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Kevin Garnett erzielte in den bisherigen Playoff-Spielen durchschnittlich 14,9 Punkte pro Spiel © getty

Kevin Garnett schwört seine Celtics auf Team-Basketball ein. Tony Allen macht dem "Emotional-Leader" eine Liebeserklärung.

Von Olaf Mehlhose

München - "KG" hat es immer gehasst.

Die "Big Three", Paul Pierce, Kevin Garnett und Ray Allen, standen stets im Fokus der Öffentlichkeit - als würden die Boston Celtics nur aus drei Spielern bestehen. (DATENCENTER: Die NBA-Playoffs)

Sicher, Garnett weiß, wie die Marketing-Mechanismen in der NBA funktionieren, beziehungsweise dass die Medien eine Story brauchen.

Deswegen hat der 34-Jährige das Spiel auch über Jahre hinweg mitgemacht, aber angefreundet hat er sich damit nie.

Garnett predigt Teamplay

In seinem Herz, in der Umkleidekabine, auf dem Trainingsplatz und im Team-Flugzeug war Garnett immer gegen die "Großen Drei" - und nimmt man Rajon Rondo dazu, dann ist er gegen die "Großen Vier".

Bostons Power Forward ist gegen jede Art von Starkult, der versucht, die Besten der Celtics vom Rest der Celtics zu unterscheiden.

Seit "The Big Ticket" nach Boston kam - und nicht erst, seitdem er durch Verletzungen und aufgrund seines Alters an Explosivität eingebüßt hat -, ist er ein Verfechter des Mannschafts-Basketballs: der "Großen 15".

Genau diese Einstellung lebt Garnett täglich vor und schärft sie seinen Teamkollegen bei jeder Gelegenheit ein.

Nur der Sieg zählt

Dank Garnetts Inspiration hat sich Boston zu der am besten zusammenspielenden Mannschaft der NBA entwickelt.

Wer hat die meisten Punkte erzielt? Unwichtig. Wer war der Spieler des Spiels? Alle - oder keiner.

Das Einzige, was wirklich zählt, ist der Sieg.

"Hätte lieber schlecht gespielt"

Nach seiner Playoff-Bestleistung (25 Punkte) in Spiel 3 sagte Garnett: "Mir wäre lieber gewesen, ich hätte so lausig gespielt wie in Spiel 2 - wenn wir dafür gewonnen hätten."

In den 17 Playoff-Spielen, die der Rekordmeister bis zum Finale bestritten hatte, gab es bei den Celtics niemals den gleichen Topscorer in zwei aufeinanderfolgenden Spielen.

Dieser Team-Spirit erlaubt es Boston trotz erhöhtem Alters weiterhin mit den Top-Teams der NBA zu konkurrieren.

Bankspieler entscheiden Spiel 4

Einen Beleg für seine Ausgeglichenheit lieferte der Champion von 2008 in Spiel 4 gegen die Los Angeles Lakers ab.

Während die Starter Garnett, Pierce, Rondo und Kendrick Perkins auf der Bank Platz nahmen, sorgten mit Glen Davis, Nate Robinson, Tony Allen und Rasheed Wallace vier Reservisten für die Entscheidung.

In den neun Minuten, die sie im Schlussabschnitt auf dem Parkett standen, fegten Davis und Co. mit 25:17 über die Lakers - inklusive Kobe Bryant und Pau Gasol - hinweg.

"Dafür liebe ich Kevin Garnett

Die Star-Spieler waren über die willkommene Pause mehr als erfreut.

"Rondo und die anderen bettelten darum, dass ich sie auf dem Feld lasse", sagte Coach Doc Rivers.

Und mit der gleichen Intensität, mit der die Reserve auf dem Court für Furore sorgte, wurde sie von den "Bankspielern" angefeuert.

"Denkt mal drüber nach", sagte Tony Allen: "Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn Kevin Garnett zu einem Arbeiter wie mir sagt: 'Gut gemacht, weiter so!' Dafür liebe ich Kevin Garnett."

"Kämpfen, kämpfen, kämpfen"

In der Umkleidekabine versammelte Garnett dann noch einmal die gesamte Mannschaft in einem Kreis.

"Es ist, als wären wir in einer fremden Neighbourhood", rief er seinen Mitspielern zu: "Wir müssen kämpfen, kämpfen, kämpfen, um da hinauszukommen.

Allen hat's kapiert

Die Team-Kollegen wussten genau, was ihr "Emotional-Leader" mit der Straßenkampf-Referenz sagen wollte.

"KG meint, dass wir alles geben müssen, dass es uns alles abverlangen wird, unser großes Ziel zu erreichen", sagte Tony Allen:

"Er macht so etwas, um uns zum Grübeln zu bringen. Damit wir denken: 'Ah, er meint uns alle.'"

Mit dieser Einstellung sollte auch in Spiel 5 der NBA-Finals (Mo., ab 2.00 Uhr LIVESCORES) einiges drin sein.

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