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Ab sofort Teamkollegen: Kevin Garnett (l.) und Shaquille O'Neal © getty

Der 38 Jahre alte Star-Center heuert bei den Boston Celtics an - und macht den Vize-Meister damit endgültig zur Rentner-Gang.

Von Martin Hoffmann

München - Eines der ersten Dinge, über die sich Shaquille O'Neal in Boston freuen darf, ist ein neuer Spitzname.

Auf der Internetseite von "ESPN" können die Fans nach Shaqs Wechsel zu den Celtics schon über einen neuen, zur Klub-Folklore passenden Kosenamen für Shaq abstimmen.

Vor "The Shamroq", "St. Shaqtrick" und "The Green Monster" führt "The Big Leprechaun".

Der große Kobold also, der die Celtics möglichst auch zum Goldtopf am Ende des Regenbogens führen soll: den NBA-Titel 76464(DIASHOW: Shaqs beste Sprüche).

Gewaltige Abstriche

"Ich kann es nicht abwarten, nach Boston zu kommen und die Jagd nach einem weiteren Titel aufzunehmen", kündigte der Star-Center nach Bekanntgabe seiner Unterschrift beim großen Rivalen seines Ex-Klubs L.A. Lakers an 246607(DIASHOW: Die NBA-Wechselbörse).

Lukrativ ist die für den 38 Jahre alten Free Agent nicht mehr - zumindest an früheren Verhältnissen gemessen: Die 20 Millionen Dollar Jahresgehalt, die er zuletzt in Cleveland kassiert hatte, sind nicht mehr annähernd drin gewesen.

Laut Medienberichten bekommt er in seinen zwei Jahren in Boston das vorgeschriebene Mindestgehalt für NBA-Veteranen, insgesamt rund drei Millionen Dollar.

Großer Wunsch erfüllt

Shaq hat dafür aber doch noch seinen großen Wunsch erfüllt bekommen, bei einem Team mit Meisterschafts-Ambitionen unterzukommen - was sein vorheriger Klub ohne LeBron James nicht mehr ist.

Zuletzt sah es nicht mehr danach aus: Diverse Klubs, bei denen Shaq im Gespräch war - unter anderem Dallas -, holten andere Big Men.

O'Neal soll daher sogar seine Fühler in Richtung Europa ausgestreckt haben.

"Wirklich gutes Puzzleteil"

Die Celtics aber haben nun zugegriffen. Sie hatten auf Shaqs Position zwar schon Namensvetter Jermaine O'Neal, einen sechsmaligen All-Star in etwas besserem Alter, verpflichtet.

Allerdings hatte der Meister von 2008 noch mehr Bedarf, weil Kendrick Perkins nach einer Knie-OP noch bis Anfang 2011 ausfallen wird.

"Einen Spieler von Shaquilles Kaliber kriegt man nicht jeden Tag", meint Manager Danny Ainge. Coach Doc Rivers sieht Shaq als "wirklich gutes Puzzleteil", der "eine Lücke im Team" fülle.

Schlechteste Saison der Karriere

Auf seine alten Tage ist der einstige Liga-MVP tatsächlich nicht mehr als das: ein ergänzendes Puzzleteil.

O'Neal hat die schwächste Saison seiner Laufbahn hinter sich: Seine Statistiken von 12,0 Punkten, 6,7 Rebounds und 1,2 Blocks liegen weit unter seinem Karriere-Durchschnitt (24,1 - 11,0 - 2,3).

Shaq kann zwar immer noch auf seine machtvolle Präsenz zählen, aber er ist langsam und in der Verteidigung gegen schnelle Spielzüge wie Pick--Roll-Angriffe uneffektiv.

Endgültig eine "Rentner-Gang"

Eingebettet in ein funktionierendes Kollektiv ist Shaq aber immer noch eine Hilfe - und das ist Boston, der knapp unterlegene Finalverlierer.

Die Verpflichtung von O'Neal verpasst Boston allerdings endgültig das Etikett als "Rentner-Gang".

Abgesehen von Spielmacher Rajon Rondo sind nun alle Schlüsselspieler Ü-30er: Paul Pierce ist 32, Kevin Garnett 34, Ray Allen 35 - und auch Jermaine O'Neal ist schon bei 31 Lenzen.

Noch zwei Jahre mit der alten Garde

Bis auf Pierce, der noch vier Spielzeiten gebunden ist, haben alle Bostoner Veteranen noch einen Vertrag über zwei Jahre.

So lange wird Boston noch mit der alten Garde auf Titeljagd gehen, ehe der große Umbruch folgen wird.

Die Beobachter fragen sich allerdings, ob das "wandelnde Basketball-Museum" ("Boston Globe") das hohe Niveau der Vorsaison bis dahin wird halten können.

"Polstersessel mit Fußkissen"

Bis Perkins wieder fit sei, würden die Celtics "älter, langsamer und softer" sein als die Altrocker von "Three Dog Night", unkt der "Boston Herald".

Und der "Globe" stellt sich schon auf die zu erwartenden Witze ein.

Zum Beispiel: "Die Celtics brauchen keine Ersatzbank mehr, sondern eine Couch. Oder nein, besser: Polstersessel mit Fußkissen."

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