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Tyson Chandler begann seine NBA-Karriere 2001 bei den Chicago Bulls © getty

Vor zwei Jahren zerstörte Tyson Chandler Dallas Hoffnungen in den Playoffs. Nun soll der Neuzugang das fehlende Puzzleteil sein.

Von Rainer Nachtwey

München/Dallas - Etwas mehr als zwei Jahre ist es her, dass die Dallas Mavericks in der ersten Playoff-Runde mit 1:4 an den New Orleans Hornets scheiterten.

Großen Anteil am damaligen Ausscheiden der Texaner hatte ein Spieler, der seit wenigen Tagen nun selbst ein Maverick ist: Tyson Chandler.

Zur Erinnerung: Der Center hatte in jenen fünf Spielen durchschnittlich 7,2 Punkte und 11,2 Rebounds erzielt.

Nicht nur den Mavericks-Fans sind seine krachenden Dunks nach den Lob-Pässen von Chris Paul noch allzu schlecht in Erinnerung.

Rebounden, passen, nach vorne rennen

"Als ich von dem Trade hörte, dachte ich als erstes an die Serie damals", sagt Chandler heute nach seinem Wechsel von den Charlotte Bobcats nach Dallas.

Statt auf die Pässe von Paul hofft der 2,16-Meter-Riese nun auf die Anspiele von Jason Kidd.

"Ich freue mich schon riesig, mit ihm zusammenzuspielen. Ich weiß, dass er seine großen Jungs gerne belohnt", meint er mit einem Schmunzeln.

Und Chandler fügt lachend hinzu: "Mit meinem Cousin habe ich schon geflachst: Alles, was ich machen werde, ist rebounden, Kidd den Ball geben und dann so schnell wie möglich nach vorne rennen."

Mit den Lakers mithalten

Wie auch immer: Mit Chandler hoffen General Manager Donnie Nelson und Besitzer Mark Cuban, endlich den "Big Man" gefunden zu haben, der ihnen hilft, gegen das Team mitzuhalten, das es zu schlagen gilt:

"Die Los Angeles Lakers, egal was da unten in Süd-Florida passiert", so Chandler.

Und weiter: "Wir haben gesehen, wie die Lakers Meister geworden sind. Da hat es sich wieder gezeigt, dass die Größe doch etwas ausmacht. Ich denke, dass ist es auch, was die Mavs meinen, wenn sie von 'Größe hinzufügen' sprechen."

Hervorragende Kombination

"Das ist ein großartiges Team. Ich freue mich, mit den Leuten, die sie letztes Jahr geholt haben, und mit denen, die schon hier waren, nun zusammenzuspielen", sagt Chandler über die Veränderungen im Mavericks-Kader seit dem Ausscheiden im April 2008.

"Das ist eine hervorragende Kombination", lobt der Center die Verpflichtungen von Shawn Marion, Caron Butler und Brendan Haywood. "Damit haben wir im Westen eine gute Chance."

Kein Problem mit Reserve-Rolle

Dabei ist Chandler in Dallas nur als zweiter Mann hinter Haywood eingeplant.

Mit seiner Rolle als Backup findet er sich jedoch gut zurecht. "Wir haben alle dasselbe Ziel. Daher habe ich kein Problem damit zurückzustecken", sagt er. "Wenn du deine Leistung bringst, findet der Trainer einen Platz für dich."

An seine Leistungsvermögen - wie zu seiner Zeit in New Orleans 2008 - konnte er allerdings zuletzt nicht mehr anknüpfen.

"Glasmann" Chandler

Viele Blessuren zwangen den 27 Jahre alten Center zu Pausen, lediglich 96 Spiele bestritt er in den letzten beiden Spielzeiten. In Charlotte stand Chandler zuletzt denn auch nicht mehr in der Starting Five.

"Mir hat meine Explosivität gefehlt", erinnert sich Chandler an die Rückkehr aufs Parkett nach einer Fußverletzung. "Du musst dich bewegen können, ohne nachzudenken, ohne den Bruchteil einer Sekunde zu zögern. Das konnte ich damals nicht."

Trade fällt ins Wasser

Mittlerweile fühlt sich Chandler aber wieder zu 100 Prozent fit.

"Es ist der erste Sommer seit langer Zeit, in dem ich mich beschwerdefrei auf die Saison vorbereiten kann. Zwei Wochen nach dem Saisonende habe ich bereits wieder mit dem Training begonnen."

Chandlers Verletzungsanfälligkeit ist es jedoch, die nach wie vor die Kritiker auf den Plan rufen.

Zumal Chandlers Trade im Februar 2009 von New Orleans zu den Oklahoma City Thunder gescheitert war, weil er den medizinischen Test nicht bestand.

Jefferson-Deal platzt

Daher gilt Chandler auch nur als Übergangslösung nach dem geplatzten Deal mit den Minnesota Timberwolves für Al Jefferson.

"Uns blieben nicht mehr viele Optionen", verriet eine Quelle aus der Mavericks-Organisation nach Chandlers Verpflichtung. 246607(DIASHOW: Die NBA-Wechselbörse)

Zur Erklärung: Jefferson hätte den Mavs den Low-Post-Scorer gegeben, der ihnen schon seit Jahren fehlt. Und Nowitzki hätte von dem bulligen Center besonders profitiert, hätte mehr vom Korb wegziehen können.

Der bessere Verteidiger

Allerdings war Mavs-Klub-Chef Mark Cuban nicht bereit, die Zukunft der Mavericks (zwei Erstrunden-Picks) für Jefferson zu opfern.

Zumal Jefferson nicht unbedingt in den "Up-Tempo"-Spielstil von Headcoach Rick Carlisle passt und er nicht als der beste Verteidiger gilt.

Zwei Argumente, die nun klar für Chandler sprechen: Bei den Hornets war er Teil von Byron Scotts Tempospiel, harmonierte mit Chris Paul und war "der Anker in der Verteidigung".

Hoffnung auf "Contract-Year"-Effekt

Und Chandler hat ein weiteres Plus auf seiner Seite: Sein Kontrakt endet nach der kommenden Saison.

Zusammen mit Caron Butler, DeShawn Stevenson und J.J. Barea, deren Verträge ebenfalls auslaufen, bietet er den Mavericks einen idealen Tauschwert, um bis zur Trading Deadline möglicherweise doch noch einen großen Kracher nach Texas zu locken.

Zudem hoffen die Mavs auf den sogenannten "Contract-Year"-Effekt, eine Leistungssteigerung oder zumindest eine Rückkehr zu der Leistung, die er 2008 gegen die Mavs zeigte.

Harte Defense

Die Fans hatten ihn damals wegen seiner harten Defense und seiner spektakulären Dunkings nach den Alley-Oop-Anspielen gehasst.

Heute dürften sie ihn dafür lieben.

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