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Kobe Bryant war in seiner Karriere zwölfmal im All-Star-Team der NBA © getty

Los Angeles ist vor Spiel sechs gegen Boston formell im Soll, aber nur zwei Teams haben in ihrer Situation je den Titel geholt.

Von Martin Hoffmann

Los Angeles/München - Rein formell betrachtet, sind die Los Angeles Lakers im Soll.

Sie haben im NBA-Finale gegen die Boston Celtics zwei Heim- und drei Auswärtsspiele hinter sich. Zwei Partien haben sie gewonnen, drei verloren - und jetzt noch Spiel sechs (ab 3 Uhr LIVESCORES) und sieben im Staples Center übrig, um den Titel einzusacken245000 (DIASHOW: Die Bilder der Finals).

"Wir liegen zurück, spielen zu Hause, gewinnen und gehen ins nächste Heimspiel. So einfach ist das", fasst Lakers-Superstar Kobe Bryant die Lage zusammen (DATENCENTER: NBA-Finals).

Dass es so einfach eben nicht ist, zeigt ein Blick in die Historie: Sechs Teams sind seit der Einführung des 2-3-2-Formats mit einem 2:3-Rückstand in die letzten beiden Heimspiele gegangen. Geholt haben den Titel nur zwei davon.

Vier Teams hielten dem Druck nicht stand

Das erste Team, das trotz des Heimvorteils unter der Last des Rückstand zusammenbrach, waren 1985 die Celtics in einer Finalserie gegen die Lakers - und das obwohl sie mit dem vernichtenden "Memorial Day Massacre" in die Serie gestartet waren 244570(DIASHOW: Eine geschichtsträchtige Rivalität).

Danach hielten Phoenix (1993 gegen Chicago), Utah (1998 gegen Chicago) und Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks (2006 gegen Miami) dem Druck nicht stand.

Erfolgreich zurück kämpften sich nach dem 2:3-Rückstand zu Hause nur Houston 1994 gegen New York - mit Celtics-Coach Doc Rivers als verletztem, hilflosem Zuschauer - und 1988 die Lakers gegen Detroit.

Neue Situation für Jackson und Bryant

Für die Lakers von 2010 ist die spezielle Drucksituation ein Novum - auch für die Vorzeigefiguren, die schon gefühlt alles mitgemacht haben in der NBA.

Für Bryant ist die Erfahrung neu, ebenso für das lebende Trainerdenkmal Phil Jackson. Beide standen in ihrer illustren Karriere auch noch nie in einem Finalspiel 7 - das sie nun erzwingen müssen.

Beide haben also die ungeahnte Gelegenheit, ihr reichhaltiges sportliches Vermächtnis noch mit einer neuen Errungenschaft anzureichern.

Betont gelassener "Zen-Meister"

Für Bryant ist es der fünfte Titel, der auf dem Spiel steht - er könnte mit Lakers-Ikone Magic Johnson gleichziehen.

"Zen-Meister" Jackson, der sich noch nicht festgelegt hat, ob er seinen jährlich auslaufenden Vertrag diesmal verlängert, peilt Titel Nummer elf an.

Und beide geben sich vor ihrer gemeinsamen Mission betont gelassen. Wie Bryant versucht auch Jackson, die aktuelle Lage als banale Normalität hinzustellen:

"Boston ist nach Hause gekommen und hat eine 3:2-Führung zurückgebracht. Und jetzt kommen wir nach Hause, um zu gewinnen. So soll es doch sein, oder?"245030 (DIASHOW: Die Prominenz beim Finale)

Teamkollegen nicht stark genug

Um das ganz normale Stückchen Geschichte zu schreiben, herrscht Steigerungsbedarf bei den Lakers.

Bei der 86:92-Niederlage in Spiel fünf glänzte Bryant zwar mit 38 Zählern, aber außer Pau Gasol punktete sonst niemand zweistellig - und auch der spanische Forward blieb mit zwölf Zählern unter Normalform.

Unterdurchschnittlich agierten auch Bryants übrige Kollegen: Der von Knieproblemen geplagte Center Andrew Bynum pflückte nur einen Rebound.

Spott für Artest

Der sechste Mann Lamar Odom blieb wie in der ganzen Serie (7,6 Punkte und 5,8 Rebounds) unter seinen Möglichkeiten.

Und Ron Artests denkwürdigste Aktion war eine bühnenreife, kleine Stolper-Einlage nach einem Schubser des eher schmächtigen Celtics-Spielmachers Rajon Rondo.

"So stark bin ich eigentlich nicht", amüsierte sich Rondo hinterher über Artests fehlende Standfestigkeit (Rondo im SPORT1-Portrait).

"...dann würden sie den Titel nicht verdienen"

Und die Celtics kündigten an, in L.A. noch robuster auftreten zu wollen: "Es wird das wohl härteste Spiel der Serie, wenn nicht der Saison - wenn nicht der Karriere aller."

Bryant wird also auf mehr Kooperation seiner Nebenleute angewiesen sein. Folglich wollte ein Journalist von ihm auch wissen, ob er den Teamgefährten vor dem sechsten Spiel noch etwas mit auf den Weg geben würde.

"Was zur Hölle soll ich ihnen groß sagen?", antwortete Bryant gereizt: "Wenn ich ihnen jetzt etwas sagen müsste, dann würden sie den Titel nicht verdienen."

Er wollte den Teamkollegen also keine Botschaft geben. Und gab ihnen dabei doch eine überdeutliche.

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