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Pau Gasol (l.) erzielte in der regulären Saison im Schnitt 18,3 Punkte pro Spiel © getty

Der Spanier Pau Gasol war beim letzten Finalduell zwischen L.A. und Boston der tragische Held. Nun will er sich rehabilitieren.

Von Martin Hoffmann

München - Die Lakers gegen die Celtics: Es gibt kein größeres Fest für Nostalgiker als diese Final-Konstellation.

Es ist das zwölfte Finalduell des Meisters gegen den Rekordmeister. Das Duell, in dem der Titelverteidiger Los Angeles die Bestmarke Bostons (17 Titel) einstellen kann - sofern man den NBL-Titel der Lakers 1949 mitzählt.

Und es ist das Duell, über dem so viel Geschichte schwebt wie über keinem anderen: Elgin Baylor und Jerry West gegen Bob Cousy und Bill Russell und natürlich Magic Johnson gegen Larry Bird, die Rivalität, die in den Achtzigern auch viele Europäer für die NBA begeistert hat.

Pau Gasol gehört zu ihnen220451 (DIASHOW: Gasols Freundin Silvia). Johnson und Bird hingen zu Teenagerzeiten als Poster in seinem Zimmer. Der Sohn einer spanischen Medizinerfamilie entschloss sich gar, selbst Arzt zu werden und ein Heilmittel gegen AIDS zu entdecken, als Johnson 1991 bekanntgab, HIV-positiv zu sein.

2008 der tragische Held

Aber ab der Nacht zum Freitag, wenn in L.A. das erste Spiel der Best-of-Seven-Serie ansteht (ab 3 Uhr LIVESCORES), geht es für den Lakers-Forward nicht um die alten Zeiten. Es geht um seine ganz persönliche Geschichte mit den Celtics. Gegen die hat der 29-Jährige etwas gutzumachen (DATENCENTER: NBA-Finals).

Als Gasol vor zwei Jahren von Memphis nach Los Angeles getradet wurde, wurde er als Heilsbringer gefeiert.

Der 2,13-Mann sollte die Heimat der Lakers zu "Gasollywood" machen, er galt als das letzte Puzzlestück, welches das Team um Kobe Bryant nach vier titellosen Jahren wieder zu einer Meistermannschaft machen sollte.

Stattdessen wurde er in der Finalserie gegen Boston zum tragischen Helden.

Spott für den "Softie"

Als zum ersten Mal in Gasols NBA-Karriere "Crunch Time" war, es also ans Eingemachte ging, blieb Gasol deutlich unter seinen Möglichkeiten.

Sein Punkteschnitt von 12,1 war mehr als sechs Zähler unter seinem gewohnten Niveau, er leistete sich im sechsten und entscheidenden Spiel mehr Turnover als Körbe - und wurde über die ganze Serie hinweg von der Präsenz seiner Gegenspieler Leon Powe, Kendrick Perkins und vor allem Kevin Garnett dominiert.

Die Celtics-Spieler sollen Gasol abseits der Kameras verspottet haben, Kritiker sahen sich darin in dem Urteil bestätigt, dass Gasol zeit seiner Karriere verfolgt hatte: Er sei "soft".

Hoch und vielseitig veranlagt zwar, aber im körperlichen Duell nicht durchsetzungsfähig genug - gerade dann nicht, wenn es gegen einen so mächtigen und giftigen Spieler wie Garnett geht.

Vom Platz direkt in den Trainingsraum

Eine grobe Ungerechtigkeit, findet Gasol heute noch: "Ich erinnere mich noch an all die Kritik nach den Finals. Keiner redete mehr davon, wie wir dorthin gelangt sind und was wir gut gemacht hatten."

Doch so sauer Gasol über die Kritik war, so sehr motivierte sie ihn. Es wird erzählt, dass er direkt nach den pflichtmäßigen Reporterinterviews nach dem letzten Finalspiel in den Kraftraum ging und den Trainern erklärte, dass er mehr Muskelkraft aufbauen wollte.

"Die Niederlage und wie schlimm sie sich anfühlte, war die Motivation", erinnert sich Gasol: "Das sechste Spiel und das Debakel, das wir einstecken mussten, war der Schlüssel."

Rehabilitation durch den ersten Titel

Gasol stand nach der bitteren Pleite wieder auf, arbeitete an seinen Schwächen, reifte an der bitteren Erfahrung.

Ein Jahr danach hatte er entscheidenden Anteil am Titelgewinn der Lakers gegen Orlando 2009, wurde dabei der erste spanische NBA-Meister. Dazu holte er Olympiasilber um EM-Gold mit Spanien.

Wie sehr er sich dabei verausgabt hat, lässt sich auch daran ablesen, dass er soeben seine Teilnahme an der WM in der Türkei abgesagt hat, um seinem geschundenen Körper eine Pause zu geben.

Das erneute Duell gegen die Celtics gilt nun als seine Chance, die Rehabilitation abzuschließen - und seinen persönlichen Dämon Kevin Garnett auszutreiben.

Eine Frage des Willens

Obwohl das "Big Ticket" aufgrund einer langwierigen Knieverletzung als nicht mehr so stark wie 2008 gilt, glaubt Gasol nicht, dass Garnett leichter zu handhaben ist.

"Er sieht definitiv gesünder aus als in der Mitte der Saison, als er fast gehumpelt ist", meint Gasol: "Er spielt jetzt wieder auf hohem Niveau. Gegen Cleveland war er sehr, sehr gut, auch gegen Orlando - und gegen uns wird es nicht anders sein."

Gasol glaubt, jetzt auf alles vorbereitet zu sein, was die Celtics aufbieten: "Es geht jetzt darum, wer den größeren Willen hat und alles dafür tun wird, die goldene Gelegenheit zu ergreifen."

Gasol sagt nicht extra dazu, wer das aus seiner Sicht sein wird. Er will es auf dem Platz demonstrieren.

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