James in einem Sign-and-Trade-Deal in die Western Conference zu verschiffen als zu einem Konkurrenten im Osten.

Dallas' Problem: Den Platz im Salary Cap müssen sich die Mavericks erst einmal freiräumen. Mittel und Wege hat der umtriebige Teambesitzer Mark Cuban aber immer gefunden.

New Jersey Nets: Das Nachbarteam der Knicks war in der vergangenen Saison das schwächste der Liga, aber es hat konkrete Ambitionen von ganz unten nach ganz oben aufzusteigen.

Der russische Milliardär Mikhail Prokhorov steht seit kurzem als schwerreicher Gönner im Hintergrund, der Umzug in eine Mega-Arena nach Brooklyn 2012 soll die Nets vom Rand ins Herz der Metropole New York führen.

Ob das klappt, ist aber nicht ganz sicher ? und um ein titelfähiges Team beisammen zu bekommen, werden die Nets wohl noch länger brauchen als die Knicks. Außer Point Guard Devin Harris und Center Brook Lopez ist nicht viel.

Die Nets werden daher für James jetzt keine Option sein ? daran ändert auch die Teilbesitzer-Rolle von LeBron-Buddy Jay-Z nichts.

Cleveland Cavaliers: Ohio ist James' Heimatstaat, er ist dort verwurzelt und es macht sich später gut in seiner Hall-of-Fame-Biographie, wenn er loyal bleibt und das Projekt Meisterschaftsring bei seinem Stammteam verwirklicht. Aber ist es wirklich aussichtsreich?

Die Co-Stars Shaquille O'Neal und Antawn Jamison waren nicht die erhoffte Hilfe, der Handlungsspielraum, einen besseren Sidekick zu holen, ist nicht da. 76464(DIASHOW: Shaq-Attack - Seine besten Sprüche)

Eine Karte, die Cleveland aber noch spielen kann, wäre einen renommierten Coach zu holen. Mike Browns Ablösung gilt als ausgemachte Sache, bei der Nachfolgerwahl wird James ein gewichtiges Wort mitzureden haben.

pekuliert wird vor allem über Charlottes Trainer-Guru Larry Brown - der allerdings angekündigt hat, dass die Bobcats seine letzte Trainerstation wären.

Sollte er sich umentscheiden, wäre er für James definitiv ein größerer Anreiz in Cleveland zu bleiben als ein singender Politiker.

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