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Lakers-Forward Pau Gasol (l.) stoppt Bostons Paul Pierce © getty

Der Meister schlägt die Celtics im ersten Finalduell mit den eigenen Waffen. Besonders einer vertreibt seinen Ruf als "Softie".

Von Martin Hoffmann

München - Dustin Hoffman, einer der vielen prominenten Zuschauer, hatte seinen Spaß bei der ersten Begegnung der NBA-Finalserie.

Als die "Kiss Cam" den Edelfan der Los Angeles Lakers ins Visier nahm und einen Kuss für Hoffmans Frau aufnehmen wollte, drehte sich die Hollywood-Legende kurzerhand zur anderen Seite - und drückte Schauspieler-Kollege Jason Bateman einen Schmatzer auf245030 (DIASHOW: Die Prominenz beim Finale).

So launig-locker ging es auf dem Feld nicht zu - im Gegenteil. Das erste Aufeinandertreffen der Best-of-Seven-Serie zwischen den historischen Rivalen Los Angeles und Boston war ein knallhartes, körperlich geprägtes Duell, ähnlich wie die Finalserie 2008 244570(DIASHOW: Eine geschichtsträchtige Rivalität).

Doch während die Lakers damals vom dem aggressiven Stil der Celtics übermannt wurde, waren sie diesmal gewappnet - und triumphierten mit 102:89245000 (DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Rangelei zwischen Pierce und Artest

Den rauen Grundton der Partie gaben schon nach 27 Sekunden Bostons Paul Pierce und Ron Artest, das Enfant Terrible der Lakers, vor.

Die beiden verharkten sich bei einem Lakers-Angriff unter dem Korb, stürzten gemeinsam mit angezogenen Ellbogen zu Boden und mussten dann von Mitspielern und Schiedsrichtern abgehalten werden, aufeinander loszugehen. Beide kassierten ein technisches Foul.

Beide Teams behielten den Stil bei. Allein im ersten Viertel kamen 18 Fouls zusammen, 54 waren es am Ende insgesamt (DATENCENTER: NBA-Finals).

Zwei entscheidende Serien

Es ging eng zu, die Lakers waren im Vorteil, setzten sich aber erst Ende des zweiten Durchgangs mit einer 11:4-Serie erstmals deutlicher ab.

50:41 hieß es zur Halbzeit, im dritten Viertel hatte L.A. wieder einen Lauf, nach einer 11:2-Serie führte der Titelverteidiger zum Ende des Durchgangs mit 84:64.

Es war faktisch die Entscheidung, die Führung war groß genug, dass sich Los Angeles ein schwächeres Schlussviertel mit nur 18 Punkten erlauben konnte.

"Sie waren aggressiver"

Celtics-Trainer Doc Rivers musste nach dem Spiel anerkennen, dass sein Team mit den eigenen Waffen geschlagen wurde.

"Sie waren das physischere Team, und das bei weitem", ärgerte sich der Meistertrainer von 2008: "Sie waren aggressiver, haben uns den ganzen Abend über attackiert. Wir sind nicht gut damit umgegangen."

16:0 nach Offensivrebounds

Bezeichnend für die Überlegenheit der Lakers an den entscheidenden Stellen waren vor allem zwei Statistiken:

Die Lakers erzielten 28 Punkte in der Zone, Boston nur zwölf. Dazu gelangen dem Meister 16 Punkte bei zweiten Wurfversuchen nach Offensivrebounds - den Celtics kein einziger.

"16:0, das ist bemerkenswert", fand Lakers-Coach Phil Jackson: "Das war ein wichtiger Teil des Spiels."

Gasol betreibt Wiedergutmachung

Herausragend bei den Lakers war Pau Gasol, der Mann, der vor zwei Jahren noch eine so unglückliche Figur gegen die galligen Gegenspieler von der Ostküste abgab.

Nun demonstrierte der damals als "soft" verspottete Spanier, wie gut er sich seitdem in Sachen Durchsetzungfähigkeit gemacht hat.

Der Forward hielt den Celtics-Aggressionen erfolgreich stand, trug 23 Punkte und 14 Rebounds zum Erfolg bei.

"Gasol war aggressiver", erkannte Rivers: "Er hat uns attackiert, ich finde, er war der beste Spieler auf dem Platz. Er hat heute viel beweisen."

Bryant stark, Rondo blass

Zweiter Matchwinner war einer, der nicht mehr viel zu beweisen hat: Kobe Bryant war mit 30 Punkten Top-Scorer, es war das fünfte Mal in Folge, dass er diese Punktemarke knackte. Hinzu kamen sieben Rebounds und sechs Korbvorlagen.

Bei Boston war Pierce mit 24 Punkten und neun Rebounds bester Mann.

Rajon Rondo, Bostons in den Playoffs bislang überragender Spielmacher, konnte die Partie bei 13 Punkten, acht Assists und sechs Rebounds nicht entscheidend prägen.

"Wir konnten den Ball zwischen den Freiwurflinien nicht oft genug zu Rondo bringen", klagte Rivers.

Böses Omen für Boston

Der Auftakttriumph für Los Angeles ist ein böses Omen für die Celtics, die in der Nacht zum Montag wieder in L.A. zu Gast sind (ab 2 Uhr LIVESCORES).

Die Lakers haben in den zehn Jahren unter Jackson noch nie eine Playoff-Serie verloren, nachdem sie das erste Spiel gewonnen hatten.

47 Playoff-Serien, in denen es einen Auftaktsieg gab, hat Jackson mit Chicago und Los Angeles hintereinander für sich entschieden.

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