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Hidayet Türkoglu, vier Jahre lang stets Starter, kam bei den Raptors fünfmal von der Bank © getty

Der 53-Millionen-Mann ist in Toronto in Ungnade gefallen. Er will weg, weil die Bosse ihn verschaukelt und bloßgestellt hätten.

Von Michael Spandern

München - Als größter Deal seit Jahren nach Toronto gekommen, hat Hidayet Türkoglu knapp elf Monate später schonungslos mit den Raptors abgerechnet.

In einem Interview mit dem türkischen TV-Sender "NTV Spor" wirft der Small Forward den Klub-Bossen vor, an seiner "größtmöglichen Blamage" Schuld zu sein und forciert seinen Weggang. Das berichten verschiedene Medien in Toronto.

Türkoglu, im Sommer 2009 mit einem Fünf-Jahres-Vertrag über 53 Millionen Dollar vom damaligen NBA-Finalisten Orlando Magic nach Kanada gelockt, war in Toronto in Ungnade gefallen, als er am 26. März beim Spiel gegen Denver aussetzte und danach in einer Bar gesehen wurde.

Knappe Pleiten ohne Türkoglu

Die Schlagzeilen, in denen der türkische Nationalspieler als "Party-Maschine" tituliert wurde, brachten die Fans gegen Türkoglu auf. (DATENCENTER: Dritte Playoff-Runde)

Und dass er beim folgenden Spiel in Miami keine Minute spielen durfte und der Klub die vermeintlichen Ausschweifungen nicht dementierte, beschwor die Buhrufe geradezu herauf. Es war die "größtmögliche Blamage", die er sich vorstellen konnte.

Zumal das Team um die Playoffs kämpfte, die es letztlich um einen Sieg verpasste. Die Partien gegen Denver und in Miami gingen ohne ihn jeweils knapp verloren.

Fitnesstrainer legt Veto ein

Türkoglu erzählt nun seine Version jener Tage: Er, der mit Knie-, Knöchel- oder Hüftschmerzen gespielt habe und seine Nase nach 14 Profijahren nicht mehr wiedererkenne, habe vor dem Denver-Spiel weder schlafen noch essen können.

Er habe dem Trainerstab berichtet, dass er sich müde fühle. Und der Fitnesstrainer habe ihm mitgeteilt, dass er ohne Training auch für das Spiel nicht in Frage komme und sich lieber für die folgenden Partien ausruhen solle.

Nach dem 96:97 gegen die Nuggets, das er sich in der Halle anschaute, sei er nach Hause gegangen.

"Höchstens 15 oder 20 Minuten"

Dort hätten ihn seine europäischen Mitspieler - in Frage kommen der Spanier Jose Calderon, der Slowene Radoslav Nesterovic sowie die Italiener Andrea Bargnani und Marco Belinelli - angerufen.

"Sie haben mich in eine Bar eingeladen, die nicht mal 100 Meter entfernt ist", beteuert Türkoglu, und eigentlich sei es auch mehr ein Pub als eine Bar gewesen.

Dann macht er ein Millionenangebot: "Ich garantiere persönlich dafür: Ich war höchstens 15 oder 20 Minuten dort. Wer das Gegenteil beweist, dem gebe ich mein gesamtes Vermögen, einschließlich meines Vertrags." Notfalls möge man die Aufnahmen der Überwachungskameras prüfen.

Fünfmal von der Bank

"Am nächsten Tag wurde das zu einer großen Sache: Das Management warf mir vor, dass ich nicht hätte spielen wollen und wollte mich bestrafen. Aber ich habe meinen Anwalt eingeschaltet, und es kam zu einer Einigung", so der Meistverbesserte Spieler 2008.

General Manager Bryan Colangelo habe ihm Stillschweigen zugesichert. "Und am Tag danach hat das Management Interviews gegeben und den Vorfall publik gemacht."

Türkoglu schmorte in Miami 48 Minuten auf der Bank, in den nächsten fünf Partien kam er als Reservist immerhin zum Einsatz.

Keine Lust mehr auf Basketball

Diese Vorgänge hätten Türkoglu "die Lust zu spielen genommen. Und viel wichtiger: Ich habe mein Vertrauen ins Management verloren."

"Ich will wirklich nicht dahin zurückkehren", betont der 31-Jährige, der in Toronto noch bis 2013 unter Vertrag steht. (Top-Free-Agents sprechen sich ab)

Dass er kein Troublemaker sei, habe er bewiesen, in dem er nicht während der Saison-Schlussphase reinen Tisch gemacht habe. Stattdessen stellte er im drittletzten Saisonspiel gegen Chicago mit 19 Rebounds einen Karrierebestwert auf.

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