LeBron James wechselt nach Miami. SPORT1-Redakteur Roland Schekelinski fragt sich jedoch: Was soll das?

Die Begeisterung in Miami ist riesig. Das ist nur allzu verständlich. Klub-Boss Pat Riley stellt seinem Superstar Dwyane Wade nicht nur Chris Bosh sondern nun auch noch LeBron James an die Seite. Zumindest der Titel in der Eastern Conference scheint den Heat so gut wie sicher.

Den Klub-Verantwortlichen der Heat muss man ein dickes Kompliment für diesen Coup machen. Sie haben alles richtig gemacht. Die Chance, drei solch herausragende Spieler in einem Team auf Jahre hinweg zu vereinen, bietet sich in Anbetracht der Salary-Cap-Regelung nicht oft. Vielleicht ist diese Chance sogar einmalig. Miami hat sie genutzt.

Die Heat wollen in diesem Jahrzehnt eine Dynastie aufbauen. Gut möglich, dass ihnen das auch gelingt. Immerhin haben sie gleich drei Superstars, denen nur wenige Spieler in der NBA auf deren Position das Wasser reichen können.

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Nur: LeBron James wiederum verpasst dagegen eine andere einmalige Chance. An einem Scheideweg in seiner Karriere nimmt er an der Weggabelung den vermeintlich sicheren Weg zu seiner ersten NBA-Meisterschaft. Man könnte auch sagen, er entscheidet sich für den Weg des geringsten Widerstands.

Denn diese Frage sei erlaubt: Ist das wirklich der große Wurf für einen wie LeBron James? Macht man sich so als eines der größten Talente, die der Basketball-Sport je gesehen hat, unsterblich?

Man muss ja nicht gleich so austicken wie Dan Gilbert. Der Besitzer der Cleveland Cavaliers führt sich auf wie eine vor dem Traualtar sitzen gelassene Braut. Gilbert wirft dem scheidenden James einen großen Kübel Dreck hinterher. Er bezeichnet James als "feigen Verräter" und versteigt sich in die Aussage, dass die "Cavaliers den NBA-Titel gewinnen, bevor der ehemalige selbsternannte König" seine erste Meisterschaft unter Dach und Fach bringen wird.

Wahrscheinlich wird James seinen ehemaligen Boss eines Besseren belehren. Aber: Sollten die Heat in den kommenden Jahren eine Handvoll Titel holen - wo wäre da unter diesen Voraussetzungen das Besondere? Wo wäre da die außergewöhnliche Leistung eines Superstars zu erkennen?

Einen Michael Jordan - und unter diesem Vergleich kann man es nicht machen, wenn sich schon einer als "König" sieht - hat nicht nur ausgezeichnet, was er mit dem Ball so alles angestellt hat. Jordan hat seine Mitspieler auf ein höheres Level gehievt und mit einem mittelmäßigen Team, und das wären die Chicago Bulls - abgesehen von Scottie Pippen - ohne ihn gewesen, in den 1990er Jahren sechs Titel geholt.

Sollte James in Miami tatsächlich auf eine ähnlich stattliche Anzahl von Meisterschaften kommen, welche Karriere-Leistung wäre dann höher zu bewerten? Eine wirkliche "Story", seine eigene große Geschichte also, hätte James schreiben können, wenn er zum Beispiel zu den New York Knicks gewechselt wäre. Die haben 1973 ihren letzten NBA-Titel gewonnen. Dort hätte James beweisen können - und bei seinem eigenen Anspruch auch müssen - zu was er fähig ist.

Bevor "King James" auch nur einen Ball als Heat-Spieler in die Hand genommen hat, verliert seine Krone schon an Glanz - und mindestens eine Zacke ist ihm dabei aus derselbigen gebrochen.

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