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Chris Bosh (l.) wechselte vor dieser Saison von den Toronto Raptors zu den Miami Heat © getty

Bei Miami werden bei der Pleite gegen Utah erneut Bruchstellen offenbart. Chris Bosh kommt nicht zur Geltung - und erntet Kritik.

Von Marcus Giebel

München - Drei Niederlagen nach acht Spielen, nur Rang drei in der Southeast Division: Spätestens nach dem 114:116 gegen die Utah Jazz sind die Überflieger der Miami Heat wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet.

Als klare Favoriten in die Saison gestartet, haben sie derzeit mit den gewöhnlichen Kinderkrankheiten eines auf vielen Positionen erneuerten Teams zu kämpfen.

Die Offensive kommt - wen wundert es angesichts der All-Stars Dwyane Wade, Chris Bosh und MVP LeBron James - Spiel für Spiel ins Rollen, doch in der Defense hapert es noch.

Das zeigte jüngst Utahs Point Guard Deron Williams, der nach einer schwachen ersten Hälfte (zwei Punkte, zwei Assists) aufdrehte und die Heat immer wieder vor Probleme stellte 310058(DIASHOW: NBA-Woche drei).

Williams punktet und legt vor

Mit einer aggressiveren Gangart zog er Miami den Zahn - Gegenspieler Carlos Arroyo war oft nur Statist. Miamis Coach Erik Spoelstra erkannte das Mismatch zwar und gab James den laufintensiven Defensivjob gegen Williams.

Dieser Schachzug hatte jedoch ähnlich wenig Erfolg wie das Hinzuziehen eines zweiten Verteidigers im Schlussviertel.

Vielmehr fanden sich nun noch mehr Lücken in der Heat-Defense, die Williams zu eigenen Punkten (am Ende 21) und einer Vielzahl von Assists (14) nutzte.

Spielmacher als Knackpunkt

Dass es somit erneut der gegnerische Spielmacher war, der die Niederlage von "Miami Thrice" besiegelte, ließ auch Spoelstra rätseln. (DATENCENTER: Der NBA-Spielplan)

"Wir werden sehen, ob es ein Trend ist. Ich weiß es nicht", hatte der Coach noch nach dem 93:96 bei den New Orleans Hornets gesagt. In besagtem Spiel gelangen Chris Paul 19 Assists.

Und auch bei der 80:88-Pleite zum Auftakt gegen die Boston Celtics glänzte deren Point Guard Rajon Rondo mit 17 Assists.

House bemängelt die Intensität

Auf Rondo und den Rekord-Champion trifft das Spoelstra-Team bereits am Donnerstag wieder. Wade freut sich trotz der schlechten Erfahrungen auf die Partie: "Es ist gut, dass wir jetzt gegen ein starkes Team wie die Celtics spielen."

Spoelstra jedenfalls glaubt, dass seine Spieler aus dem Jazz-Spiel die richtigen Schlüsse ziehen: "Die Jungs nehmen die Niederlage nicht auf die leichte Schulter."

Zumindest nach außen gab sich das Team selbstkritisch. "Wir hatten nach der Pause gegen Utah zu wenig Intensität im Spiel", kritisierte Eddie House.

Bosh in Korbnähe keine Macht mehr

Chris Bosh waren vor allem die 46 Punkte von Paul Millsap ein Dorn im Auge: "Er hatte einige sehr leichte Würfe. Wenn du ein paar leichte Würfe triffst, dann kommst du ins Rollen."

Power-Forward-Widersacher Bosh selbst ist in dieser Saison noch nicht mal ansatzweise ins Rollen gekommen. Aus dem Triumvirat fällt er bislang etwas ab. 14,8 Punkte und 5,9 Rebounds pro Partie sind für einen Mann seiner Klasse solide, mehr aber auch nicht.

Auffällig ist vor allem, dass der in der vergangenen Saison mit dem Rücken zum Korb noch herausragende Bosh im Heat-Trikot nicht an seine Vorjahres-Statistiken in Korbnähe anknüpfen kann.

Ex-Footballer spottet über Bosh

Gegen Utah bekam er den Ball nur achtmal an seiner bevorzugten Stelle - bei 33 Angriffen, an denen er beteiligt war.

Der Grund ist simpel: Ihm fehlt der Rhythmus. "Fox"-Experte Jason Whitlock drückt es etwas drastischer aus: "Chris Bosh ist zu weich, um das dritte Rad der Großen Drei zu sein."

Für den ehemaligen College-Footballer sind Wade und James vergleichbar mit den 90er Bulls-Stars Michael Jordan und Scottie Pippen. Ob Bosh jedoch zu einem Spieler wie Dennis Rodman werde, müsse sich erst zeigen.

Noch viel zu tun für die Heats

Die Partie gegen die Jazz war da kein Schritt nach vorne.

Dabei sollte das Heimspiel eine Standortbestimmung sein. So hatte James vor dem Tipoff gesagt: "Wir wollen sehen, wo wir stehen und woran wir noch arbeiten müssen."

Nach derzeitigem Stand ist das eine ganze Menge.

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