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Allen Iverson (r.) spielt seine 13. NBA-Saison, Chauncey Billups seine zwölfte © getty

Denver gewinnt, obwohl es in Iverson einen großen Korbjäger abgibt. Die Pistons haben ein Stück ihres Charakters veräußert.

Von Michael Spandern

München - Dieser Trade erschüttert die NBA in ihren Grundfesten: Allen Iverson, der in seiner Karriere mehr Punkte erzielt hat als jeder andere Akteur ohne Meisterschaftsring an den Händen, verlässt die Denver Nuggets und geht zu den Detroit Pistons.

Das schlagkräftigste Duo der Liga, Iverson und Carmelo Anthony, das 2007/08 durchschnittlich für 52,1 Punkte pro Spiel gut war, ist Geschichte.

Dennoch sind die "Goldstücke", die im Gegenzug Chauncey Billups, Antonio McDyess und den Center-Nobody Cheikh Samb erhielten, der Gewinner des Trades. Die Sport1.de-Analyse.

Die Denver Nuggets

Die Nuggets schafften in der Vorsaison als Achter mit Ach und Krach die Playoffs, obwohl ihre Hoffnungen weitaus höher waren. Schließlich nahmen Power Forward Anthony und Shooting Guard Iverson ihre erste komplette Spielzeit zusammen in Angriff.

Iverson war im Dezember 2006 von den Philadelphia 76ers, die den 1,83 kleinen Wirbelwind 1996 an erster Position im Draft ausgewählt hatten, u.a. für Spielmacher Andre Miller und Forward Joe Smith nach Denver abgegeben worden.

Iverson musste weniger Würfe erzwingen, prompt stieg seine Erfolgsquote. Doch die der Nuggets stagnierte bei knapp 60 Prozent.

Leader of the Pack

Das Problem war, dass sowohl Iverson als auch Anthony oft den Ball forderten. Der Guard war aus seiner Zeit bei den 76ers, mit denen er nach seiner MVP-Saison 2001 ins Finale vorstieß, noch mehr Verantwortung gewohnt.

Die Position des Point Guards, die wichtigste im modernen Basketball, war bei den Nuggets durch Iversons Ballverliebtheit auf der Position zwei entwertet, zumal Mitläufer wie Anthony Carter das Zepter nicht wirklich an sich reißen konnten.

Nun übernimmt mit Chauncey Billups ein echter Regisseur und Leader das Ruder, der nicht nur aus Denver kommt, sondern auch bewiesen hat, einen Haufen eckiger Typen auf ein Ziel einschwören zu können.

Wiedersehen mit Carlisle

"Mr. Big Shot" holte 2004 mit Ben und Rasheed Wallace den Titel, daher sollte er der Richtige sein, auch den skandalträchtigen Anthony, Kenyon Martin und den "Birdman" Chris Andersen voranzubringen.

Die Nuggets sind nun auch sportlich schlagkräftige "Bad Boys", die im Westen vielen Teams das Fürchten lehren werden.

Wie den Dallas Mavericks, die am Freitagabend zu Gast in der "Mile High City" sind.

Dann sieht Mavs-Coach Rick Carlisle seinen alten Schützling Billups wieder. "Seine Heimatstadt liegt ihm am Herzen", weiß Carlisle. "Über diesen Trade wird er sehr froh gewesen sein."

Bei McDyess erwarten die Experten hingegen, dass er kein Interesse hat, noch mal für seinen Ex-Klub aufzulaufen. Hier steht eine Vertragsauflösung ins Haus.

Die Detroit Pistons

Ben Wallace spielt längst andernorts, nun verlässt mit Billups der Finals-MVP des Meisters von 2004 die Pistons ? und mit ihm ein gutes Stück dessen Charakters.

"Wir spürten, dass es die richtige Zeit war, unser Team zu verändern", sagt Joe Dumars, President of Basketball Operations.

Doch ob Iverson die Verstärkung ist, die Dumars in ihm sieht, ist äußerst fraglich.

Schließlich nagt der Zahn der Zeit schneller am 33-Jährigen als an dem mehr als ein Jahr jüngeren Billups, da letzterer weniger auf seine Schnelligkeit angewiesen ist.

Vertragsende schon im Sommer

Seit Iverson 2005/06 mit 33 Punkten pro Spiel die Korbjägerkrone holte, sank sein Punkteschnitt in jedem Jahr.

Nun hat er mit Richard Hamilton, dessen Vertrag die Pistons am Montag um drei Jahre verlängerten, wieder jemanden an seiner Seite, der eher einen Vorbereiter als einen Punktesammler braucht.

Gut möglich aber, dass Iverson nur ein vorübergehender Zuschauermagnet ist, bis der Umbruch zur Gänze vollzogen wird. Billups hätte den Etat der Pistons noch bis 2011 belastet, der Vertrag mit A.I. läuft am Saisonende aus.

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