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Juwan Howard (l.) kam vor der Saison aus Portland nach Miami © getty

Das Debakel gegen Indiana stürzt Miami in die erste Krise. LeBron und Co. bitten um Zeit - aber die Probleme liegen tiefer.

Von Martin Hoffmann

München - Die Fans der Miami Heat haben eine klare Vorstellung, wer sie aus dem Schlamassel holen soll.

Zumindest der Teil der Anhänger, der sich in der zweiten Hälfte der blamablen Heimpleite gegen die Indiana Pacers lautstark zu Wort meldete. 313078(DIASHOW: NBA-Woche vier)

"We want Riley", schallte es aus ihren Kehlen. Der Teampräsident, ehemalige Meistertrainer und Hall of Famer möge sich bitte wieder an die Seitenlinie stellen.

Deutlicher kann nicht vermittelt werden, dass beim groß bis großspurig angekündigten Projekt "Big Three in Miami" etwas schief läuft.

Lautstarke Worte in der Kabine

Sechs Niederlagen hat die Mannschaft um LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh in 14 Spielen kassiert. Mehr, als zu erwarten war.

Gerade die Pleiten gegen mittelmäßige Gegner wie Memphis und jetzt Indiana waren gewiss nicht eingeplant - vor allem nicht in der Art und Weise, wie es nun gegen die Pacers passiert ist. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

Glaubt man Ohrenzeugen, wurde es hinterher in der Kabine laut und emotional - auch wenn sich die Heat-Akteure hinterher so gelassen wie möglich zu geben versuchten.

"Wütend werden bringt nichts"

"Das ist nicht das Ende der Welt", meinte Wade, der mit einem Drei-Punkte-Spiel einen der schwärzesten Abende seiner Karriere erlebte.

"Wütend werden bringt uns nichts", meinte Bosh: "Wir können den ganzen Abend reden und debattieren. Das einzige, was hilft, ist Zeit auf dem Feld."

Und James meinte, dass es zwei Dinge bräuchte, um in die Spur zu finden: Spaß und "Swagger", ein nach außen strahlendes Selbstbewusstsein.

Qualität hinter "Big Three" fehlt

Die übergeordnete Botschaft: Gebt uns Zeit, wir spielen uns ein und dann wird es schon.

Aber das Team von Trainer Erik Spoelstra offenbart Probleme, die über die üblichen Startschwierigkeiten eines neu zusammengestellten Kollektivs hinausgehen.

Besonders eine Erkenntnis drängte sich bei der Pacers-Pleite in aller Deutlichkeit auf: den Heat fehlt es an Qualität hinter dem alles überstrahlenden Superstar-Trio.

Der "Anker" schmerzlich vermisst

Nur vier Punkte erzielten Miamis Bankspieler - bei Indiana waren es 44: Seit fast zehn Jahren war Miamis zweite und dritte Garde nicht mehr so unproduktiv.

Das Fehlen ihres besten Mannes - des Bosh-Backups Udonis Haslem - war allzu deutlich bemerkbar.

Der Power Forward hatte sich in Memphis einen Bänderriss im linken Fuß zugezogen. Mit ihm verloren die Heat ihren besten Rebounder, ein dauerpräsentes Arbeitstier und "unseren Anker", wie ihn Riley im Sommer nannte.

Dass Miamis Luxustanker im ersten Spiel ohne diesen Anker in schwer Seenot gerät, wirkt da folgerichtig.

Dampier soll helfen

Die Verpflichtung des bis vor kurzem noch verschmähten Free-Agent-Centers Erick Dampier soll den Verlust nun ausgleichen.

Ob aber gerade der Ex-Maverick mit der oft so heftig kritisierten Arbeitsmoral die nötige Hilfe darstellt, ist - höflich gesagt - umstritten.

Haslem wird wohl bis Ende Februar ausfallen, auch Flügelakteur Mike Miller fehlt nach einer Daumen-OP noch mehrere Wochen.

"Schwer, eine schlechtere Bank zu finden"

Oldie Jerry Stackhouse, der als Ersatz für Mike Miller verpflichtet wurde, ist keine große Hilfe: Gegen Indiana gönnte Spoelstra ihm keine Minute Spielzeit - was in Anbetracht von Wades Fehlwurf-Orgie Bände spricht.

Außen vor blieb auch Joel Anthony, im Sommer noch mit einem Fünf-Jahres-Vertrag gebunden.

Das vernichtende Urteil von "ESPN" über Miamis zweiten Anzug: "Es ist schwer, eine schlechtere Bank in der NBA zu finden als Miamis derzeitige."

Ein Problem, das die Heat länger verfolgen dürfte, als ihnen lieb sein kann. Und den Wunsch nach einem Erlöser Riley wach halten wird, wenn es so weiter geht.

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