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Dirk Nowitzki steht seit 2002 jedes Jahr im All-Star-Team der NBA © imago

Dallas hat seinen Kader nur punktuell verstärkt - und sieht sich trotzdem als titelreif. Der größte Einschnitt kommt von innen.

Von Martin Hoffmann

München - Die Dallas Mavericks haben eine Krankheit.

Zumindest laut der Diagnose des texanischen "Star Telegram", das bei Dirk Nowitzki und Co. das "Milwaukee-Bucks-Syndrom" ausgemacht hat.

Weil die Mavericks der Nowitzki-Ära an besagtes Team in den Achtzigern erinnert: Ein Team, das konstant zu den besten der Liga gehörte - aber nie gut genug war für den Titel.

Und die wenigsten trauen den in die Jahre kommenden Mavericks noch zu, ihre Krankheit in der neuen Saison zu besiegen (DATENCENTER: Der Spielplan der Mavericks).

Die Sehnsucht nach der Korrektur

Nowitzki tut es. Er hat im Sommer die Gelegenheit, als Free Agent zu einem anderen Team zu gehen, verstreichen lassen und sich für vier weitere Jahre an sein Team gebunden.

"Dirkules" will in der neuen Saison nach eigenen Worten "korrigieren, was wir 2006 nicht geschafft haben": Das NBA-Finale zu gewinnen.

Seit der Endspielpleite gegen Miami sind die Mavericks bei drei von vier Anläufen in der ersten Playoff-Runde ausgeschieden - auch in der vergangenen Saison gegen San Antonio.

"Die größte Kadertiefe - bei weitem!"

Groß umgebaut worden ist der Kader 301844(DIASHOW: Die Mavericks 2010/11 in Bildern) seitdem nicht - sanfte Veränderungen statt Radikalkur war nolens volens die Devise. Trotzdem glaubt Mavericks-Besitzer Mark Cuban, dass sein Team Meister Los Angeles herausfordern kann (Vorschau Southwest Division).

Vor allem aus einem Grund: "Wir haben die größte Kadertiefe in der NBA - bei weitem!"

Cuban setzt also neben seinem Herzstück Nowitzki auf die Qualität in der Breite, die er durch die Akquisitionen im Sommer noch weiter gestärkt sieht.

Hoffnungsträger Chandler

Prominentester Neuzugang bei Dallas ist Weltmeister-Center Tyson Chandler, den die Mavericks in einem Trade mit Charlotte gegen Erick Dampier eingetauscht haben (der dann von den Bobcats abgegeben wurde).

Es herrscht weitgehende Einigkeit, dass sich Dallas mit Chandler verbessert hat: Er ist größer (2,16 Meter) und konstanter als Dampier und ein zuverlässiger Rebounder (Karriere-Schnitt: 8,8).

Chandler ist zuletzt aber immer häufiger von Verletzungen geplagt worden, sein Einsatz beim Saisonstart gegen den Ex-Klub in der Nacht zum Donnerstag (ab 2.30 Uhr LIVESCORES) steht wegen einer Risswunde am Daumen in Frage.

Chandler wird mit Brendan Haywood um Spielzeit streiten, die Starter-Rolle wird aber aller Voraussicht nach Haywood bekommen.

Ein Rookie mit Potenzial

Ein viel versprechender Neuling ist auch der offensivstarke Rookie-Guard Dominique Jones - an Position 25 von Memphis gedraftet, von Carlisle aber höher eingeschätzt.

In seiner letzten College-Saison sammelte "DoJo" im Schnitt 21,4 Punkte und 6,1 Rebounds und hat in der Preseason konstant seine Spielzeit bei den Mavericks erhalten - wobei er auch dreimal zweistellig punktete.

Carlisle schätzt Jones' "Härte, seine Fähigkeit zu punkten und sein Gespür für das Offensivspiel".

Zusammen mit JJ Barea, Rodrigue Beaubois und DeShawn Stevenson bildet Jones ein starkes Paket junger Guards, das beste Voraussetzungen hat, den nicht jünger werdenden Spielmacher Jason Kidd (37) zu entlasten und zu ergänzen.

Einschnitt von innen

Die weiteren Neuzugänge Ian Mahinmi, Alexis Ajinca, Steve Novak und Brian Cardinal sind Ergänzungskräfte, der größte Einschnitt ins Teamgefüge kommt von innen heraus.

Carlisle plant nämlich, den pfeilschnellen Beaubois in seinem zweiten NBA-Jahr zum Starter zu befördern.

Der 22 Jahre alte Franzose soll als Shooting Guard beginnen, sobald er sich von seinem Fußbruch erholt hat - bis dahin wird wohl Jason Terry starten.

Von Beaubois, der dann der einzige Mavs-Starter unter 30 wäre, verspricht Nowitzkis sich viel: "ch denke, unsere Zukunft liegt in seinen Händen."

Ein All-Star muss auf die Bank

Caron Butler, der diese Position zuletzt innehatte, soll stattdessen wieder seine angestammte Rolle als Small Forward einnehmen - und wird mit Shawn Marion um den Startplatz konkurrieren.

Eine pikante Konstellation, denn Bankspieler waren die mehrmaligen All-Stars in ihrer Karriere bislang nie dauerhaft: Marion stand bei 805 seiner 820 NBA-Spiele in der Starting Five, Butler bei 527 von 560.

"Von der Bank zu kommen wäre für beide gewöhnungsbedürftig", weiß Carlisle: "Aber beide müssen verstehen, dass es darum geht, das Team bestmöglich aufzustellen."

Butler und Marion dürfen sich auch nicht zu sehr ineinander verbeißen: Denn Carlisle wird auf die beiden als Forward-Duo zählen, wenn Nowitzki sich auf der Bank erholt.

Kein starker Nowitzki-Backup

Ein Muss, denn außer Nowitzki gibt es keine tauglichen Power Forwards im Kader.

Und die von Cuban ins Spiel gebrachte Idee, dass Chandler als Nowitzki-Backup auf der Position spielen könnte, ist von Carlisle nicht weiterverfolgt worden.

Trotz dieser Schwachpunkte sieht Cuban die Mavericks gerüstet für die Titelmission. "Hell yes", ist seine Antwort auf die Frage, ob sein Team die Lakers herausfordern kann.

Den Worten müssen Taten folgen, um die "Milwaukee-Bucks-Krankheit" loszuwerden. Und zu verhindern, dass sie bald "Morbus Mavericks" heißt.

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