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Dirk Nowitzki spielt seit 1998 für die Dallas Mavericks in der NBA © imago

Bei SPORT1 spricht Dirk Nowitzki über die Transferaktivitäten, die Zukunft der Mavs und wer für ihn der beste Basketballer ist.

Von Felix Schwadorf

Berlin - Einen Stern hat er nun, direkt vor dem Hauptgebäude seines Ausrüsters in Berlin. Doch was ihm fehlt, ist immer noch der Meisterschaftsring.

Es bleibt der große Traum von Dirk Nowitzki. Und trotz des Aufrüstens der Miami Heat mit LeBron James und Chris Bosh sowie der Vertragsverlängerung von Dwyane Wade glaubt der Würzburger fest daran, dies mit den Mavericks erreichen zu können.

"Die Situation in Dallas ist nach wie vor sehr gut", sagt der 32 Jahre alte Power Forward bei SPORT1, "Ich wäre nur gewechselt, wenn es eine unglaubliche Situation gewesen wäre. Wenn jetzt z.B. LeBron und Wade mich gefragt hätten: 'Pass mal auf, kommst du nach Miami?' Da hätte ich scharf überlegen müssen."

Im Interview mit SPORT1 spricht Deutschlands Ausnahme-Basketballer über die Transferaktivitäten, die Zukunft der Mavericks und wer für ihn der beste Basketballer ist.

SPORT1: Herr Nowitzki, was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie bei den Mavericks verlängert haben?

Dirk Nowitzki: Es gab zwar ein paar Angebote, aber eigentlich wollte ich von Anfang an in Dallas bleiben. Wenn ich weggegangen wäre, dann hätte es schon eine unglaubliche Situation sein müssen. Zum Beispiel mit LeBron irgendwo hinzugehen oder eben mit Wade. Aber selbst dann hätte ich überlegen müssen, ob ich Dallas verlasse. Es hat sich keine wirkliche Super-Option ergeben. Deshalb werde ich in Dallas die nächsten vier Jahre verbringen. Ich fühle mich hier sehr wohl, das Umfeld stimmt einfach.

SPORT1: Was wären Ihre Optionen neben den Mavericks gewesen?

Nowitzki: Es hätte keinen Sinn gemacht zu einer Mannschaft zu gehen, die drei, vier Leute unter Vertrag hat und bei der ich dasselbe vorfinde wie in Dallas. Zum Beispiel nach Chicago zu gehen und mich in einer Situation zu befinden, in der ich mich auch in Dallas befinde, macht keinen Sinn - da bleibe ich lieber in Dallas. Ich wäre nur gewechselt, wenn es eine unglaubliche Situation gewesen wäre. Wenn jetzt z.B. LeBron und Wade mich gefragt hätten: "Pass mal auf, kommst du nach Miami?" Da hätte ich scharf überlegen müssen.

SPORT1: Hätten Sie gerne mit LeBron James oder Dwyane Wade zusammengespielt?

Nowitzki: LeBron oder Wade wäre natürlich nicht schlecht gewesen. Auch in der Reihenfolge - ich würde da LeBron bevorzugen. Kobe Bryant ist für mich nach wie vor der beste Spieler der Welt, aber der ist ja so alt wie ich. Mittlerweile ist er auch fast 32 und spielt schon 14 Jahre in der NBA. LeBron ist ja erst 25 - der kommt erst richtig in seine beste Zeit hinein. Wenn man eine neue Mannschaft aufbaut, dann muss man LeBron nehmen.

SPORT1: Miami hat zu Dwyane Wade LeBron James und Chris Bosh verpflichtet. Braucht man heutzutage drei Superstars für den Titel? 261250(DIASHOW: Die legendärsten Dreigestirne)

Nowitzki: Die Zeiten haben sich schon geändert. Wie viele unglaubliche Spieler L.A. angesammelt hat, zeigt, dass es nicht mehr möglich ist, alleine eine Meisterschaft zu gewinnen. Dass Miami gleich drei Leute holt ist schon Wahnsinn, aber du brauchst mindestens zwei Superstars. Das hat auch die Vergangenheit gezeigt. Boston hat vor den Lakers gewonnen. Die Celtics haben zu Pierce auch zwei Spieler mit Allen und Garnett geholt. Um ganz oben mitzuspielen brauchst du einfach mehrere Superstars. Von daher kann man Miami nur gratulieren.

SPORT1: Wie haben Sie die Kritik von Michael Jordan und Magic Johnson an LeBron James aufgenommen?

Nowitzki: Ich habe es gelesen. Da haben sie wahrscheinlich auch recht - auf ihre Zeit bezogen. Aber heutzutage ist die Liga einfach so stark, dass man so viel Talent braucht, um am Schluss zu gewinnen.

SPORT1: Wie haben Sie den Rummel vor LeBron James' Entscheidung erlebt?

Nowitzki: Das war der absolute Wahnsinn. Da war überall die Hölle los. Im Internet gab es ständige Updates zu den Gerüchten. Das war auch eine komische Zeit für mich.

SPORT1: Sind die Heat jetzt der absolute Titelfavorit?

Nowitzki: Natürlich, sie sind über Nacht von einer normalen Playoff-Mannschaft zu einem der Hauptfavoriten geworden. Da muss man Miami wirklich gratulieren, dass sie so viel Geld unter dem Cap zur Verfügung hatten. Es ist schon Wahnsinn, was Miami da gemacht hat mit LeBron, Wade und Bosh. Alle in einer Mannschaft.

SPORT1: Wie sehen Sie dadurch die Titelchancen der Mavericks? 226196(DIASHOW: Nowitzkis unvollendeter Traum)

Nowitzki: Ich hoffe, dass wir uns mit der Meisterschaft endlich den Traum erfüllen. 2006 waren wir ganz nah dran, die letzten Jahre allerdings nicht mehr. Ich glaube aber, dass wir in den nächsten vier Jahren wieder was auf die Beine stellen, um ganz oben dabei zu sein.

SPORT1: Wie beurteilen Sie die Transferaktivitäten der Mavericks? 246607(DIASHOW: Die NBA-Wechselbörse)

Nowitzki: Mein Plan war, dass wir noch einen Free-Agent nach Dallas holen können. Wir haben ja auch ein bisschen mit LeBron oder Wade spekuliert. Von daher war das für uns ein bisschen enttäuschend. Wir haben gehofft, dass wir einen von den großen Namen angeln können. Dem war leider nicht so.

SPORT1: Statt James und Wade kam dafür Tyson Chandler?

Nowitzki: Das ist eine Verstärkung auf der Center-Postion. Er ist ein guter und beweglicher Center, kann gut abschließen. Er wird uns weiterhelfen. Aber Mark (Cuban, Besitzer der Dallas Mavericks, Anm. d. Red.) und Donnie Nelson (General Manager) werden weiter versuchen, Deals zu tätigen und Spieler zu holen. Bis zur Trading Deadline kannst du ja weitere Spieler holen und ich denke, dass wir da auch in diesem Jahr wieder aktiv sein werden. Weil Mark versucht die Mannschaft immer weiter zu verbessern, bis wir ganz oben stehen. Das war mir auch wichtig, von Mark zu hören, dass er alles daran legen wird, um Meister zu werden.

SPORT1: Ein weiterer Neuzugang ist Rookie Dominique Jones. Was halten Sie von ihm?

Nowitzki: Ich habe bisher nur gute Sachen gehört. Als ich vor ein paar Wochen in Dallas war, haben sie gerade für die Summer League trainiert, und ich habe kurz zugeschaut. Er ist ein sehr explosiver Mann, der am Korb abschließen kann, der Körperkontakt sucht und in die Zone reingeht.

SPORT1: Trauen Sie ihm eine ähnliche Leistung wie Rodrigue Beaubois in der letzten Saison zu?

Nowitzki: Es sind beides Jungs, die sehr viel Potenzial haben. Da haben wir echt Glück gehabt. Der Roddy hat letztes Jahr, wenn er reinkam, gezeigt, was er kann. Ein sehr explosiver Spieler in der Offensive, kann gut werfen aber auch gut durchziehen. Ist athletisch, kann am Korb auch gegen größere Leute abschließen. Bei ihm liegt auch so ein bisschen die Zukunft und auch die Hoffnung.

SPORT1: Kann er in die Fußstapfen von Jason Kidd treten?

Nowitzki: Da testen wir gerade aus. Seine besten Spiele hat er letzte Saison gemacht, wenn er neben dem Kidd gespielt hatte. Also, wenn er nicht selbst den Ball vorbringen musste, sondern die Freiheit hatte, zu schießen und durchzuziehen, wann er will. Als Aufbauspieler ist das natürlich etwas anders, da musst du das Spiel ein bisschen mehr lenken, und dass kann Kidd besser als jeder andere. Kidd ist ein Hall-of-Famer. Aber wir wissen natürlich alle, dass Kidd bereits 37 ist und irgendwann ein jüngerer Spieler nachkommen muss. Es wird sich so langsam zeigen, ob der Roddy das kann oder nur ein explosiver Scorer ist. Das Potenzial dazu hat er auf jeden Fall.

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