vergrößernverkleinern
Dirk Nowitzki wurde in zwölf NBA-Jahren neunmal für das All-Star Game nominiert © getty

Erstmals darf sich Dirk Nowitzki sein NBA-Team aussuchen. Ein 100-Millionen-Vertrag ist tabu, nicht aber eine seltene Klausel.

Von Michael Spandern

München - Wenn Dirk Nowitzki am Donnerstag in Würzburg länger als bis 6 Uhr schläft, wacht er erstmals seit 1998 nicht als Maverick auf und darf sich erstmals in seinem Leben sein NBA-Team frei aussuchen.

Nachdem All-Star Steve Nash 2004 als bedingter Free Agent abwanderte, haben die Dallas Mavericks nun keine Chance, den Weggang ihrer Gallionsfigur gegen deren Willen abzuwenden.

Nachdem Nowitzki den Texanern seine Entscheidung, die Ausstiegsoption zu ziehen, am Dienstag einen Tag vor Fristende per Fax mitteilte, wird er zum Free Agent und damit zur heiß begehrten Sommer-Ware.

Jagdsaison im Frankenland

Doch die Mavericks sind optimistisch, dass ihr ruhmreichster Spieler aller Zeiten bleibt. Gleichzeitig wissen sie, dass sie dafür etwas tun müssen.

"Ich habe die Absicht, mich in ein Flugzeug zu setzen und mit Blumen und Schokolade nach Deutschland zu fliegen", erklärte Sportdirektor Donnie Nelson. Er wolle Nowitzki und dessen Mentor Holger Geschwindner "allen Respekt erweisen, den sie verdienen".

Die Wiederverpflichtung von Nowitzki habe "oberste Priorität", so Nelson. "Ich glaube, sein Herz ist in Dallas. Aber in diesem Geschäft lernt man, niemals nie zu sagen."

Angeblich sollen die Klub-Oberen Gerüchte gehört haben, dass auch andere Teams ihre Jäger ins Frankenland schicken.

Höchstens 96 Millionen in Aussicht

"ESPN" berichtet allerdings, dass keineswegs sicher sei, dass sich Nowitzki am 1. Juli nicht doch wieder in den USA aufhalte.

Wo auch immer: Sein wichtigstes Anliegen dürfte nicht sein, um die letzte Million zu feilschen. Angeblich bietet Dallas 86 Millionen Dollar, zehn weniger als das Maximum für vier Jahre.

Ein längerfristiger Vertrag wiederum darf dem 32-Jährigen nicht vorgelegt werden, da er bei dessen Ablauf älter als die Höchstgrenze von 36 Jahren wäre.

No-Trade-Klausel als Zugabe?

Attraktiv ist aber für Nowitzki, der sich in Dallas ausgesprochen wohl fühlt und dort seit Teenager-Tagen große Wertschätzung erfährt, eine Sonderklausel, die bislang nur Kobe Bryant hat.

Er könnte sich festschreiben lassen, dass die Mavs ihn nicht wegtauschen dürfen. Das ist nur bei Spielern erlaubt, die mindestens acht Jahre in der NBA und vier beim betreffenden Team sind.

"Es ist eine merkwürdige, seltsame Phase", sinniert Nelson. "Das Gute dran ist, das herauskommt, was für die Spieler wirklich wichtig ist ? sei es die Stadt, Geld oder Siegchancen."

Die Chancen auf einen Titelgewinn müssten die Mavs aber wohl steigern, um sich des Nowitzki-Verbleibs sicher zu sein. In den letzten vier Jahren scheiterten sie dreimal in der ersten, einmal in der zweiten Playoff-Runde.

Buhlen um die Top-Free-Agents

Doch der Platz unter der Gehaltsobergrenze ist knapp. Dallas hat nicht den Spielraum, neben Nowitzki einen der Top-Free-Agents unter Vertrag zu nehmen. 238139 (DIASHOW: Die heißesten Free Agents der NBA)

Ein Sign-and-Trade-Geschäft, bei dem das bisherige Team eines Chris Bosh, Dwyane Wade oder LeBron James mitspielt, müsste her.

Eine Team-nahe Quelle steckte den "Dallas Morning News", dass die Mavs an jedem einzelnen Interesse hat - keine Überraschung. Um Atlantas Joe Johnson zu sprechen, soll Besitzer Mark Cuban persönlich nach Los Angeles geflogen sein.

Kidd eine Attraktion

Ein Pfund, mit dem die Mavericks wuchern können, ist "ESPN" zufolge Jason Kidd. Viele Stars wünschten sich, mit dem 37-jährigen Point Guard in einem Team zu stehen, zumal nach dem Olympiasieg 2008.

Kidd, der noch in der vorigen Woche einen Nowitzki-Verbleib voraussagte, hat indes seine ganz eigene Meinung, warum Nowitzki die Ausstiegsoption gezogen hat: "Manchmal will man als Spieler spüren, dass man begehrt ist."

Zwar habe Nowitzki das in Dallas stets gespürt, "aber vielleicht ist dieser Zug ein seltsamer Weg, die Wertschätzung von anderen Teams zu erfahren. Er wird viel Aufmerksamkeit erhalten, aber wir alle spüren, dass er nirgendwo anders hingeht."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel