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LeBron James wurde bei der Präsentation in Miami von13.000 Fans gefeiert © getty

Nach seinem Wechsel zu den Heat macht sich LeBron James außerhalb von Miami zum Buhmann. Viele sprechen von einem Offenbarungseid.

Von Michael Spandern

München - Die große Party stieg in der American Airlines Arena, wo rund 13.000 Heat-Fans ihrem neuen Triumvirat zujubelten, als es auf dem Laufsteg Volksnähe suchte.

Seit LeBron James am Donnerstagabend seinen Wechsel zum Meister von 2006 bekannt gab, dem einen Tag zuvor bereits seine Free-Agent-Kollegen Dwyane Wade und Chris Bosh ihre Zusage gegeben hatten, herrscht Euphorie in Miami.

Doch andernorts erntet "King" James für seine Entscheidung harsche Kritik. Fans und Experten legen dem erneuten MVP zur Last, dass er seiner Heimat Ohio den Rücken gekehrt und den vermeintlich leichtesten Weg zum Titel eingeschlagen hat.

"Wir hätten ihn auf den Mount Rushmore gestellt"

"Ich dachte, er habe mehr von einem Wettkämpfer", wunderte sich Otis Smith, General Manager der Orlando Magic, einem der Teams, das nicht um James gebuhlt hatte.

Und für den "TNT"-Experten Reggie Miller, der in seinen 18 Jahren bei den Indiana Pacers fünfmal All-Star, aber nie Champion war, ist für James nun kein Platz mehr im Olymp.

"Können wir ihn in einem Atemzug nennen mit Michael Jordan, der die Bulls nie verlassen hat, Larry Bird, der die Celtics nie verlassen hat, oder Magic Johnson, der mit den Lakers fünf Titel holte? Nein. Wäre er in Cleveland gebleiben und dort Meister geworden, hätten wir ihn auf den Mount Rushmore gestellt."246607(DIASHOW: Die NBA-Wechselbörse)

"Nicht mal mit Bryant auf einer Stufe"

Chris Webber, ebenfalls trotz fünf All-Star-Berufungen ohne Titel, ergänzte: "Ich werde ihn nie mit Jordan in einem Satz nennen."

"LeBron wird niemals so ein Kerl sein", ergänzte Charles Barkley, "ich wünschte, er hätte das wenigstens versucht."

Mitch Lawrence, Kolumnist der New Yorker Zeitung "Daily News", meint daher, James habe sich "erniedrigt" und einen sportlichen Offenbarungseid geleistet: "James hat quasi das Handtuch geworfen und gesagt: 'Ich gebe auf, ich kann kein Team zum Titel führen.' Er steht nicht mal mit Kobe Bryant auf einer Stufe."

"Die neue dunkle Macht"

Dafür, dass er den New Yorker Fans das Herz gebrochen habe, verdiene der "King" einen neuen Rufnamen, "König der Nieten", schlägt Lawrence Kollegin Meena Hartenstein vor.

Harvey Araton von den "New York Times" bezeichnet die Heat als "die neue dunkle Macht": Wer würde diesem Team mit drei Superstars zujubeln und es nicht lieber verlieren sehen? 261250(DIASHOW: Die legendärsten Dreigestirne)

"Wäre James in seiner Heimat geblieben, hätte er als der Loyale die ganze Nation hinter sich gehabt. Nun aber ist er der Antiheld."

Und der Boulevard fährt schwereres Geschütz auf: Die "New York Post" nennt James "LeBum" (der Faulpelz) und "Son Of A Beach".

"Mit Ja-Sagern umgeben"

"LeBron steht nun weder royal noch loyal da", folgert Bill Plaschke in den "Los Angeles Times".

Und Michael Rosenberg, Kolumnist der "Sports Illustrated", sagt voraus, dass der Druck auf James nun noch größer wird: "Er hat sich von der Welt abgekapselt und mit Ja-Sagern umgeben. Er hat keine Ahnung, welchen Rückstoß er damit auslöst."

Rosenberg spielt damit auch auf die pompöse Inszenierung seiner Entscheidung für Miami an, für die James eine einstündige TV-Show bekommen hatte.

"Man braucht keine Mensa-Karte"

Bereits während der Sendung war James dazu übergegangen, seine Wahl zu verteidigen. Immer wieder betonte er, es gehe ihm nur ums Gewinnen.

In Miami hat man dafür Verständnis: "Wenn die eine Alternative Dwyane Wade, Chris Bosh und das Leben am Strand und die andere weit schlechtere Mitspieler und das Wohnen in Cleveland ist, braucht man keine Mensa-Karte, um die gleiche Entscheidung wie James zu treffen", schreibt Greg Cote im "Miami Herald".

Die Mensa-Karte verwendet Cote als Symbol für die Bescheinigung sportlicher Hochbegabung. Die besitzt James unzweifelhaft.

In der gleichen Zeitung lobt Kolumnist Dan Le Batard James für den Mut, sein Ego hinten anzustellen. "Mit wenigen Worten und einer Unterschrift ist er vom meistgeliebten Menschen in Ohios Geschichte zum meistverachteten geworden. Das war tapfer. Das Gewinnen steht bei ihm über allem."

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