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Rondo schaffte in den Playoffs im Schnitt 16,7 Punkte, 10 Assists und 5,3 Rebounds © getty

Bostons Spielmacher Rajon Rondo ist für viele der beste Spieler der Playoffs. Nun will er mit den Celtics den Titel holen.

Von Martin Hoffmann

München - Kevin Garnett, Paul Pierce, Ray Allen: Das sind die drei Spieler, die man mit den Boston Celtics verbindet.

Das Trio, das sie 2008 zum Titel geführt hat - und das nun im Finale gegen die Los Angeles Lakers die nächste Meisterschaft holen will.

Doch wenn die Celtics in der Nacht zum Freitag (ab 3 Uhr LIVESCORES) zum ersten Duell mit dem Titelverteidiger anreisen, sind die großen Drei nicht mehr ihre schärfste Waffe (DATENCENTER: NBA-Finals).

"Die Big Three haben keine Nebendarsteller mehr. Sie sind jetzt die Nebendarsteller", hat "ESPN" kürzlich festgestellt.

Der neue Hauptdarsteller, der in der Filmstadt Los Angeles ins Rampenlicht treten will, ist ein 24 Jahre alter Schlacks aus Louisville, Kentucky: Rajon Rondo.

"Glaube, dass niemand besser ist als ich"

"Die Boston Celtics sind jetzt Rajon Rondos Team", befindet "ESPN". Der "Orlando Sentinel" feiert den Spielmacher gar als "bislang besten Spieler der Playoffs" - nicht etwa Kobe Bryant oder MVP LeBron James.

Auch Rondo selbst stimmt gerne mit ein in die Hymnen, die auf ihn gesungen werden.

"Man muss mich nicht in einer Reihe mit den besten Point Guards erwähnen", findet er: "Ich weiß schon, dass ich zu ihnen gehöre."

Wenn er weiter hart arbeiten würde, meint Rondo, "glaube ich, dass niemand besser ist als ich".

Willenskraft und fast wahnhafter Ehrgeiz

Ein Selbstbewusstsein, das von Kindesbeinen an zu Rondos Wesen gehörte.

Das Fahrradfahren lernte er als Vierjähriger trotz mehrerer Stürze binnen eines Tages - von Stützrädern wollte er nichts wissen.

Karten- und Gesellschaftsspiele mit Rajon grenzten für seine Geschwister an psychische Folter: Bei jeder Niederlage wollte er so lange weiterspielen, bis er gewonnen hatte.

Diese Mischung aus Willenskraft, Sturheit und fast wahnhaftem Ehrgeiz ist eine Hauptgrundlage für Rondos Klasse ? es war aber eine größere Herausforderung, den Sturkopf für einen Teamsport sinnvoll nutzbar zu machen.

Ständig suspendiert

Rondo war kein geborener Herzblut-Basketballer: Er tendierte eigentlich zum Football. Seine alleinerziehende Mutter, Schichtarbeiterin bei einer Tabakfirma, sah den drahtig gebauten Rajon aber bei einem etwas weniger körperlichen Sport besser aufgehoben.

Rondo musste dort anfangs zu seinem Glück gezwungen werden. In seiner ersten High-School-Saison suspendierte ihn sein Trainer in 14 von 28 Spielen, weil er immer wieder zu spät oder gar nicht zu Trainingsstunden kam. "Ich wollte mehrmals aufhören", erinnert sich Rondo.

Als er dann Feuer für den Sport fing, glitt er ins andere Extrem: Am College in Kentucky verzweifelte sein Coach Tubby Smith an seinem Überehrgeiz.

Dauerzoff mit College-Coach

Rondo mochte sein Spiel nicht darauf einstellen, dass die Teamkollegen mit seiner Schnelligkeit auf dem Platz und in seiner Entwicklung nicht Schritt halten konnten.

"Ich habe ihm erklärt, dass er langsamer machen muss", erinnert sich Smith, der glaubt "nie einen besseren Spieler" trainiert zu haben: "Er wollte aber stattdessen, dass seine Teamkameraden genauso schnell rennen."

Der Dauerzoff zwischen Rondo und seinem Coach sprach sich herum - und verminderte beim NBA-Draft 2006 das Interesse der Klubs an dem aufstrebenden Talent.

Zwanzig Mal verschmäht

Einzig Bostons General Manager Danny Ainge ließ sich von Rondos Dauerstress mit Smith und seinen Wurfschwächen nicht schrecken.

Er fädelte kurzfristig einen Trade-Deal mit Phoenix ein, um Rondo an Position 21 verpflichten zu können.

Rondo musste sich bei den Celtics erst durchsetzen: Als Stamm-Spielmacher hatten die nämlich eigentlich den aus Portland verpflichteten Sebastian Telfair auserkoren.

Früher Lorbeer, ungebrochene Besessenheit

Schnell wurde aber deutlich, dass Rondo der bessere Griff war.

In seiner Debütsaison stieg Rondo zum Starter auf, im Jahr darauf gewann er mit Boston schon den Meistertitel.

Ein früher Lorbeer, auf dem sich andere junge Spieler ausgeruht hätten. Doch Rondos Besessenheit, sich weiter zu verbessern, blieb ungebrochen.

Rondo legte Extra-Schichten an den Gewichten ein, um seinen Körper zu kräftigen, und feilte mit dem früheren All-Star Mark Price an den Schwächen bei seiner Wurftechnik.

"Er erkennt die Spielzüge, bevor sie passieren"

Das Resultat der Mühen: Rondo ist zum All-Star gereift, zu einem Komplettpaket: Er trifft, er legt Körbe auf, er stiehlt Bälle, er pflückt Rebounds, er dirigiert.

In den Playoffs ist er für Boston unverzichtbar, spielte bislang 41,4 Minuten pro Partie. Seine 29 Punkte, 18 Rebounds und 13 Assists im vierten Spiel gegen Cleveland waren der deutlichste Beweis seiner Klasse. Doch Rondo ist auch dann Bostons wichtigster Mann, wenn er weniger spektakuläre Marken setzt.

"Er ist Bostons unbestrittener Anführer auf dem Platz", meint Stan Van Gundy, der Coach der im Conference-Finale unterlegenen Orlando Magic: "Nicht die Art Anführer, der anderen ins Gesicht schreit: Er positioniert die Leute, stellt sie bereit und kreiert mit seinem Spiel die Gelegenheiten für sie."

Rondos Gegenspieler Jameer Nelson verzweifelte bisweilen an Rondos präzisem Verständnis für das Spiel: "Ich glaube viele unterschätzen, wie schlau er auf dem Platz ist. Er erkennt die Spielzüge, bevor sie passieren."

Höhere Mathematik

Der Radio-Experte Cedric Maxwell vergleicht Rondos Fähigkeit, das Geschehen auf dem Platz zu antizipieren, mit höherer Mathematik: "Wo andere addieren und subtrahieren, betreibt er Differenzialrechnung."

In der Serie gegen Orlando gab es für den Mathematiker aber auch ein nicht kalkuliertes Ereignis.

Im sechsten Spiel landete Rondo bei einem Angriff mit voller Wucht auf dem Rücken, leidet seitdem unter Muskelkrämpfen und kann nicht mit voller Intensität trainieren.

Es ist allerdings fraglich, ob sich Rondo von der Blessur stoppen lässt: Wiederaufstehen und Weitermachen war ja schon als Vierjähriger seine Devise.

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